Unternehmen Erbschaftsteuer: Das sind die möglichen Szenarien - Seite 3

Szenario 3: Nur die Firma zählt

Das Prinzip: Steuervorteile gibt es nur für den Teil des Vermögens, den der Betrieb für seine Aufgaben – Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Dienstleistungen – benötigt. Was sonst noch in der Bilanz steht, wird steuerpflichtig.

Die Lösung: Bei Erbschaft oder Schenkung sortieren die Finanzämter künftig das Vermögen aus, das der Betrieb eigentlich nicht braucht. Zu diesem „Verwaltungsvermögen“ gehören zum Beispiel vermietete Immobilien, Wertpapiere, Anteile an Kapitalgesellschaften (bis zu 25 Prozent), Kunstgegenstände – aber auch hohe liquide Mittel (Bargeld, Guthaben, Forderungen), soweit sie mehr als 20 Prozent des Betriebsvermögens ausmachen. Sie sind künftig voll zu versteuern. Für das übrige, betriebsnotwendige Vermögen können Unternehmerfamilien wie bisher wählen: Entweder sie übertragen die Firma zu 100 Prozent steuerfrei. Dann muss der Nachfolger die Firma sieben Jahre weiterführen und die Arbeitsplätze sichern (Vorgabe: Die Lohnsumme inklusive Sozialabgaben bleibt in den nächsten sieben Jahren so hoch wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre vor der Betriebsübergabe). Oder sie optieren für 85 Prozent Steuerfreiheit. Dann ist der Nachfolger in der Pflicht, fünf Jahre weiterzumachen und darf in dieser Zeit die Lohnsumme um höchstens 20 Prozent reduzieren.

impulse-Wertung: Die meisten Unternehmerfamilien können den Betrieb günstig an Töchter oder Söhne weiterreichen. Das sichert mittelständische Existenzen und Arbeitsplätze. Gleichwohl sind zwei bittere Pillen zu schlucken. Erstens: Die Ausgliederung des Verwaltungsvermögens macht Schenken und Vererben oftmals deutlich teurer. Zweitens: Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern waren bisher bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer völlig außen vor – nach neuem Recht wird diese Grenze deutlich herabgesetzt. Alle anderen Mittelständler müssen jetzt auch Erbschaftsteuer zahlen, können die aber komplett oder zu 85 Prozent sparen, wenn sie die Zahl der Mitarbeiter praktisch unverändert lassen.

Realisierungschance: 90 Prozent – die Mehrheit im Bundestag will die bisherigen Spielregeln so weit wie möglich beibehalten.

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