Unternehmen „Erfinder neigen zu Verschwörungstheorien“

Innovationen sind Erfindungen, die am Markt funktionieren. Doch diesen Markt haben Erfinder selten im Blick, wenn sie forschen und tüfteln. Und wundern sich später, wenn niemand ihre Neuheit haben will.

Friedhelm Limbeck ist Vorsitzender des größten vom Bund geförderten Erfinderklubs in Deutschland, der Signo Innovations-Gesellschaft Eifel. Er hat mehr als 50 Erfindungen vermarktet, von der Cremehütchen-Aufstellmaschine für Großkonditoreien bis zum Harninkontinenzband zur Implantation in die Harnröhre.

Warum gibt es gute Ideen, die sich nicht vermarkten lassen?

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Weil niemand bereit ist, dafür Geld auszugeben. Ich habe morgens mal vergessen, den Reißverschluss meiner Hose zuzumachen. Da dachte ich: Es müsste da ein Warnsystem geben. So eine Idee finden alle gut und lustig. Aber niemand würde so ein Produkt kaufen.

Wie erkennt ein Erfinder, dass seine Idee keine Chance auf dem Markt hat?

Ich muss gegen meine eigene Idee ermitteln, das heißt: Ich will einen Fehler bei meiner Erfindung finden. Gibt es die Erfindung bereits? Falls nein: Warum gibt es sie nicht? Wer ist bereit, dafür Geld auszugeben? Wichtig ist dabei: Wenn man etwas findet, das gegen die Erfindung spricht, dann ist das gut! Denn es spart einem viel Geld, das man für Anmeldung und Entwicklung ausgeben würde.

Und woran erkennt man, dass die Vermarktung funktionieren könnte?

Man kann etwa prüfen: Gibt es bereits etwas Ähnliches auf dem Markt? Wenn es schon Leute gibt, die etwas Ähnliches kaufen, und mein Produkt deutlich besser ist, lässt es sich eventuell auch vermarkten. Aber: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Erfinden ist Risiko.

Wie bereitet man die Vermarktung vor?

Vor allem so früh wie möglich. Wenn man mit der Patentanmeldung beginnt, kann man schon an Kooperationspartner herantreten. Man muss herausfinden, wer der Entscheider in einer Firma ist. Ihm präsentiert man dann ein Exposé. Spätestens auf der ersten Seite nach dem zweiten Satz muss er davon gefangen sein. Das Exposé muss in kurzen, klaren Worten erklären: Darum geht es, und wenn du das nicht nimmst, bist du dumm.

Warum lassen sich auch einleuchtende Erfindungen manchmal dennoch nicht vermarkten?

Wenn man ein Produkt einer Firma anbietet, dann muss dies schon ein riesiger Fortschritt sein. Denn das Unternehmen müsste seine ganze Produktion umstellen. Aber: Jede Erfindung, die sehr gut oder auch nur gut ist, kommt auf den Markt.

Das werden viele Erfinder anders sehen.

Erfinder neigen zu Verschwörungstheorien, weil diese es einem einfach machen. Man kann sagen: Meine Erfindung ist grandios, aber der Markt hat sich gegen mich verschworen. Es ist wichtig, sich klarzumachen: Wenn ein Unternehmer ein Produkt sieht, das wesentlich besser ist als das, was er vertreibt, wird er erkennen: Wenn ein anderer dieses Produkt auf den Markt bringt, verkaufe ich von meinen Sachen nichts mehr.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 05/2012.

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