Unternehmen Europa öffnet die Türen für umstrittenen Genmais

Wird auf Deutschlands Feldern bald Genmais angebaut?

Wird auf Deutschlands Feldern bald Genmais angebaut?© endostock - Fotolia.com

Soll der Genmais 1507 in Europa angebaut werden oder nicht? Darüber berieten die EU-Minister in Brüssel - und konnten sich nicht einigen. Damit gilt die Zulassung als sehr wahrscheinlich. Deutschland hält sich jedoch ein Hintertürchen offen.

Es ist eine sensible Frage für Verbraucher, die Bauern und die Politik: Sollen gentechnisch veränderte Pflanzen auf deutsche Felder kommen? Indirekt haben die EU-Minister diese Frage nun beantwortet. Sie trafen sich am Dienstag in Brüssel um über die Zulassung des umstrittenen US-Genmais 1507 in der Europäischen Union zu beraten. Bei der Sitzung kam keine ausreichende Mehrheit für ein Anbauverbot zustande. Da es auch keine klare Mehrheit für die Zulassung gab, liegt die Entscheidung nun bei der EU-Kommission. Diese wird wohl eine Anbauerlaubnis erteilen, sollten nicht noch überraschende wissenschaftliche Erkenntnisse bekannt werden.

Insbesondere Frankreich gilt als Gegner der Zulassung. Die Bundesregierung hingegen hatte bereits vor der Abstimmung klar gemacht, dass sie sich enthalten wird. Gegen eine Zulassung sind das SPD-geführte Wirtschaftsministerium und das CSU-geführte Landwirtschaftsressort, das dafür auch eine breite Ablehnung unter Verbrauchern und Bauern anführt. Andererseits ist das CDU-geführte Forschungsministerium für eine Zulassung und verweist auf Stellungnahmen der europäischen Lebensmittelbehörde, die 1507 als unbedenklich einstufte.

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Entwickelt wurde der Genmais 1507 von der US-Saatgutfirma Dupont Pioneer. Er ist resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und Mottenlarven. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert, dass er so viel Insektengift produziere, dass zum Beispiel Schmetterlinge gefährdet würden. Verwendet werden könnte der Mais in Tierfutter und Biogasanlagen. Einen Antrag auf Anbaugenehmigung hatte der Hersteller bereits 2001 gestellt. Die EU-Kommission ließ ihn aber eine Weile liegen, Ausschüsse rangen damit. Im September 2013 klopfte das EU-Gericht der Kommission auf die Finger, weil noch keine Entscheidung gefallen war.

Als Lebens- und Futtermittel ist der Mais 1507 wie Dutzende andere Pflanzen in Europa schon genehmigt. Allerdings muss auf der Packung vermerkt sein, wenn ein Lebensmittel genveränderte Bestandteile hat. Dabei gilt aber: Sind unabsichtlich geringe Spuren (höchstens 0,9 Prozent) genetisch veränderter Bestandteile enthalten, entfällt die Pflicht zur Kennzeichnung. Milch, Eier oder Fleisch von Tieren, die genetisch verändertes Futter gefressen haben, muss nicht speziell deklariert werden.

Auch wenn der Genmais zum Anbau in der EU zugelassen wird, ein kleines Hintertürchen könnte Deutschland bleiben: Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will dafür kämpfen, dass der Mais de facto nicht angebaut werden muss – über Regionalklauseln, die einen Ausstieg aus einer generellen EU-Zulassung ermöglichen. „Mein Ziel ist, dass jedes Bundesland entscheiden kann, ob es den Anbau zulässt oder nicht.“ Unter den Ländern gibt es eine verbreitete Ablehnung, aber auch Warnungen vor einem Flickenteppich. „Maispollen machen schließlich vor keiner Landesgrenze halt“, heißt es etwa im Agrarministerium in Thüringen, das selbst Gentechnikfreiheit will.

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