Unternehmen ADAC: Prüfer nehmen Steuerzahlungen ins Visier

Ein Hubschrauber der ADAC Luftrettung

Ein Hubschrauber der ADAC Luftrettung© ADAC

Ist die einfache Pannenhilfe des ADAC eine Versicherung oder nicht? Ein Vermerk von Steuerprüfern könnte den Verein im Nachhinein Hunderte Millionen Euro für nicht gezahlte Versicherungssteuer kosten.

Der ADAC kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder gerät der Autofahrerclub in die Schlagzeilen. Und wie so oft bleiben vor allem Fragen. Ist der ADAC noch ein Verein oder doch ein Konzern?
Oder beides? Und was bedeutet das etwa für die Steuerzahlungen, die die riesige Organisation leisten muss. Dabei könnte ein kleiner Vermerk eines Steuerprüfers für den ADAC große Beduetung haben – und sich am Ende als teure Überraschung erweisen. Doch wie so oft in den vergangenen Wochen ist nur schwerlich ersichtlich, welche Folgen das für den ADAC haben wird.

Laut „Spiegel“ haben Steuerprüfer für den Zeitraum zwischen 2007 und 2009 bemängelt, der ADAC habe für seine Pannenhilfedienste keine Versicherungssteuer bezahlt – hätte das aber tun müssen. Der Club wies das zurück. Für den Verein sei bisher keine Versicherungssteuer angefallen. „Bislang gab es weder beim ADAC e.V. noch bei den ADAC Versicherungen Beanstandungen“, sagte ein Sprecher. Zwar laufe derzeit eine Versicherungsteuerprüfung für die Jahre 2007 bis 2009. Ein Besuch von der Steuerfahndung oder gar strafrechtliche Untersuchungen seien bislang aber kein Thema gewesen.

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Tatsächlich ist die steuerliche Behandlung des Vereins ADAC nicht ganz unkompliziert. Der ADAC e.V. ist ein sogenannter Idealverein und muss dank dieses Sonderstatus eigentlich keine Steuern zahlen. Eine Grund für den Sonderstatus ist etwa die Pannenhilfe. Doch so einfach ist es nicht. Der Club zahlt nach einer Vereinbarung mit den Finanzbehörden auf zehn Prozent des Basistarifs der Mitgliedergebühr Umsatzsteuer. Im Klartext: Die Basismitgliedschaft kostet 49 Euro, auf 4,90 Euro davon wird Umsatzsteuer fällig.

Plus-Mitgliedschaft enthält auch Versicherungsleistungen

Das ändert sich allerdings bei der sogenannten Plus-Mitgliedschaft, die in der Tat auch Versicherungsleistungen enthält. Auf die Differenz zwischen dem Basisbeitrag und der Plus-Mitgliedschaft werden 19 Prozent Versicherungssteuer fällig, die der ADAC auch gezahlt hat. 2013 etwa in Höhe von gut 56 Millionen Euro. Auch für andere Teile des Vereins zahlt der ADAC Steuern.

Der kleinere Auto Club Europa (ACE) geht ähnlich vor: Auf 50 Prozent der Mitgliedbeiträge werde Versicherungssteuer bezahlt, für unter zehn Prozent wird Umsatzsteuer fällig und die übrigen 40 Prozent verbucht der Verein abschlagsfrei. Die Jahresabschlüsse seien von Wirtschaftsprüfern bislang nicht beanstandet worden.

Sowohl ADAC als auch ACE haben außerdem Firmen gegründet, die Geschäfte abwickeln und Umsatzsteuer abführen müssen. Beim ADAC gehören dazu etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH, die 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro machte.

186.000 Mitglieder kündigten bisher aufgrund der aktuellen Entwicklungen

Doch auch dieses Konstrukt könnte sich am Ende ändern müssen. Das Amtsgericht München prüft schon seit einiger Zeit den Status des ADAC als Verein. In diesen Tagen erwartet das Gericht die Stellungnahme des Clubs, danach könnte es – je nach Umfang der eingereichten Unterlagen – noch eine Weile dauern, bis das Amtsgericht eine Entscheidung fällt. So lange muss der Club weiter um seinen Status zittern. Auch an dieser Baustelle herrscht also vor allem eins: Unsicherheit.

Wirklich sicher ist bisher nur, dass der ADAC bei der Vergabe des Autopreises „Gelber Engel“ Zahlen und Ergebnisse über Jahre gefälscht hat. Und dass die Affäre, die sich nach der Enthüllung des Skandals durch die „Süddeutsche Zeitung“ verselbstständigte, zuerst den mächtigen Kommunikationschef Michael Ramstetter, dann Club-Präsident Peter Meyer und schließlich die Geschäftsführung davon gerissen hat. Der Neuanfang und große Umbau hat zwar begonnen, am Ende ist der Prozess aber noch lange nicht.

Der Verlauf bleibt ungewiss – und auch das ist schlecht für den ADAC: Bis Anfang März hatten den Angaben zufolge allein 186.000 Mitglieder aufgrund der aktuellen Entwicklungen gekündigt. Dabei versicherte ein Sprecher am Montag zumindest eines: Beitragserhöhungen aufgrund der jüngsten Spekulationen um Steuernachzahlungen werde es nicht geben.

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