Unternehmen Fabrikbrände in Bangladesch: Deutsche Firmen lassen Opfer im Stich

Eine Hinterbliebende in den Trümmern einer eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch.

Eine Hinterbliebende in den Trümmern einer eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch.© Getty Images/AFP

Die Opfer der verheerenden Brände in zwei Textilfabriken müssen weiter warten: Am Freitag sind die Verhandlungen über Entschädigungen vorerst gescheitert.

Bei den Gesprächen in Genf ging es um den Brand der zwei Textilfabriken Tazreen und Rana Plaza, bei denen im November und April insgesamt mehr als 1200 Menschen starben. In beiden Fabriken hatten mehrere deutsche Firmen produzieren lassen, darunter die  umsatzstarken Textil-Discounter Kik und NKD, die beide zu renommierten Familienunternehmen gehören. Während Kik ein Teil der Tengelmann-Gruppe der Familie Haub ist, befindet sich NKD aktuell im Besitz des Textil-Moguls Claas E. Daun. Aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen tragen Firmen wie Kik eine  Mitverantwortung an den Unglücken.

In Genf ging es bei dem von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) moderierten Treffen um die Entschädigung für verletzte Arbeiter und die Familien der Todesopfer. Nur ein einziges Unternehmen sei zu konkreten Zusagen gewesen bereit, sagte Ineke Zeldenrust von der Kampagne für saubere Kleidung (CCC). „Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Zeldenrust, „wir hatten gehofft, viel mehr erreichen zu können.“ Nur die irische Textilkette Primark habe sich zu konkreten Zahlungen verpflichtet. Binnen zwei Wochen soll es zwar weitere Verhandlungen geben, allerdings ist unklar, ob die betroffenen Unternehmen überhaupt gesprächsbereit sind. Nach Genf hatten nur ein Drittel der eingeladenen Firmen Vertreter geschickt.

Anzeige

Während Kik an den Verhandlungen für die Opfer des Rana-Plaza-Einsturzes teilnahm, aber keine konkreten Zusagen machte, fehlten nach CCC-Angaben NKD, Güldenpfennig, Adler Modemärkte und Kids Fashion. „Ein halbes Jahr ist vergangen und erst ein Unternehmen hat Opfer entschädigt“, sagte Monika Kemperle von der globalen Gewerkschaftsvereinigung Industriall Global Union. Sie sprach den teilnehmenden Firmen ihren Respekt aus. „Aber ich kann nicht verstehen, warum man von diesen Gesprächen fernbleibt.“ Ein auf dem Tisch liegender Vorschlag sieht vor, dass die in der Verantwortung stehenden Fabrikbesitzer und deren Versicherungen den Großteil der Entschädigungssumme von insgesamt 74,5 Millionen Dollar zahlen und die betroffenen Textilketten und Markenfirmen 33,5 Millionen Dollar dazu beisteuern.

So groß der Imageschaden für Kik und Tengelmann durch die Unglücke auch sein mag: Den Umsatz beeinflussen die Schlagzeilen offenbar kaum. „Es gab einzelne Kunden, die nachgefragt haben, aber eine breite Kritikwelle hat uns nicht erreicht. Auch das Einkaufsverhalten hat sich nicht verändert“, sagt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“. Viel tun könne sein milliardenschweres Unternehmen ohnehin nicht. „Wir haben Büros vor Ort und prüfen die Fabriken. Aber letztlich müssen vor allem die Behörden in Ländern wie Bangladesch und Pakistan dafür sorgen, dass vernünftige Standards eingehalten werden. Als einzelner Abnehmer können wir da nur relativ wenig Einfluss nehmen.“

1 Kommentar
  • Matthias Merholz 17. September 2013 14:47

    Tja, es ist immer kaum zu glauben, wie die Menschen aus der Verantwortung rausreden!
    Das ist zwar nicht diese Tatsache, aber wenn man das dann immer wieder erlebt ist man doch erstaunt.
    Eigentlich sollte jedem aufgeweckten Menschen heutzutage klar vor Augen treten, dass er für seine Handlungen einzutreten hat. Jeder! Tut er es nicht, fällt es über kurz oder lang auf ihn selber und später auf auch alle anderen Menschen. Aus Verantwortungen kann man sich nur kurzfristig, unehrlich und nur mit Blindheit ziehen.
    Wer achtet denn der Dinge die Ihm im Leben geschehen? Viel zu wenige.
    Wir leben gemeinsam in einer Welt und sind gemeinsam verantwortlich.

    Jeder, der meint er könnte etwas zu seinem eigenen Vorteil bekommen und dabei nicht sieht, oder sehen will, dass er dabei andere schadete, der, ja, der hat noch ne Menge zu lernen!

    Bei Kleidung sind doch nicht nur die schuldig, die ein T-Shirt für 2,99 oder ein Hose für 9,99 kaufen als Schnäppchen erwerben, sondern doch auch diejenigen, die es anbieten, einkaufen, vertrieben und herstellen lassen!
    Jeder ist in dieser Kette schulidig!

    Wenn unsere Wirtschaft und alle Beteiligten, dass sind wir ja alle, weil jeder seine Waren erwirbt, sich zukünftig nicht darüber klar werden können, dass es in unserem Zeitalter nur noch mit fairer Zusammenarbeit, mit Achtung gegenüber dem Anderen geht, ja, dann wird sich die Wirtschaft immer mehr zurück entwickeln, sie wird degenerieren. Immer mehr und mehr wird sie sich zurück entwickeln ,immer mehr und mehr werden die Menschen die Ursachen nicht erkennen. Sie werden es wieder auf andere schieben.

    Sind diese Dinde nicht schon zu erkennen?
    Ich freue mich über jeden, der sich bemüht redlich zu handeln.
    Ich freue mich über Impulse und den Redakteur, dass er diesen Artikel druckt

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...