Unternehmen Finanzinvestoren stellen Mittelständler zum Verkauf

"Viele Private-Equity-Häuser sitzen auf heißen Kohlen, weil sie seit Ausbruch der Finanzkrise kaum Firmen aus dem deutschen Portfolio verkauft haben", sagt ein Investmentbanker. Nun zögen die Preise analog zu den steigenden Börsenkursen wieder an. Zum Verkauf stehen etwa der Transformator-Hersteller SGB und der Pharma-Zulieferer Aenova.

Finanzinvestoren wollen die bessere Stimmung in der deutschen Wirtschaft nutzen und zahlreiche Mittelstandsunternehmen verkaufen. „Viele Private-Equity-Häuser sitzen auf heißen Kohlen, weil sie seit Ausbruch der Finanzkrise kaum Firmen aus dem deutschen Portfolio verkauft haben“, sagt ein Investmentbanker, der zahlreiche Beteiligungshäuser berät. „Die Preise ziehen analog zu den steigenden Börsenkursen wieder an.

Auf der Seite der Interessenten stehen oft ebenfalls Finanzinvestoren, da sie sich angesichts der Kreditknappheit derzeit nur Mittelständler leisten können. „Wir werden ab dem zweiten Quartal mehr Transaktionen sehen unterhalb einer Schwelle von 700 Millionen Euro“, sagt Rainer Langel, Investmentbank-Chef des australischen Instituts Macquarie, der Nachrichtenagentur Reuters.

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Knapp über dieser Schwelle liegt der Verkauf des Regensburger Transformator-Herstellers SGB, der seit 2008 dem Finanzinvestor BC Partners gehört. Finanzkreisen zufolge ist hier ein Preis von bis zu einer Milliarde Euro möglich. Der von Goldman Sachs gesteuerte Verkauf sei jetzt offiziell losgegangen, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen. Informationen zu dem Unternehmen seien an Interessenten verschickt worden. SGB setzte zuletzt mit mehr als 1300 Mitarbeitern über 500 Mio. Euro um.

Auch das Private-Equity-Haus Bridgepoint bereitet Finanzkreisen zufolge einen Verkauf vor – dabei geht es um den oberbayrischen Pharma-Zulieferer Aenova. Bislang gibt es aber noch keinen offiziellen Prozess, wie Firmenchef Heiner Hoppmann zu Reuters sagte. Aenova beschäftigt 1550 Mitarbeiter, der Umsatz betrug zuletzt gut 260 Mio. Euro und der operative Gewinn (Ebitda) 43 Mio. Euro.

Am Start steht auch der Verkauf der pfälzischen Eisen-Gießerei Gienanth, die dem angeschlagenen Investor Cognetas gehört. Die Beteiligungsgesellschaft, die ihr Frankfurter Büro vor ein paar Monaten dicht gemacht hat, habe die Berater von DC Advisory mit dem Verkauf mandatiert, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen. Gienanth setzte zuletzt 200 Mio. Euro um. Finanzkreisen zufolge bereitet Cognetas zudem den Verkauf des Autozulieferers Ixetic vor.

Seit einigen Monaten sucht der Investor Montagu zusammen mit den Investmentbanken Goldman Sachs und HSBC bereits einen Käufer für den Hamburger Verbandsmittel-Hersteller BSN Medcial. Nun seien auch hier Informationsunterlagen an Interessenten verschickt worden, wie Insider sagten. Der bereits mehrmals verschobene Verkauf könnte Bankern zufolge bis zu zwei Mrd. Euro bringen. Montagu hatte BSN mit der Pflaster-Marke „Leukoplast“ vor mehr als sechs Jahren für gut eine Mrd. Euro gekauft.

Kurz vor dem Abschluss steht Verhandlungskreisen zufolge die Veräußerung des Vakuumtechnik-Spezialisten Leybold Optics. Der Finanzinvestor EQT, hinter dem die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg steht, hatte das unterfränkische Unternehmen vor mehr als zehn Jahren für 200 Mio. Euro gekauft. 2010 schrieb es einen operativen Gewinn von sechs Mio. Euro bei 140 Mio. Euro Umsatz.

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