Unternehmen Finanzinvestoren zahlen mehr für deutsche Unternehmen

Auch wenn die Zahl der Investments nicht stieg, kosteten deutsche Unternehmen die Private-Equity-Branche 2012 doppelt so viel Geld wie im Vorjahr. Das Jahr 2013 lockt mit möglichen Großverkäufen. Der Mittelstand ziert sich jedoch.

Finanzinvestoren haben für Unternehmenskäufe in Deutschland in diesem Jahr wieder deutlich tiefer in die Tasche gegriffen. Nach einer Studie von Ernst & Young gaben sie für 105 Firmen mehr als 13,7 Mrd. Euro aus. Im Jahr 2011 hatten sie nur 5,5 Mrd. Euro in den Kauf von insgesamt 110 Unternehmen gesteckt. Fünf Übernahmen ließen sich die Private-Equity-Gesellschaften sogar jeweils mehr als 1 Mrd. Euro kosten.

Doch von den Boomzeiten vor 2008, als die Branche für mehr als 30 Mrd. Euro einkaufte, bleibt sie weit entfernt, sagte Alexander Kron, Chef der Transaktionsberatung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft: „Dass es wieder einige Milliardentransaktionen in Deutschland gab, ist ein ermutigendes Signal. Ein nachhaltiger Aufschwung des Private-Equity-Marktes ist das aber noch nicht.“

Anzeige

Die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung und das mangelnde Angebot an geeigneten Übernahmezielen bremsten die Branche weiterhin, ist Ergebnis der Ernst&Young-Analyse. Käufer und Verkäufer lägen bei den Preisvorstellungen weit auseinander. „Angesichts der sehr unsicheren Konjunkturentwicklung verlangen die Investoren zum Teil massive Preisabschläge – daran sind in diesem Jahr einige Deals gescheitert“, sagte Kron. Gerade unter den Mittelständlern, auf deren Unternehmen die Finanzinvestoren seit Jahren schielen, sei die Verkaufsbereitschaft gering. Sie hätten in der Krise so dicke Eigenkapitalpolster aufgebaut, dass sie kein frisches Geld brauchten, sagte Ernst&Young-Partner Wolfgang Taudte.

Schwer fällt den Finanzinvestoren auch der Ausstieg aus Beteiligungen. Nur 62 Firmen aus den Portfolien der Private-Equity-Gesellschaften wurden verkauft – für insgesamt 10 Mrd. Euro. Im Vorjahr waren es noch 87 Beteiligungen für insgesamt 11,4 Mrd. Euro. An die Börse schaffte es 2012 kein Unternehmen aus ihrem Besitz – 2011 waren fünf Börsengänge gelungen. Allerdings hoffen zahlreiche Beteiligungsgesellschaften auf das Jahr 2013: Als aussichtsreiche Börsenkandidaten werden etwa die Immobilienkonzerne LEG und Deutsche Annington, der Gabelstapler-Hersteller Kion und der Wissenschaftsverlag Springer Science genannt.

Die Übernahme des Eon-Gasnetzes Open Grid Europe durch ein Konsortium um den australischen Infrastruktur-Investor Macquarie war mit 3,2 Mrd. Euro immerhin der zweitgrößte Kauf eines deutschen Unternehmens im Jahr 2012. Über der Milliardenschwelle lagen außerdem die 2,26 Mrd. Euro schwere Übernahme des Messtechnik-Spezialisten Elster durch die zum Finanzinvestor CVC gehörende britische Melrose Plc und der Kauf des Leukoplast-Herstellers BSN Medical für 1,8 Mrd. Euro durch die schwedische EQT. Advent ließ sich die Übernahme des Hagener Einzelhandelskonzerns Douglas 1,6 Mrd. Euro kosten, Lone Star zahlte für die staatliche Immobilien-Holding TLG 1,09 Mrd. Euro.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...