Anzeige Finanzkontrollen drücken Chinas Außenhandel

Die Flagge der Volksrepublik China

Die Flagge der Volksrepublik China© Wikipedia

Auf den ersten Blick bricht Chinas Außenhandel ein. Aber Experten geben Entwarnung: Vergangene Zahlen waren durch Finanztricks aufgebläht. Die neuen seien nun vermutlich realistischer.

Strengere Finanzkontrollen und die schwache Weltkonjunktur haben Chinas Außenhandel zuletzt unerwartet niedrig ausfallen lassen. Im Jahresvergleich legte das Außenhandelsvolumen im Mai nur um 0,4 Prozent zu, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Verweis auf die Zollverwaltung am Wochenende mitteilte. Im April war der Handel im Jahresvergleich noch um 15,7 Prozent gewachsen, wobei diese Zahlen Expertenangaben zufolge aber durch Finanztricks aufgebläht worden waren. Die Exporte stiegen im Mai im Vergleich zum Vorjahr den Angaben zufolge um 1 Prozent, die Importe gingen um 0,3 Prozent zurück.

„In den Daten für Mai schlagen sich die strengeren Regeln gegen „heißes Kapital“ nieder“, zitierte Xinhua Chang Jian von Barclays Capital. Seit Wochen gab es Spekulationen, dass bisherige Zahlen künstlich aufgebläht wurden, um ausländische Investitionen ins Land zu holen. „Die April-Zahlen waren definitiv übertrieben“, sagte der Ökonom Li Wei dem „Wall Street Journal“. „Wir werden auch künftig einstellige Wachstumszahlen bei Chinas Exporten sehen.“

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Ein Finanzexperte beschreibt das System: „Internationale Investoren sind auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten, aber die strengen Regeln lassen ein direktes Engagement in China nicht einfach zu.“ Wegen der lockeren Geldpolitik in den USA und Europa sowie der allgemein erwartete Wertsteigerung des chinesischen Yuan sei das Interesse an China besonders hoch.

Um die Schranken zu umgehen, würde daher für Produkte oder Dienstleistungen von Mittelsfirmen in China mehr Geld als üblich bezahlt, erklärt der Fachmann. Die Differenz könnte dann innerhalb Chinas investiert werden. Die gezinkten Zahlen blähten jedoch Chinas Außenhandel künstlich auf. Chinas Aufsichtsbehörden hatten strengere Kontrollen des Handels angekündigt. Damit könnten sie die dubiosen Geschäfte im Mai eingedämmt haben.

Auch der Binnenmarkt schwächelt
In den ersten fünf Monaten ging der bilaterale Handel zwischen China und der Europäischen Union laut Zollstatistik um 2,8 Prozent zurück. Es war jedoch unklar, ob der Rückgang durch den Handelsstreit zwischen der EU-Kommission und China zu erklären ist. Im gleichen Zeitraum wuchs der Handel mit den USA um 6,9 Prozent.

Neben den Finanzkontrollen könnte eine schwächere Nachfrage die Zahlen für Mai gedrückt haben. Nach Zahlen des Statistikamtes vom Sonntag war im Mai der Verbraucherpreisindex nur noch um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, nach 2,4 Prozent im Vormonat, im Februar waren es sogar 3,2 Prozent Steigerung. Der Erzeugerpreisindex, der auf künftige Preissteigerungen schließen lässt, fiel im Mai im Jahresvergleich sogar um 2,9 Prozent. Der Ökonom Zhu Haibin von J.P. Morgan werte die Zahlen im „Wall Street Journal“ als erstes Warnsignal: „Der Rückgang in den Verbraucherpreisen zeigt, dass die Binnennachfrage noch relativ schwach ist.“

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