Unternehmen Flughafen Leipzig/Halle profitiert von BER-Desaster

Ein Airbus A319 überquert am Flughafen Halle/Leipzig die Brücke über die Autobahn.

Ein Airbus A319 überquert am Flughafen Halle/Leipzig die Brücke über die Autobahn. © Uwe Schoßig

Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Die Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens bei Berlin bringen dem Flughafen Halle/Leipzig mehr Umsatz.

Der Flughafen Leipzig/Halle profitiert zunehmend vom Desaster um den Hauptstadtflughafen bei Berlin. „Im vorigen Jahr hat uns das mehrere 10 000 Passagiere aus dem Raum Berlin/Brandenburg gebracht“, sagte Flughafen-Chef Dierk Näther der Nachrichtenagentur dpa. „Wir rechnen auch für dieses Jahr wegen der Verzögerungen beim Bau des BER mit zusätzlichen Passagieren.“

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Hinzu kämen die unterschiedlichen Ferientermine von Sachsen und Berlin/Brandenburg. Viele nutzten dies, um von dem sächsischen Flughafen günstiger in die Ferien zu fliegen. Darauf hätten sich auch die Fernbus-Unternehmen eingestellt, die inzwischen viermal täglich zwischen Berlin und dem Flughafen Leipzig/Halle fahren.

Nach mehreren Jahren Stagnation habe der Passagierverkehr im vorigen Jahr vor allem dank des Engagements von Turkish Airlines und dem Billigflieger Ryanair wieder einen Schub bekommen. Die Passagierzahlen legten um knapp 14 Prozent auf rund 2,28 Millionen Fluggäste zu. „Wir sehen unseren Airport hauptsächlich als Zubringerflughafen für die internationalen Drehkreuze und als Ferienflughafen“, sagte Näther. Etwa zwei Drittel der Passagiere entfielen auf den Tourismus und ein Drittel auf den Linienverkehr. In Dresden etwa sei das Verhältnis nahezu umgekehrt.

Logistik strategisch wichtig
Wachstumsschwerpunkt sei aber die Logistik. „Die Logistik ist strategisch das Feld, wo wir die größten Zuwachsraten erwarten“, sagte der Flughafen-Chef. Der entscheidende Standortvorteil für Leipzig/Halle sei die geltende Nachtflugerlaubnis für Luftfracht. Anwohner hatten versucht, diese Genehmigung zu kippen, waren vor Gericht aber gescheitert.

„Die für den Flughafen geltende Nachtfluggenehmigung für Expressfracht ist für uns ein riesiger Standortvorteil“, sagte Näther. Seit der Ansiedlung der Post-Expresstochter DHL hat sich Leipzig/Halle nach Frankfurt am Main auf Platz zwei der deutschen Frachtflughäfen katapultiert. Im ersten Quartal 2013 seien rund 286 600 Tonnen Fracht umgeschlagen worden – ein Plus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im gesamten Jahr 2012 waren es 863 670 Tonnen.

Hauptthema sei momentan die Erschließung neuer Flächen für Ansiedlungen und deren Vermarktung. „Es gibt Bedarf und es gibt permanent Gespräche“, sagte Näther, nannte aber keine Einzelheiten. Große Hoffnungen setze er auf die Leitmesse „transport logistik“, auf der sich der Flughafen von Dienstag bis Freitag zusammen mit seinen chinesischen Partnern in München präsentiert. Die Messe gibt es alle zwei Jahre. Sie gilt als Leitmesse der globalen Logistikbranche. Außerdem will sich der Flughafen immer stärker auf Nischenmärkten etablieren. Seit der Stationierung der beiden Großfrachtflugzeuge vom Typ Antonow gelte Leipzig/Halle als Spezialist für den Transport übergroßer Luftfrachtstücke.

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