Unternehmen Fragen und Antworten zur ADAC-Affäre

Einsatz eines ADAC-Rettungshubschraubers.

Einsatz eines ADAC-Rettungshubschraubers.© ADAC

Der ADAC ist massiv angeschlagen und steckt in der größten Krise seiner Vereinsgeschichte. Zwar versucht sich das Präsidium in Aufarbeitung, doch viele Fragen bleiben ungeklärt. Ein Überblick über die gegenwärtige Situation.

Nach der Aufklärung ist vor der Aufklärung. Unabhängige Prüfer haben die ganze Dimension der Fälschungen bei der ADAC-Kür zum Lieblingsauto der Deutschen 2014 offengelegt: Nicht nur die Stimmenzahlen, sondern auch die Rangfolge wurde manipuliert. Aber was waren die Motive – und wer wusste davon? Es bleiben viele Fragen:

Werden auch die Motive für die Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“ untersucht?

Anzeige

Nein – jedenfalls nicht von der Unternehmensberatung Deloitte. Und der geschasste Kommunikationschef Michael Ramstetter schweigt. Die Motive könnten aber Thema werden, wenn es ein Strafverfahren geben sollte – doch bis dahin ist der Weg noch weit. Die Staatsanwaltschaft München hat zwar unter anderem wegen der Manipulationen beim Autopreis „Gelber Engel“, aber auch wegen der umstrittenen Hubschrauberflüge von Präsidiumsmitgliedern zu ADAC-Terminen Vorprüfungen eingeleitet. Aber bis zu regulären Ermittlungen und von da wiederum bis zu einem Prozess wären noch viele Schritte zu gehen.

Was könnten die Gründe gewesen sein, die Zahlen zu frisieren und dann auch noch die Rangfolge zu ändern?

Darüber kann man nur spekulieren. Bei den Zahlen könnte man annehmen, dass die tatsächliche Beteiligung der fast 15 Millionen „Motorwelt“-Leser einfach zu niedrig war und die Sache nicht zu mickrig aussehen sollte. Bei der Platzierung wiederum glauben manche, dass vielleicht alle deutschen Hersteller einigermaßen ausgeglichen vertreten gewesen sein sollten. Viele glauben einfach auch an „Dusseligkeit“. Genau weiß es wohl nur Michael Ramstetter.

Der Riese ADAC ist ein Verein, hat „Strukturen wie ein Kaninchenzüchterverein“ – kann das so in Ordnung sein?

Das Münchner Amtsgericht untersucht derzeit, ob die vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten bei dem Autoclub noch vom Vereinsrecht gedeckt sind. Der Ausgang des Verfahrens ist offen. Die Struktur des ADAC als Verein ist aber schon seit vielen Jahren immer wieder in der Diskussion und hat bereits den Bundesgerichtshof beschäftigt. Der hatte 1982 in einem durchaus umstrittenen Urteil die Ausgliederung von Firmen 1982 für rechtmäßig erklärt. Vereinen, die laut Gesetz keine wirtschaftlichen Geschäftsbetriebe sein dürfen, wird damit ermöglicht, trotzdem Einnahmen zu erzielen.

Wie verhalten sich die Mitglieder?

Tausende sind schon ausgetreten. Von großer Enttäuschung ist die Rede; in den Leserbriefen des ADAC-Mitgliedermagazins „Motorwelt“ wurden auch Rücktrittsforderungen gegen alle laut, die an dem Desaster Verantwortung trügen. Sehr oft aber heißt es: Die Hilfe, die der Club bei Pannen leiste, sei enorm. „Ich bin einfach froh, dass es den ADAC gibt“, schrieb etwa ein Mitglied.

Wie grundlegend wird der ADAC umgebaut?

Der ADAC hat einen 10-Punkte-Reformplan vorgelegt. Danach wird unter anderem nach dem Vorbild von Anti-Korruptionsbeauftragten in großen Unternehmen der Posten eines Chief Compliance Officer (CCO) geschaffen, der gesetzestreues Verhalten und die Einhaltung interner Richtlinien garantieren soll. ADAC-Hubschrauber dürfen nur noch für Rettungsflüge eingesetzt werden, nicht mehr für dienstliche Nutzung. Der ADAC plant auch eine Website, auf der auch anonym auf Missstände hingewiesen werden kann. Doch das dürfte nicht genügen. Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) mahnte höchstmögliche Transparenz und grundlegende Reformen an. Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden. „Grundsätze der guten Unternehmensführung sollten auch für Organisationen wie den ADAC gelten“, sagte Maas.

Sind nach dem Abgang von Ramstetter und Meyer weitere personelle Konsequenzen zu erwarten?

In der Schusslinie ist vor allem der Geschäftsführer des ADAC, Karl Obermair, es gibt aber auch Rücktrittsforderungen gegen das gesamte Präsidium. Was daraus wird ist offen.

Kann Michael Ramstetter allein gehandelt haben?

Der ADAC sieht die alleinige Schuld bei dem Ex-Kommunikationschef. Mindestens aber der Informant der „Süddeutschen Zeitung“, die den Skandal ins Rollen brachte, muss von Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto etwas gewusst haben. Außerdem scheint es kaum denkbar, dass die Auswertungen von Coupons und Online-Stimmen nur an Ramstetter gingen. Selbst wenn: diejenigen, die das Material ausgewertet hatten, hätten trotz der getrennten Zählung eine Diskrepanz zu den dann veröffentlichten Preisträgern erkennen müssen,
meint Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

1 Kommentar
  • Fragen und Antworten zur ADAC-Affäre 12. Februar 2014 07:45

    Vielleicht wird der ADAC ja nur sturmreif geschossen. Die Meinung von 15 Mio. Mitgliedern, die sich durch das Vereinsmagazin sicher beeinflussen läßt, ist unseren Politikern vielleicht nicht gleichgültig, aber unangenehm. Die für mich zu erkennenden Fehler des ADAC, ein manipulierter Preis für den sich offensichtlich kaum jemand interessiert (siehe Beteiligung) und ein paar Großkopferte, die Vorteile in Anspruch nehmen; unschön, aber wohl nicht stärker ausgeprägt als in Banken, Versicherungen, großen Betrieben im Allgemeinen, sind gering im Vergleich zu dem, was unsere Politiker sich leisten. Chronische Unterfinanzierung des Strassenbaues obwohl ein Mehrfaches an direkt zuzuordenden Einnahmen den nicht einmal zum Erhalt der Infrastruktur notwendigen Ausgaben entgegensteht, ein „Verkehrsrecht“, welches in Teilbereichen eher einer mittelalterlichen Hexenjagd entspricht (Beisp.: Der Führerschein wird auf Verdacht entzogen, bis der Betreffende seine Fahreignung nachgewiesen hat) und dazu immer neue Steuern, Regeln, Zusatzabgaben bis zur Enteignung (keine grüne Plakette – Fahrzeug fast wertlos). Der ADAC hätte stärker auf die Politik einwirken können, es beteht wohl bei unseren Politikern die Angst, daß dies in Zukunft geschehen könnte. Zur Zeit wäre das Totschlagargument, daß der ADAC ohnehin unzuverlässig sei.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...