Unternehmen Für den besonderen Anlass

Er war teuer und begehrt: In der DDR erlebte der Sekt mit der roten Kappe eine Blütezeit, nach der Wende einen Umsatzeinbruch. Fast am Boden rappelte sich der Betrieb wieder auf - und übernahm als erstes ostdeutsches Unternehmen einen westdeutschen Konkurrenten.

Es ist die erste große Übernahme eines westdeutschen Unternehmens durch ein ostdeutsches und damit eine der meisterzählten Geschichten eines ostdeutschen Unternehmens: Zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung übernimmt Rotkäppchen die Sektmarken Mumm, Jules Mumm und MM Extra.

Rotkäppchen war in der DDR beliebtester Sekt und gehörte zum VEB Kombinat Spirituosen, Wein und Sekt. Bis zu 38 verschiedene Sektmarken jährlich füllte die Sektkellerei im sächsischen Freyburg in den 1980er Jahren ab. Trotz des üppigen Flaschenpreises von 17 bis 23 Mark überstieg in der DDR die Nachfrage das Angebot. Der Sekt mit der roten Kappe gehört zur „Bückware“. Ein geflügeltes Wort für knappe Waren in der DDR. Die Verkäuferin musste sich nach bestimmten Produkten unter den Tresen bücken, verkaufte sie unter der Hand.

Anzeige

Umsatzrückgang nach der Wende

Bereits kurz nach der Wende ist ein deutlicher Umsatzrückgang spürbar. Ende 1989 verkauft die Sektkellerei trotz Weihnachten und Silvester mit fast einer Million Flaschen deutlich weniger als in den Monaten davor. 1990 bricht der Umsatz völlig ein. Allein im zweiten Halbjahr werden lediglich 1,8 Millionen Flaschen und damit nur ein Zehntel abgesetzt. Im Vergleich: Bis zur Wende füllt die Sektkellerei rund 15 Millionen Flaschen jährlich ab. Der Grund für die Verkaufsflaute: Die Ostdeutschen sind neugierig, wollen endlich die Produkte probieren, die bisher nur aus dem Westfernsehen bekannt sind. Und nach der Wende sind sie nun auch in ostdeutschen Supermärkten zu finden. Die Waren aus dem Osten können sich nicht gegen ihre westdeutschen Konkurrenten durchsetzen.

Die Geschäftsleitung entlässt mehr als die Hälfte der Belegschaft. Die Übrigen suchen nach ungewohnten Absatzkanälen. Sie ziehen über Wochenmärkte und Straßenfeste, verkaufen selbst den Sekt aus dem Kofferraum ihrer Autos.

Leitende Mitarbeiter setzen sich durch

1990 fällt die Sektkellerei an die Treuhand, die die neu gegründete Rotkäppchen-Sektkellerei GmbH zum Verkauf ausschreibt. Anfang 1992 setzt die Treuhand die Privatisierungsgespräche mit möglichen Investoren für ein halbes Jahr aus, will dass sich das Unternehmen finanziell erst etwas erholen kann, bevor es privatisiert wird. Durchsetzen können sich schließlich im zweiten Anlauf 1993 fünf leitende Mitarbeiter der Sektkellerei. Unter ihnen Hans-Jürgen Krieger, ein Unternehmensberater aus Westdeutschland. Die Treuhand setzt ihn 1992 als zweiten Geschäftsführer ein, um das Unternehmen bei Vertrieb und Marketing zu unterstützen. Als Privatinvestor und Miteigentümer gewinnen die Mitarbeiter zudem Harald Eckes-Chantré, Chef der Eckes AG. Die Sektkellerei erholt sich allmählich, verkauft bereits 1993 wieder 10 Millionen Flaschen Rotkäppchen-Sekt. 1995 ist Rotkäppchen der meistverkaufte Sekt in Ostdeutschland.

Nach der Übernahme der Mumm-Sektmarken 2002 benennt sich das Unternehmen in Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH um. Heute ist die Sektkellerei Marktführer auf dem deutschen Sektmarkt. An fünf Standorten, darunter drei in Westdeutschland, beschäftigt Rotkäppchen-Mumm rund 500 Mitarbeiter und setzt im vergangenen Jahr 740,9 Millionen Euro Umatz um. Von insgesamt 139,4 Millionen abgesetzten Sekt-Flaschen verkauft sich allein Rotkäppchen-Sekt 90,9 Millionen Mal.

Kennen Sie die Rotkäppchen-Sekt von früher oder haben Sie weitere Produkte, über die Sie gerne lesen würden? Schreiben Sie uns Ihre Erinnerungen im unten stehenden Kommentarfeld:

Wie es funktioniert:

„Ihr Name“: Bitte tragen Sie hier Ihren richtigen Namen ein. Uns ist besonders wichtig, dass Diskussionen auf impulse.de in einer sachlichen und freundlichen Atmosphäre stattfinden. Aus diesem Grund akzeptieren wir nur Klarnamen wie „Stefan Ammer“. Fantasiebegriffe wie „Hexe09“ oder ähnliches führen zur Löschung des Beitrags.

„Ihre Email-Adresse“: Bitte tragen Sie hier eine gültige Email-Adresse ein. Diese wird nicht veröffentlicht und dient lediglich der Verifizierung.

„Ihr Kommentar“: An dieser Stelle können Sie Ihren Text eintragen. Bitte beachten Sie, dass die Höchstlänge auf 1000 Zeichen begrenzt ist.

Wir freuen uns über Ihren Beitrag.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...