Unternehmen Geschüttelt Gold

Jeden Monat stellt impulse ein Produkt im Detail vor: Wer liefert was, und wer arbeitet wie mit? Für diesen Knopf, der vier Gramm wiegt und 90 Cent kostet, benutzt die Firma Dill Druckgussmaschinen, Wannen, Trommeln, Legierungen, Galvanikchemie und 24 Karat flüssiges Gold.

Knopffabrik

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Dill Bärnau. Knopfmachern geht’s gut, wenn die Leute sparen, dann kaufen sie lieber neue Knöpfe als neue Blazer, sagt Hans Dill, der Sohn des Gründers. Die Firma in der Oberpfalz stellt seit 87 Jahren Knöpfe her. 40 Leute arbeiten dort, 15 in den USA bei der einzigen Dill-Tochter, ein Vertrieb im größten Dill-Markt. Weltbestseller der Bayern sind Blazerknöpfe mit Silberschicht und, wie der hier gezeigte, mit Gold.

Politur

Walther Trowal Haan. Entgratet und poliert werden die ge­gossenen Knöpfe im Rundvibrator von Trowal. Der rüttelt und schüttelt sich exakt: Im Haaner Vibrationsversuchszentrum suchten Techniker das Verfahren zur perfekten Knopfpolitur. Die Herausforderung war, Knöpfe und Poliersteine wieder zu trennen, wenn die Knöpfe glatt sind. Das geht inzwischen automatisch. Die Poliersteine sind aus Keramik. Trowal, 180 Mitarbeiter, liefert sie als Zwischenhändler mit und immer wieder nach.

Zink

Greuter-Kerscher-Schmelzbetrieb Fürth. Die Hütte, vor einem halben Jahrhundert gegründet, legiert ­norwegischen Zink. Auch der Knopfzink muss die Textilnorm Öko-Tex-100 erfüllen. Deswegen haben die 30 Greuter-Kerscher ein Zertifikat, dass schon die fünf ­Kilogramm schweren Zinkblöcke, die sie an Dill liefern, speichel- und leckfest sind. Der Zink sorgt für den Klang echten Metalls, wenn zwei Knöpfe aneinanderschlagen.

Galvanik

Dr. Fritz Riedel Nürnberg. Den Glanz verdankt der Goldknopf den Galvanikern von Riedel. Die Firma, seit 1927 aufs Galvanisieren spezialisiert, liefert plastikbeschichtete Wannen samt den nötigen Elektroden, um den Wanneninhalt unter Strom zu setzen. Die Zinkknöpfe werden in flüssiges, heißes Gold getaucht und unter Strom gesetzt. Das Gold bleibt an den Knöpfen kleben, aber nicht an der Wanne wegen des besonderen Plastiks. Was an Flüssigkeit übrig bleibt, wird wiederverwendet.

Form

Oskar Frech Schorndorf-Weiler. Zink wird in der DAW-20 auf 400 Grad erhitzt, also verflüssigt, dann in Knopfformen gedrückt. DAW steht für Druckgieß Automat Warmkammer, 20 für 20 Tonnen Kraft. Formen stellt Dill selbst für jede der 25?000 Knopfarten im Angebot her. Nach dem Gründer der Firma ist Schorndorfs Freibad benannt, die zweite und dritte Generation leitet das Unternehmen mit den Tochterfirmen im Ausland, die vierte Generation kann nach der Schule ins Freibad gehen.

Gold

Atotech Berlin. Spezialist für Oberflächenveredlung mit 16 Produktionsstandorten in aller Welt. Zur Tochter des Total-Konzerns gehört auch ein Teil der früheren Schering AG. Atotech verleiht allem Metallglanz, ob Wasserhähnen, Schrauben, Autos. An Dill liefern die Berliner ein Pulver voll Chemie und 24-karä­tigem Goldstaub. Das Pulver wird in Wasser gelöst, in Trommelwannen von Riedel gegossen und unter Strom gesetzt. Knöpfe rein. 20 Minuten Rotation, dann sind sie so beschichtet, dass das Gold den Vollwaschgang jeder Waschmaschine übersteht.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 11/2011.

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