Unternehmen GM verliert Geduld mit Opel

Der US-Hersteller braucht seine Europa-Tochter - zumindest noch. Nach dem Börsengang des vom Staat gestützten Autobauers steigt der Renditedruck. Nun kommen erste Drohungen von General Motors.

Beim amerikanischen Autobauer General Motors steigt nach der erfolgreichen Rückkehr an die Börse die Ungeduld mit der defizitären Tochter Opel. Das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen müsse so schnell wie möglich wieder profitabel werden, zitiert die Branchenzeitung „Automobilwoche“ GM-Strategiechef Stephen Girsky in ihrer neuen Ausgabe. Dafür reichten Kostensenkungen alleine nicht aus. Auf der Weltkarte des einstigen Branchenprimus GM ist das von Opel geführte Europageschäft das einzige mit roten Zahlen.

Girsky machte dem Bericht zufolge deutlich, dass die Detroiter Konzernzentrale den Kapazitätsabbau bei Opel für ausreichend halte. Der deutsche Traditionshersteller hatte jüngst sein Werk im belgischen Antwerpen geschlossen und baut europaweit Tausende Stellen ab. Der Marktanteil in Europa und vor allem Deutschland sinkt jedoch kontinuierlich, weil die Kunden mit Modellen wie dem hoch gelobten Insignia offenbar wenig anfangen können.

Anzeige

2010 schrumpfte der Marktanteil von 8,5 auf 7,5 Prozent in Deutschland. 1995 hatte Opel noch doppelt so viel. Der Verlust schwoll 2010 auf 1,4 Mrd. Euro an. Nach harter Sanierung in der Insolvenz kehrte GM jüngst fulminant auf das Börsenparkett zurück. Die Aktie wird nun wieder in den USA und Kanada notiert.

Opel fehlen aus Expertensicht neue Märkte, Modelle und Motoren. „2011 und 2012 werden Opels Schicksalsjahre“, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel vom Center of Automotive. Er sieht die Chance bei 50 Prozent, dass der Hersteller wieder in die Spur findet. Experten gehen davon aus, dass Opel frühestens in vier Jahren den Rückstand zur Konkurrenz aufholt – auch, weil das Spardiktat der Konzernzentrale schnellere Entwicklungen beeiträchtigt.

Opel-Chef Nick Reilly will das Rüsselsheimer Unternehmen mit niedrigeren Kosten und neuen Modellen in die Gewinnzone führen. Für das laufende Jahr geht der Autobauer noch von einem Fehlbetrag von 500 Mio. Euro aus. Reilly hatte während der Automesse in Detroit bekräftigt, ohne Restrukturierungskosten könne das Unternehmen 2011 die operative Gewinnschwelle erreichen. Im vergangenen Jahr hatte Opel knapp 1,2 Millionen Fahrzeuge verkauft. Dieses Volumen hält Reilly für ausreichend, um bei niedrigerer Kostenbasis einen Gewinn zu erwirtschaften.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...