Unternehmen Harte Zeiten für kleine Solarfirmen

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende sollte die Solarbranche eigentlich freuen. Doch die Kapazität liegt über der Nachfrage, die Preise purzeln. Die ansetzende Konsolidierung bedroht vor allem Kleinunternehmer - viele werden wohl sang- und klanglos verschwinden.

In der Solarindustrie nimmt die von Experten erwartete Marktbereinigung langsam Formen an. Die schwache Nachfrage auf den europäischen Kernmärkten und der herbe Wettbewerb aus Asien lassen die Preise für Module weiter fallen. Erst nach und nach schlägt sich das auch auf Preise für Rohmaterialien durch. Verbraucher können sich freuen, aber nicht jedes Unternehmen wird dem Preisdruck standhalten können, da sind sich viele Teilnehmer der Branchenmesse „Intersolar“ in München einig. Auch der Energiekurs der Bundesregierung sorgt ihrer Meinung nach für wenig Aufwind für die Erneuerbaren Energien.

Die Branchenvertreter hatten sich schon bei der Vorlage ihrer Zahlen zum ersten Quartal zusammenreißen müssen, um nicht zu pessimistisch dreinzublicken. So ließ etwa das Solarunternehmen Q-Cells nach einem schwachen Jahresauftakt offen, ob ein Gewinn aufs Jahr gesehen möglich sei. Nicht erst seit kurzem gilt das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt als Übernahmekandidat. Vorstandschef Nedim Cen gab sich wenig Mühe, solcherlei Spekulationen entgegenzutreten. „Ich stelle das Unternehmen über meine Person, und ich werde nicht aus falscher Eitelkeit heraus Gespräche ablehnen, die für das Unternehmen die richtigen sind.“ Konkrete Gespräche gebe es aber bislang nicht.

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Kleine Unternehmen werden wohl allmählich verschwinden

Nach einem steilen Marktwachstum im vergangenen Jahr – vornehmlich von Deutschland getragen – leidet die Branche jetzt unter massiven Überkapazitäten. „Ich schätze, dass es derzeit weltweit mindestens 50 Prozent mehr Kapazität als Nachfrage gibt“, sagte Frank Asbeck, Vorstandschef des Photovoltaikkonzerns Solarworld. Daher stehe ein Konsolidierungsprozess kurz bevor. Überleben könnten nur etablierte Spieler. Neueinsteiger und Firmen unter einem Gigawatt Kapazität hätten keine Chance.

Nach dieser Rechnung dürfte in den kommenden zwei Jahren weltweit noch ein Dutzend Firmen übrig bleiben. Spektakuläre Übernahmen werden dabei nach Ansicht vieler Beobachter eher selten sein. Kleine Unternehmen würden vielmehr sang- und klanglos verschwinden. Auch Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft räumte ein: „Es gibt große Herausforderungen für die Branche, denen müssen sich die Unternehmen stellen.“ Es werde zur Konsolidierung kommen, aber eine Welle sehe er nicht.

Viele Beobachter sind sich einig, dass eine gewisse Marktbereinigung notwendig und sinnvoll ist. Oft spielen Größenvorteile eine Rolle, etwa im Einkauf von Rohstoffen, von denen die kleinen Spieler der Branche meilenweit entfernt sind.

Während viele deutsche Unternehmen ums Überleben kämpfen, gibt sich die Konkurrenz aus China äußerst selbstbewusst. Der weltweit größte Solarkonzern Suntech etwa sieht in der schwierigen Situation eine Chance für eigenes Wachstum. Der Konzern werde seine Marktposition weiter ausbauen können, sagt Unternehmens-Gründer und -Chef Zhengrong Shi. Und auch Yingli, aktuell die Nummer Vier unter den Solarunternehmen weltweit, ist auf Wachstumskurs und baut seine Kapazitäten aus.

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