Unternehmen Harting trennt sich von zwei Geschäftsführern

Beim Elektrotechnikhersteller Harting rumort es in der Führung. Die Unternehmerfamilie hat sich von zwei langjährigen Geschäftsführern überraschend getrennt. Der Abgang dürfte mit einem anstehenden Generationswechsel in Zusammenhang stehen.

Der Elektrotechnikhersteller Harting hat sich von zwei Geschäftsführern seiner größten Sparte getrennt. Die zwei langjährigen Manager Sven Holtgrewe und Hartmut Schwettmann haben das Familienunternehmen verlassen, bestätigte ein Firmensprecher entsprechende Informationen von impulse.de.

Holtgrewe und Schwettmann waren seit Mitte 2008 Geschäftsführer der Harting Electric GmbH & Co. KG, die heute für einen Umsatz von 230 Mio. Umsatz steht. Insgesamt erlöste die Unternehmensgruppe aus Espelkamp im Nordosten Nordrhein-Westfalens im vergangenen Geschäftsjahr 481 Mio. Euro und ist damit die Nummer zwei in der Branche der elektrischen Verbindungstechnik hinter Phoenix Contact. Harting beschäftigt knapp 3400 Mitarbeiter.

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Holtgrewe, Jahrgang 1964, führte seitdem das Ressort Marketing/Vertrieb. Sein Kollege Schwettmann, Jahrgang 1960, der als Trainee in der Firma startete, war seitdem Geschäftsführer für Entwicklung und Produktmarketing. Eine so lange Tätigkeit in der gleichen Position gilt selbst in Familienunternehmen als ungewöhnlich.

Zu den Gründen der Trennung machte der Firmensprecher keine Angaben. Dem Vernehmen nach hängt der Abgang mit einem anstehenden Generationswechsel zusammen. Die Verantwortung für die Harting Electric GmbH & Co. KG obliegt in der stark dezentralisierten Unternehmensgruppe Philip Harting, Sohn von Dietmar und Margrit Harting. Philips Vorstandsressort „Connectivity & Networks“ stellt das wichtigste Marktsegement der Gruppe dar.

„Man muss nur wissen, wann man aufhört, mit denen zu diskutieren“

„Der Harting-Junior mischt sich immer stärker in das Geschäft ein, er baut sich jetzt ein neues Team auf“, sagt ein Unternehmenskenner zu impulse.de. Senior Dietmar Harting ist einziger persönlich haftender Gesellschafter, dessen Ehefrau Margrit Harting so genannte generalbevollmächtigte Gesellschafterin. Obwohl Dietmar Harting also Ranghöchster im Unternehmen ist, kümmert sich der 73-Jährige heute mehr um seine Mitgliedschaften in Verbänden, wie etwa dem Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie. Treibende Kräfte in der Unternehmensgruppe sind mittlerweile Margrit und Philip. Der Filius ist der oberste Repräsentant der dritten Generation. Ein hochrangiger Manager weiß: „Sie können vieles vorschlagen, man muss nur wissen, wann man aufhört, mit den Unternehmern zu diskutieren“.

Was Schwettmann und Holtgrewe zukünftig machen, ist unklar. Ob sie ein – in der Branche übliches – Wettbewerbsverbot auferlegt bekommen haben, wollte ein Harting-Sprecher nicht sagen. Beide dürften aber durch ihre lange Firmenzugehörigkeit und hohe Position eine stattliche Abfindung erhalten.

Vor allem der Weggang von Holtgrewe gilt als Verlust für Harting, da er viel Know-How im Bereich der industriellen, schweren Steckverbindungen mitnimmt. Für manche Branchenkenner gilt er gar als der „Papst der industriellen Steckverbindungen“. Durchaus also möglich, dass er nach einer Karenzzeit bei einem Rivalen aufschlägt – Wechsel zwischen den konkurrierenden Unternehmen sind nämlich nicht selten. So arbeitete der ehemalige Harting-Geschäftsführer Joachim Belz später einige Jahre als Chef des Rivalen Weidmüller.

Die Nachfolge der beiden Geschäftsführer bei Harting ist derweil noch nicht abschließend geklärt. Der Firmensprecher sagte, dass möglicherweise die Ressorts neu zugeschnitten werden.

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