Unternehmen Haufe-Lexware: Das können Unternehmer vom Fachverlag lernen - Seite 2

1. Wer sich nicht ändert, stirbt!

Niemals zuvor hat sich die Art, wie wir kommunizieren, so schnell geändert wie heute. Zwei Bilder, die den Wandel eindrucksvoll illustrieren, projizierte Haufe-Chef Markus Reithwiesner bei seiner Präsentation auf die Leinwand. Das erste Foto aus dem Jahr 2005 zeigt die Menschenmenge auf dem Petersplatz in Rom in dem Moment, als sich der neue Papst Benedikt XVI. erstmals den Schaulustigen zeigt. Das zweite Bild wurde 2013 an gleicher Stelle aufgenommen, als der frisch gewählte Papst Franziskus erscheint.

Obwohl nur acht Jahre zwischen beiden Aufnahmen liegen, könnte der Unterschied kaum größer sein: Auf dem zweiten Foto sind Hunderte in die Höhe gereckte Smartphones zu sehen, die die Szene festhalten – diese hatten bei der Amtseinführung Benedikts noch gar nicht existiert. Erst 2007 stellte Steve Jobs das iPhone vor.

„Die Geschwindigkeit, mit der sich Neuerungen heute durchsetzen, ist eine ganz andere als in der Vergangenheit“, sagte Reithwiesner. Wer nicht „ahead of curve“ sei, also Innovationen nicht forciere, ihnen nur hinterherlaufe, der bekomme ein Problem. Bei neuen Entwicklungen sei es immer besser, der Brandstifter zu sein, der das Alte in Flammen aufgehen lässt, als nur darauf zu reagieren, wie ein Feuerwehrmann.

95 Prozent des Umsatzes erzielt Haufe-Lexware heute mit digitalen Produkten – Angeboten, an die bis vor wenigen Jahren noch niemand auch nur gedacht hat. Um weiterhin künftig aufkommende Trends früh zu erkennen, haben die Freiburger seit Kurzem weitere Büros in San Francisco und Peking. Bald soll noch eines in Tokio eröffnen.

2. Nice to have ist heute kein Kaufargument mehr

Den Kardinalfehler der klassischen Zeitungs- und Magazinverlage, ihre teuer produzierten Inhalte kostenlos ins Internet zu stellen, haben die Chefs bei Haufe-Lexware zwar gar nicht erst gemacht. Doch auch in Freiburg mussten sie lernen: Wenn der Wettbewerb nur einen Mausklick entfernt ist, muss man etwas Besonderes bieten, um die Kunden zum Zahlen zu bewegen. „Für etwas, das nice to have ist, überweist heute niemand mehr Geld“, sagt Reithwiesner. „Für ein Must-have dagegen schon.“

Haufe hat seine Entwicklung deshalb umgestellt: Statt des Produkts stellen sie jetzt immer den Kunden selbst in den Mittelpunkt aller Überlegungen. Nicht, was möglich ist, zählt. Sondern das, was dem Kunden einen konkreten, möglichst messbaren Nutzen bringt. So bindet Haufe-Lexware auf seinen Plattformen sogar Inhalte von der Konkurrenz ein, ohne daran kurzfristig zu verdienen. Die Hoffnung ist aber, dass sich der Mehrwert für den Kunden auf lange Sicht auch in der eigenen Bilanz niederschlägt.

In der firmeneigenen Haufe Akademie bilden sie mit 1000 freien Dozenten die Führungskräfte des Mittelstands von morgen aus. Auch hier gilt: Alles, was angeboten wird, soll dem Kunden einen konkreten Nutzen bieten.

3. Nicht jeder kann alles

Sie waren nicht zimperlich beim Umbau bei Haufe. Druckerei und Callcenter machten die Freiburger dicht. Es gab Phasen, da durften jene Mitarbeiter, die Lust auf die Veränderungen hatten, in ein schickes neues Gebäude umziehen. Wer nicht wollte, musste weiter in den alten Büros zur Arbeit erscheinen.

Viele konnten auch gleich ihre Papiere abholen: Ganze Abteilungen fielen dem Wandel zum Opfer. Und die Anforderungsprofile der neu geschaffenen Jobs für die digitale Zeit deckten sich eher selten mit den Fähigkeiten altgedienter Mitarbeiter. So fielen im vergangenen Geschäftsjahr etwa 130 Jobs weg, an anderer Stelle wurden dafür 80 neue Leute gesucht.

Wachstum und das Umsatzplus sahen die Mitarbeiter dafür auch auf ihrem Gehaltszettel: Für das „beste Jahr in der Firmengeschichte“ gab es einen Bonus, der bei vielen Mitarbeitern fast einem Monatsgehalt entsprach.

 

impulse-Magazin Juni 2015Ein Artikel aus der impulse-Ausgabe 06/15.

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