Unternehmen Hersteller profitieren von neuem Sicherheitsbewusstsein

Auf der am Sonntag eröffneten Sportartikelmesse Ispo präsentieren mehr als 2000 Aussteller ihre Produkte. Doch während Helmanbietern das neue Sicherheitsbewusstsein der Sportler zugute kommt, stagniert der Skimarkt. Die Kritik der Fachhändler: Es mangelt an Innovationen.

Auf den Pisten in den Alpen herrschten in diesem Jahr wieder wochenlang Traumbedingungen – doch trotzdem läuft der Verkauf von Skiern seit einigen Jahren schleppend. Bis zum Ende
dieser Wintersport-Saison werden nur rund 320.000 Paar Ski in Deutschland verkauft worden sein. Wie es aus der Branche heißt, waren es im Winter 2004/05 mit rund 650.000 noch mehr als doppelt so viele. „Die Neuheiten fehlen“, klagten Händler am Sonntag zum Auftakt der
Sportartikel-Messe ispo in München.

Seitdem Ende der 90er Jahre der in der Mitte besonders eng geschnittene Carving-Ski zum Kurvenfahren aufkam, habe es keine echte Innovation mehr gegeben. Und noch etwas macht Händlern und Herstellern zu schaffen: Viele Skifahrer verzichten auf eigene Bretter und leihen sie lieber.

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3,5 Umsatzplus

Es ist ein gemischtes Bild, das sich auf der Münchner Sportartikel-Messe von der Branche zeigt. Während der Einzelhandel insgesamt für das vergangene Jahr sogar ein Umsatzminus meldete,
finden Sportartikel geradezu reißenden Absatz: Der Verband Deutscher Sportfachhandel verzeichnete ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Die Erlöse im Bereich Wintersport seien sogar um 20 Prozent geklettert.

Für einen Zuwachs sorgte aber vor allem der Verkauf von Skihelmen – der Händlerverbund Sport 2000 verzeichnete hier einen Umsatzanstieg von 43 Prozent im vergangenen Jahr. Der Bereich Alpinski wuchs hingegen nur um magere 2 Prozent.

Neue Ski-Generation

Sport-2000-Geschäftsführer Andreas Rudolf hofft auf eine neue Generation von Skiern: den sogenannten Rocker-Ski. Dabei handelt es sich um deutlich breitere Bretter, die an den Enden nach oben gebogen sind. Die „Vorspannung“ beim klassischen Alpinski sorgt dagegen in
der Skimitte für eine Biegung nach oben. Die Rocker-Skier sollen leichter zu fahren sein und sowohl auf gewalzten Pisten als auch abseits im Tiefschnee taugen.

Wintersport-Experten bezweifeln allerdings, dass die neue Skigeneration massentauglich wird. „Es ist ein Trend – es ist aber kein Trend, der für jeden geeignet ist“, sagt Michael Berner,
Funktionär beim Deutschen Skiverband. Ein leidenschaftlicher Pistenfahrer sei mit dem klassischen Alpinski besser dran. Mit den neuen Skis bediene der Handel eher eine Nische, sagt Berner.

Insidern ist die Konstruktion der Rocker-Skier seit Jahren aus dem Freeskiing vertraut. Damit ist das Skifahren im tiefen Schnee außerhalb präparierter Pisten gemeint, was erlaubt, aber eher etwas für Spezialisten und wegen der Gefahr von Lawinen nicht ganz ungefährlich ist. Freeskiing liegt vor allem bei jungen Skifahrern im Trend – ähnlich wie Skaten bei Jugendlichen in den Städten. Erstmals ist dieser Spielart des Skifahrens eine eigene Halle auf der ispo gewidmet.

Auch beim Verbundhändler Intersport zeigt man sich in Sachen Rocker-Ski skeptisch. „Richtig ist, dass mit dieser Technologie wieder etwas neues kommt“, sagt Vorstand Klaus Jost. Aber: Der
eigentliche „Megatrend“ im Skimarkt sei der Skiverleih. Da ist sich Jost mit der Konkurrenz bei Sport 2000 einig. Dort heißt es, dass in Sportgeschäften im Alpenraum die Nachfrage im Skiverleih seit etwa drei Jahren jeweils um rund 20 Prozent gewachsen sei.

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