Unternehmen Hoteliers fürchten Macht von Webportal HRS

Die Hotelbuchungswebsite hat seine Marktposition mit der Übernahme von Konkurrent Hotel.de gestärkt. HRS erhofft sich dadurch eine bessere Position im internationalen Wettbewerb. Deutsche Hoteliers aber sorgen sich durch den Zukauf um ihre Margen.

Nach der Übernahme der Hotelbuchungswebsite Hotel.de durch den größeren Wettbewerber HRS fürchten Hoteliers und Firmenkunden um ihre Margen und Konditionen. „Es gilt, sehr aufmerksam zu beobachten, ob sich dadurch die Buchungskonditionen weiter einseitig zulasten der Hotels verändern werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Hotelverbands IHA, Markus Luthe, der FTD. Der Marktführer HRS (Hotel Reservation Service) habe nun eindeutig seine Monopolstellung gestärkt, hieß es beim Geschäftsreiseverband VRD, der mehr als 500 Unternehmen vertritt, darunter etwa die Allianz und Infineon.

HRS kontrolliert nach dem Kauf von 61,6 Prozent jetzt 64,6 Prozent von Hotel.de und hat so seine führende Stellung auf dem umkämpften deutschen Markt deutlich ausgebaut. Das Unternehmen, das online 250.000 Hotels in 180 Ländern vermittelt und zu 100 Prozent dem Gründer Robert Ragge gehört, hatte bislang einen Marktanteil von 38,8 Prozent. Der börsennotierte Rivale Hotel.de war einer IHA-Statistik von 2009 zufolge nach dem US-Wettbewerber Booking.com die Nummer drei mit 22,1 Prozent.

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Hotelbetten spielen im Touristiksegment eine wichtige Rolle: Ihre Anzahl ist naturgemäß begrenzt; die Kapazitäten sind weniger flexibel als bei Flügen. Die Hoteliers sind dabei zunehmend auf den wichtiger werdenden Vertrieb über Internetseiten angewiesen. Entsprechend drängen viele Anbieter auf den Markt. Neben vergleichbaren Seiten wie Ehotel.com und Bewertungsportalen wie Holidaycheck.com mischt auch der Internetkonzern Google mit. Das Unternehmen verlinkt Hotels auf den Stadtplänen und fügt den Adressen zudem Preise und Bewertungen bei. Parallel bemühen sich Schnäppchenseiten wie Groupon um Restkontingente. Der Wettbewerb sei daher „gesund“, entkräftete der Vorstand des Branchenverbands HSMA, Haakon Herbst, die Sorgen seiner Kollegen. Herbst ist Aktionär von Hotel.de; die Aktie legte am Freitag um 31,3 Prozent zu.

Auch der Mitgründer von Hotel.de, Heinz Raufer – der das Unternehmen als eigenständiges weiterführen soll – versuchte die Ängste seiner Geschäftspartner zu zerstreuen: Er verlange von den Hoteliers eine Basiskommission von zwölf Prozent, HRS von 13 Prozent. Im Branchenschnitt liege der Wert jedoch bei 14,8 Prozent: „Die Hotels zahlen anderen Anbietern also mehr als uns“, sagte er der FTD. Hotel.de arbeitet mit 210.000 Hotels zusammen und wird von vier Millionen Reisenden genutzt.

Die 61,6 Prozent an Hotel.de kosteten HRS knapp 43 Mio. Euro, teilte das Kölner Unternehmen mit. Je Aktie zahlte HRS 18,50 Euro, das entspricht einem Aufschlag von gut 30 Prozent auf den Kurs des Vortags. Auch den übrigen Aktionären werde ein Angebot vorgelegt. Die zehn Jahre alte Firma Hotel.de, die 2010 bei gut 36 Mio. Euro Umsatz 1,8 Mio. Euro Überschuss erzielte, ist somit 70 Mio. Euro wert.

Hotel.de-Chef Raufer erhofft sich von der Fusion vorrangig eine bessere Stellung im internationalen Wettbewerb: „In Deutschland sind wir ganz gut aufgestellt, aber die Wachstumsraten, die weltweit nötig sein werden, lassen sich im Verbund einfach besser erzielen.“ HRS verdiente nach den letzten verfügbaren Zahlen 2009 bei 108 Mio. Euro Umsatz 19 Mio. Euro. Da der Erlös der Unternehmen in der Summe 500 Mio. Euro nicht übersteigt, muss das Bundeskartellamt dem Kauf nicht zustimmen.

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