Unternehmen HRE sorgte vor fünf Jahren für Panik am Finanzplatz Deutschland

In einer dramatischen Rettungsaktion ist die Hypo Real Estate vor fünf Jahren vor dem Zusammenbruch bewahrt worden. Seitdem ist bei dem Konzern kein Stein auf dem anderen geblieben. Die größte Aufgabe hat der Bund aber noch vor sich: Er muss die Bank wieder loswerden.

Der Name Hypo Real Estate war früher nur eingefleischten Aktienprofis ein Begriff. Vor fünf Jahren änderte sich das über Nacht: Am 28. September 2008 wurde bekannt, dass der Münchner Immobilienfinanzierer mit dem komplizierten Namen ein Riesenproblem hat, das den Finanzplatz Deutschland in den Abgrund stürzen könnte. Panisch berieten sich die Spitzenmanager großer deutscher Banken bis tief in die Nacht, um das zu verhindern. Mit einem eilig zusammengestrickten Notfallplan und staatlich abgesicherter Milliardenhilfen verhinderten sie in letzter Minute einen Crash. Überwunden ist das Desaster aber bis heute nicht und für die Steuerzahler bleiben die Altlasten der HRE ein Damoklesschwert.

Von der Hypo Real Estate in der alten Form ist inzwischen nicht mehr viel übrig: Ein Jahr nach dem Beinahe-Kollaps wurde der einst im DAX notierte Konzern verstaatlicht und gehört seither dem Bund. Unter den Augen der Bundesregierung wurde die HRE in zwei Teile zerlegt. Alles Schlechte wurde aussortiert und in eine Bad Bank gekippt, alles Gute blieb im Unternehmen und beschert ihm seitdem Gewinne. Das ist auch nötig, damit der Bund die Bank bald wieder
loswird: Spätestens 2015 muss der Staat sie auf Druck der EU wieder verkaufen. Vorstandschefin Manuela Better sieht den Konzern auf einem guten Weg für die Zukunft. „Vorstand und Aufsichtsrat haben den HRE-Konzern nach der Krise vollständig neu aufgestellt“, sagt sie.

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Der frühere HRE-Chef Georg Funke lebt derweil auf Mallorca. Auf der liebsten Ferieninsel der Deutschen handelt er mit Traumhäusern am Meer und wehrt sich aus der Ferne gegen den Vorwurf, für das HRE-Drama verantwortlich gewesen zu sein. „Mir wird Unsinniges und Falsches unterstellt“, ließ er über die „Bild-Zeitung“ wissen. Ein Neustart in Deutschland sei ihm deshalb nicht mehr möglich. „Ich werde als schlimmster Gier-Banker, Zocker und Pleitier beschimpft.“

Das neue Herzstück des Konzerns

Funke gab die Schuld für das HRE-Debakel vielmehr Peer Steinbrück (SPD), der auf dem Höhepunkt der Krise als damaliger Finanzminister den Begriff „Abwicklung“ verwendet hatte – und damit aus Sicht von Funke die Bank zerstörte. Um die besorgten Bürger zu beruhigen, musste Steinbrück eine Woche nach dem Ausbruch der HRE-Krise zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein großes Versprechen abgeben: Die Spareinlagen in Deutschland seien sicher, verkündeten die beiden einträchtig vor laufenden Kameras.

Von dem verbrannten Namen HRE hat sich das Unternehmen inzwischen gelöst. Das neue Herzstück des Konzerns nennt sich Deutsche Pfandbriefbank (pbb) und ist auf die Finanzierung großer Immobilienprojekte wie Bürogebäude oder Hotels spezialisiert. „Seit dem Turnaround hat die pbb vor Steuern 590 Millionen Euro verdient und mehr als 20 Milliarden Euro an Krediten ausgereicht“, bilanziert Konzernchefin Better.

Irische Tochter Depfa steht zum Verkauf

Die zweite Tochter, die irische Depfa, stellte die HRE vor kurzem zum Verkauf. Die Depfa war vor fünf Jahren Auslöser der HRE-Notlage, weil sie Geld langfristig verliehen und sich extrem kurzfristig refinanziert hatte. Nach der Lehman-Pleite ging diese Rechnung nicht mehr auf und sie kam nicht mehr an Geld: Es fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro.

Auch die Bad Bank hat sich einen Namen gegeben, der nicht mehr an die HRE erinnert: FMS Wertmanagement. Die Abwicklungsanstalt erbte vor drei Jahren die Resterampe der Hypo Real Estate im Buchwert von 170 Milliarden Euro, davon waren Ende 2012 immer noch mehr als 130 Milliarden Euro übrig. Darunter: Kaum verkäufliche Großfinanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen oder Tunnel. Für die besonders riskanten Kredite oder Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren wird sich womöglich nie ein Käufer finden: Dann kommt die dicke Rechnung zum Schluss. Denn für Verluste, die bei der Auflösung der Bad Bank entstehen, haftet am Ende der Steuerzahler.

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