Unternehmen Peter Binder: „Ich habe nicht in die tollsten Köpfe investiert“

Peter Binder, 58, Geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Weltmarktführers für Laborschränke, über das Versäumnis, sich nicht frühzeitig um gute Mitarbeiter gekümmert zu haben.

Man beobachtet mit Freude, wie schnell man wächst, wie man mit seinen Produkten und Dienstleistungen Land um Land ­erobert. So war es auch bei uns, als wir in den 80er-Jahren von Tuttlingen aus zunächst mit Temperaturschränken für Labore international die Märkte aufrollten.

Anfangs übersieht man dabei leicht die Schattenseiten. Mit dem starken Wachstum explodierten auch die Auf­gaben, die wir alle zu bewältigen hatten. Ich habe in jenen Jahren viel Führungspersonal verschlissen. Im Nachhinein muss ich einräumen: Ich habe zwar in die tollsten Gebäude und Maschinen investiert, aber nicht in die tollsten Köpfe.

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Erst später habe ich erkannt, welche ­Bedeutung eine gute Personalarbeit hat. Lange lebten wir quasi von der Hand in den Mund, die Personaldecke war extrem dünn. Das war mein größter Fehler. Heute weiß ich: Es ist äußerst wichtig, Mitarbeiter, die großes Potenzial haben, langfristig an sich zu binden. In Zeiten des Fach­kräftemangels gibt es wahrscheinlich nichts, was für ein Unternehmen bedrohlicher sein könnte als der Mangel an guten Mitarbeitern. Gerade bei uns in Tuttlingen, der Hauptstadt der Medizintechnik, gibt es einen starken Wettbewerb um gute Leute; es kommt immer wieder vor, dass wir uns gegenseitig Mitarbeiter abwerben.

Wie wichtig es ist, sich stärker um gute Köpfe zu kümmern, wurde mir vor allem auf meinen Reisen in die Vereinigten Staaten klar. Dort steht die Förderung von Mitarbeitern viel stärker im Vordergrund als bei uns in Eu­ropa, auch Teambuilding spielt eine größere Rolle. Wir haben daraus gelernt. Mit dem Führungspersonal machen wir Fünf-Jahres-Pläne und reden auch über die persönliche Karriereentwicklung. Und wenn Führungsstellen zu besetzen sind, haben interne Kandidaten Vorrang. Man muss auch Perspektiven bieten können.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 03/2012.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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