Unternehmen Heinz Greiffenberger: „Ich verlor zehn Jahre“

Heinz Greiffenberger, 74, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Technologiekonzerns Greiffenberger, über das Versäumnis, nicht früher seiner eigenen Stimme gefolgt zu sein.

Ich erinnere mich noch an das Gespräch mit Philip Rosenthal Anfang der 70er auf einer Messe in Hannover. Der Porzellanfabrikant suchte einen Chef für Rosenthal Technik, eine neue Firma für technische Keramik und passive Bauelemente mit mehr als 3000 Mitarbeitern. „Wollen Sie das machen?“, fragte er mich. Ich war 33 Jahre alt, fühlte mich stark, hatte keine Angst. „Sie können das ganz eigenständig führen“, versprach er. Ich zögerte, weil ich eigentlich etwas Eigenes machen wollte, sagte aber nach einem halben Jahr zu.

Das war mein größter Fehler: Ich verlor zehn Jahre.

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Es war nicht so, dass ich mich damals nicht wohlfühlte. Rosenthal, der exzentrisch war, ließ mich machen. Dennoch wurde mir bald klar, dass ich auf meine innere Stimme hätte hören sollen. Ich erinnere mich, wie ich in Irland an der Atlantikküste über meine Zukunft nachdachte und beschloss, keinen weiteren Fünf-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Rosenthal nahm das anfangs nicht ernst, er dachte, ich hätte eine Midlife-Crisis.

Aber ich blieb hart. Der Wunsch, etwas Eigenes zu machen, war größer.

Wir verabredeten, dass ich zwei weitere Jahre Aufsichtsrat bleiben würde, bevor ich Rosenthal ganz verließ. Zu spät. Die zehn Jahre hätte ich gut gebrauchen können, um meine eigene Firmengruppe früher und damit langfristiger und stärker aufzubauen. Endlich, 1981, startete ich. Viele meiner Managerkollegen reagierten mit Unverständnis, sie konnten sich nicht vorstellen, dass jemand aus einer so guten Stellung freiwillig von vorn beginnen wollte.

Ich sehr wohl: Mein Vater, der vor der Vertreibung aus Ostpreußen ein eigenes Geschäft geführt hatte, sagte immer: „Ich und angestellt? Niemals!“ Als Flüchtling fing er im Westen bei null an. Das prägte mich. Jeder, das ist mein Leitgedanke, sollte seiner Bestimmung folgen. Egal was die anderen sagen.

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Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 02/2012.Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

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