Unternehmen IKB packt die Koffer für Betriebsübernahme

Das schwer von der Finanzkrise gebeutelte Geldhaus sieht sich reif für einen Verkauf an einen neuen Eigentümer. Die französische BNP Paribas gilt als aussichtsreichster Kandidat. Doch die Griechenlandkrise könnte den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen.

„Die grundlegenden Anpassungen des Geschäftsmodells sind auf den Weg gebracht. Die EU-Auflagen sind materiell weitgehend erfüllt“, stellte die Düsseldorfer Bank IKB in ihrem Geschäftsbericht fest. Der Finanzinvestor Lone Star hatte die Bank im Herbst zum Verkauf gestellt, mögliche Käufer zieren sich allerdings dem Unternehmensumfeld zufolge noch angesichts der Altlasten in den Büchern der IKB.

Als aussichtsreichster Interessent gilt die französische BNP Paribas, die ihr Mittelstandsgeschäft in Deutschland ausbauen will. Sie verlangt Finanzkreisen zufolge allerdings eine weitgehende Freistellung von Risiken. Knackpunkt bei dem Verkauf ist allerdings die Griechenland-Krise. Wenn sie gelöst sei, könne die IKB noch im Sommer verkauft sein, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person.

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Kundeneinlagen für die Refinanzierung

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 hat sich die IKB nur vordergründig aus der Verlustzone herausgearbeitet. Zwar wurde nach einem Vorjahresverlust von fast einer Mrd. Euro ein Nettogewinn von 52 Mio. Euro ausgewiesen. Ohne die Sonderfaktoren, in denen sich die Abenteuer der Bank vor der Finanzkrise immer noch widerspiegeln, wäre aber ein Minus von 136 Mio. angefallen. Hoffnung macht der IKB ein drastischer Rückgang der Kreditrisikovorsorge im Aufschwung auf 71 (2009/10: 494) Mio. Euro.

Die IKB hängt immer noch am Tropf des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin. Für dessen Garantien von noch 8,6 Mrd. Euro zahlte die Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr allein 126 Mio. Euro Provisionen. Am Markt hat die IKB seit ihrem Fast-Zusammenbruch 2007 keine unbesicherten Anleihen mehr untergebracht. Es seien auch keine geplant, sagte eine Sprecherin. Zum 30. Juni habe der Vorstand deswegen die Verträge mit den Ratingagenturen Moody’s und Fitch gekündigt. Stattdessen versucht die IKB unter anderem Kundeneinlagen zur Refinanzierung einzusammeln.

Die nächsten SoFFin-Anleihen von 1,8 Mrd. laufen im Januar 2012 aus, im Laufe des kommenden Jahres dann weitere 3,8 Mrd. Dennoch sieht sich die IKB laut Geschäftsbericht für die nächsten zwei Jahre ausreichend mit Liquidität versorgt. Mit einem Gewinn darf ein Käufer auf absehbare Zeit aber nicht rechnen. Vorrangig muss die Bank Besserungsscheine über 1,15 Mrd. Euro bedienen und die ausgefallenen Zinsen auf Hybridpapiere bedienen.

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