Unternehmen In der Autobranche greift die Kurzarbeit um sich

Die Flaute am Automarkt macht der deutschen Vorzeigeindustrie zu schaffen. Nicht nur die Werksferien rund um Weihnachten werden verlängert. Tausende Mitarbeiter sind in Kurzarbeit - oder starten damit ins neue Jahr.

Kurzarbeit, Jobabbau, Werksschließungen – die Krise in Europa hat einige Autobauer schwer erwischt. Den Lkw-Herstellern macht die lahmende Konjunktur zu schaffen. Das bekommen auch die Beschäftigten in Deutschland zu spüren.

Ende der Autoproduktion 2016 in Bochum bei Opel, Sonderschichten bei BMW: Die Kluft in der Autoindustrie wird tiefer. Hersteller, die stark vom kriselnden Markt in Europa abhängig sind, kämpfen ums Überleben.

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Den Lkw-Bauern macht die Rezession in vielen Euro-Ländern das Leben schwer. Die Schwäche bei den Herstellern belastet wiederum die Zulieferer. All das trifft mehr und mehr auch die Beschäftigten der Vorzeigebranche in Deutschland. Betriebsferien rund um Weihnachten werden verlängert. Tausende Mitarbeiter sind in Kurzarbeit – oder starten damit ins neue Jahr.

Vor allem in der Autoindustrie sowie in der Metallerzeugung und -bearbeitung stieg im November nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angemeldet wurde. Insgesamt wurde im vergangenen Monat vorläufigen BA-Zahlen zufolge für 46.400 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt. Knapp die Hälfte von ihnen ist in der Autoindustrie, in der Metallindustrie und im Maschinenbau beschäftigt. Detaillierte Zahlen zu den einzelnen Branchen liegen nach Angaben eines BA-Sprechers derzeit nicht vor.

Die Bundesregierung trifft bereits Vorsorge für den Fall eines Abschwungs: Sie will das Kurzarbeitergeld von sechs auf zwölf Monate verlängern. In der schweren Krise 2008/09 hatte die Ausdehnung bis auf 24 Monate zahlreiche Jobs – auch in der Autoindustrie – gerettet. Derzeit hat die Branche nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) rund 750.000 Mitarbeiter, 18.700 mehr als vor einem Jahr. Für 2013 erwartet VDA-Präsident Matthias Wissmann eine „stabile Beschäftigungslage“.

Bislang recht wenig Kurzarbeiter

Anders als während der Krise 2009 sei die Zahl der Kurzarbeiter zuletzt mit etwa 58.000 Menschen bundesweit noch relativ niedrig gewesen, sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit. Im Mai 2009 waren es 1,4 Millionen Beschäftigte. Für die Metall- und Elektroindustrie rechnet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall aber mit einem spürbaren Anstieg im Vergleich zum Sommer. Im August waren in der Branche 17.000 Menschen in Kurzarbeit. „Zum Jahresende hin wird sich das Bild aber deutlich eintrüben“, sagte ein Sprecher. Dann müsse mit bis zu 30.000 Kurzarbeitern gerechnet werden.

So soll zum Beispiel beim kriselnden Autobauer Opel im Fahrzeugwerk Rüsselsheim im Januar an drei Tagen kurzgearbeitet werden, in Bochum sogar an zehn Tagen. Das gilt für mehrere Tausend Mitarbeiter. „Wie üblich ruht die Arbeit in den Werken während der Weihnachtsferien“, teilte ein Opel-Sprecher mit. Die produktionsfreie Zeit beginnt in den Werken individuell je nach Produktionsauslastung von kommender Woche an. Ab der ersten Januarwoche wird die Arbeit je nach Auftragslage wieder aufgenommen.

Am Montag hatte Opel-Interimschef Thomas Sedran angekündigt, dass in Bochum nur noch bis 2016 Opel-Fahrzeuge vom Band laufen sollen. Die Hiobsbotschaft kam für die 3000 Mitarbeiter kurz vor dem Weihnachtsurlaub.

Beim Autozulieferer und Technologiekonzern Bosch sind knapp 6000 Mitarbeiter aus mehreren Sparten in Kurzarbeit – unter anderem am Standort Bamberg für Dieselsysteme. Auch beim benachbarten Kolbenspezialisten Mahle herrscht Kurzarbeit. „Diese wird aus heutiger Sicht im ersten Halbjahr 2013 noch ausgeweitet werden müssen“, hatte Unternehmenschef Heinz Junker kürzlich angekündigt.

Auch die Lkw-Hersteller kämpfen: Spediteure halten sich mit neuen Bestellungen zurück. MAN hatte bereits im November Mitarbeiter in Salzgitter und München in den Urlaub geschickt, auch zwischen den Jahren ruht die Produktion. Dafür müssen die Beschäftigten Urlaubstage nehmen oder ihre Zeitkonten leeren. Die anschließende Kurzarbeit ab Mitte Januar betrifft in München 3500 und in Salzgitter 1800 Mitarbeiter. Beim Konkurrenten Daimler ist Kurzarbeit nach Angaben des Unternehmens noch kein Thema.

Nicht jeden trifft es so hart

Die Oberklassehersteller und Europas Branchenprimus VW profitieren dagegen von ihrer globalen Aufstellung. Sie kämpfen zwar auch mit den Absatzrückgängen vor allem in Südeuropa. Sie können das aber mit Verkäufen anderswo ausgleichen – etwa in China und den USA. „Wir spüren es“, sagte ein VW-Sprecher zur Nachfrageflaute in vielen europäischen Ländern. Im VW-Werk Emden soll die Produktion des Passat zwischen dem 13. Dezember und 7. Januar ruhen – eine Woche länger als zunächst geplant. Für den Golf gibt es dagegen Sonderschichten.

Wie ungemütlich es für VW, BMW, Audi und Daimler noch werden kann, hängt vor allem von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. In diesem Jahr jedenfalls wollen die Oberklassehersteller Absatzrekorde feiern. Bei Mercedes sollen im Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim die Werksferien um die Hälfte auf eine Woche verkürzt werden. Und BMW hat für die erste Jahreshälfte 2013 in seinem Münchner Werk Sonderschichten eingeplant.

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