Unternehmen Industrie will Nachtflugregeln auf den Prüfstand heben

Ein Flugzeug startet in der Dämmerung

Ein Flugzeug startet in der Dämmerung© Hannover Airport

Wegen des Lärms sind Nachtflüge an deutschen Flughäfen ziemlich unpopulär. Die Branche und ihre Kunden wollen sich mit den zuletzt verschärften Einschränkungen aber nicht abfinden.

Die deutsche Industrie verlangt eine politische Überprüfung der geltenden Nachtflugregeln in Deutschland. In einem Bund-Länder-Konzept müsse festgelegt werden, an welchen Standorten Nachtflüge für die deutsche Wirtschaft unerlässlich seien, erklärten am Mittwoch die Bundesverbände der deutschen Industrie (BDI) und der Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einem Positionspapier. „Eine gute Luftfrachtanbindung ist ein entscheidendes Standortkriterium“, sagte der BDI-Vertreter Dieter Schweer in Frankfurt laut einer Mitteilung.

Konkrete Forderungen nach der Aufhebung der politisch umstrittenen Nachtflugverbote etwa an den großen Drehkreuzen Frankfurt oder München wurden nicht erhoben. „Wir halten das Nachtflugverbot in Frankfurt für falsch, akzeptieren aber die höchstrichterliche Entscheidung“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

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40 Millionen Euro weniger Umsatz
Markus Otto von der European Air Transport Leipzig betonte die Notwendigkeit des sogenannten Nachtsprungs, mit dem für wichtige Ladungen die Nachtzeit genutzt werden könne. Man brauche den Nachtflug nicht überall, aber dürfe ihn auch nicht überall blockieren, hieß es in seinem Statement. Weitere Einschränkungen für die Luftfracht dürfe es nicht geben, zumal die Großflughäfen im nahen europäischen Ausland keine ähnlichen Einschränkungen hätten.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt herrscht seit Oktober 2011 ein striktes Nachtflugverbot, das vor allem die Lufthansa Cargo getroffen hat. Karl Ulrich Garnadt bezifferte die Umsatzverluste für sein Unternehmen auf rund 40 Millionen Euro. Uneingeschränkt darf Fracht nachts nur in Köln-Bonn, Hahn und Hannover geflogen werden, in Leipzig-Halle ist nur Expressfracht erlaubt.

Betriebsbeschränkungen müssten künftig als letztes Mittel gelten, fordern die Verbände. Für den Lärmschutz seien leisere Maschinen und optimierte Anflugverfahren entscheidend. Im internationalen Rahmen müssten Wettbewerbsnachteile beseitigt werden. Dazu zählten die nur in Europa erhobenen Emissionsabgaben, der bislang uneinheitliche Luftraum über dem Kontinent und Doppelkontrollen von Transferfracht.

Laut BDL konzentriert sich das Frachtgeschäft in Deutschland auf fünf Flughäfen, nämlich Frankfurt, Leipzig-Halle, Köln-Bonn, Frankfurt-Hahn und München. Nach dem Wert würden rund 30 Prozent aller Exporte und 25 Prozent aller Importe nach und aus Übersee mit dem Flugzeug abgewickelt. Der Gesamtwarenwert der Luftfracht habe 2012 über 200 Milliarden Euro betragen.

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