Unternehmen Industriekammern veröffentlichen erstmals ihre Finanzdaten

Das Finanzgebaren der 80 Industrie- und Handelskammern (IHK) ist extrem unterschiedlich. Das zeigen detaillierte Daten aller Kammern, die impulse in seiner Dezember-Ausgabe präsentiert. Die Organisationen reagieren mit der Veröffentlichung auf Kritik ihrer Mitgliedsfirmen.

Die Ausgaben- und Gebührenpolitik der 80 Industrie- und Handelskammern (IHK) unterscheidet sich außerordentlich stark. Das zeigen detaillierte Finanzdaten aller Kammern, die impulse in seiner Dezember-Ausgabe (Ausgabe 12/2012, EVT 29. November) präsentiert. Die Kammern veröffentlichen das Zahlenwerk erstmals und begegnen mit dieser Transparenz-Offensive zunehmender Kritik aus den Reihen der Unternehmen, die gesetzlich zur Mitgliedschaft in einer IHK verpflichtet sind. Den IHKn wurde in der Vergangenheit immer wieder mangelnde Transparenz und Verschwendung von Beitragsgeldern vorgeworfen.

Eine der teuersten Kammern ist zugleich die kleinste: Die IHK Bremerhaven kommt auf 6333 Mitgliedsfirmen. Von der Zahlung des Mitgliedsbeitrags waren im vergangenen Jahr 2058 Firmen befreit. Von den restlichen 4275 Unternehmen verlangte die IHK einen durchschnittlichen Jahresbeitrag von 508 Euro.

Anzeige

Den geringsten Beitrag kassierte die deutlich größere IHK Hannover mit 141 Euro. Allerdings sind große Kammern nicht immer die billigeren. So verlangen die Industrie- und Handelskammern in Frankfurt und Hamburg Beiträge von mehr als 400 Euro von ihren zahlenden Firmen. Der durchschnittliche IHK-Beitrag beträgt bezogen auf die zahlenden Mitgliedsfirmen rund 320 Euro pro Jahr.

Ein entscheidender Kostentreiber, das zeigt die impulse-Analyse, ist die Personalpolitik. Je größer die Mitarbeiterzahl pro Kammermitglied, desto höher sind tendenziell die Beiträge. Die meisten Kammern (61 von 80) haben im Zeitraum 2007 bis 2011 ihre Mitarbeiterzahl erhöht. Gegner der Kammern kritisieren, dass die Verwaltung nicht schlank genug aufgestellt ist. Kammervertreter verteidigen die Personalaufstockung mit zunehmenden Aufgaben, die ihnen der Gesetzgeber verordnet habe. So benötigen Versicherungsvermittler seit 2007 eine Erlaubnis der IHK und müssen sich in das Versicherungsvermittlerregister eintragen lassen.

Kritisiert wurde in der Vergangenheit auch die Rücklagenpolitik der Kammern. Auf Druck der Bundesregierung wollen die Kammern nun in diesem Punkt ihre Satzungen ändern. Nach Informationen von impulse haben sich die Hauptgeschäftsführer der IHKn geeinigt, die Summe der nicht zweckgebundenen Rücklagen auf 50 Prozent des Haushalts zu beschränken. Die sogenannte Liquiditätsrücklage – ein oft siebenstelliger Bilanzposten, in den überschüssige Beiträge einfließen, soll sogar ganz gestrichen werden. Bislang können die Kammern frei entscheiden, wie prall gefüllt ihr Geldspeicher ist.

Zudem werden die Kammern gedrängt, ihre teilweise weit verzweigte Firmenlandschaft transparenter zu machen. So sollen die Vollversammlungen, in denen die gewählten Mitglieder sitzen, künftig wesentliche finanzielle Entscheidungen der Tochterfirmen der jeweiligen Kammern mitentscheiden. Bislang haben die Unternehmen nur wenig Einblick, was mit ihren Mitgliedsbeiträgen in den Tochterfirmen der IHKn angestellt wird.

Wichtiger Hinweis: In der Tabelle der Print-Ausgabe fehlt bei der Frage nach den Durchschnittsbeiträgen pro Mitgliedsfirma in Euro (4. Spalte von links) der Hinweis, dass es dabei um die zahlenden Mitgliedsfirmen geht. Insgesamt sind nämlich gut ein Drittel der Unternehmen zuletzt bundesweit vom Beitrag befreit. Vollständig vom Beitrag freigestellt sind natürliche Personen und Personengesellschaften, die nicht im Handelsregister eingetragen sind und deren Ertrag 5.200 Euro jährlich nicht übersteigt. Freigestellt sind ebenfalls nicht HR-eingetragene Gründerinnen und Gründer in den ersten beiden Jahren ihrer Existenz. Diese Befreiung dehnt sich hinsichtlich der Umlage auf das dritte und vierte Jahr aus, soweit der Jahresgewinn 25.000 Euro nicht übersteigt.

Aus dem Magazin
Mehr dazu erfahren Sie in der impulse-Ausgabe 12/2012.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben im PDF-Format herunterladen und bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...