IT+Technik Internet-Rebell WhatsApp schlüpft unter Facebook-Dach

Screenshot von whatsapp auf einem Blackberry

Screenshot von whatsapp auf einem Blackberry© whatsapp

Der Kurznachrichtendienst WhatsApp versprach, anders als Facebook und Co. zu sein: Keine Werbung, keine Auswertung von Nutzerdaten. Doch jetzt wird die kleine Firma mit 450 Millionen Kunden ausgerechnet von Facebook gekauft. Für Nutzer werde sich aber nichts ändern, heißt es.

Facebook kauft mit WhatsApp nicht einfach nur einen populären Kurznachrichten-Dienst. Das weltgrößte Online-Netzwerk holt sich damit auf einen Schlag 450 Millionen Nutzer samt Zugang zu ihren Daten und Adressbüchern. Dabei präsentierte sich die Firma aus Kalifornien stets als Ausnahme im Internet-Geschäft. WhatsApp schalte keine Werbung und müsse deshalb auch keine Nutzerdaten auswerten, betonte Mitgründer Jan Koum gebetsmühlenartig.

„Wir interessieren uns nicht für Informationen über unsere Nutzer“, erklärte er noch im Januar. Stattdessen reiche die überaus moderate Gebühr von einem Dollar im Jahr für den Betrieb. Jetzt schlüpft WhatsApp aber ausgerechnet bei einem Unternehmen unter, das davon lebt, die Werbung an sein ausgiebiges Wissen über die 1,2 Milliarden Mitglieder anzupassen. Wenn man sich zuvor als Rebell gegen die Konventionen der Internet-Industrie gab, bringt das einigen Erklärungsbedarf.

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Für die WhatsApp-Nutzer werde sich nichts ändern, versprach Koum so auch rasch in einem Blogeintrag, nachdem der 19 Milliarden Dollar schwere Deal bekanntgegeben wurde. Nach wie vor würden keine Werbeanzeigen die Kommunikation mit Freunden stören. Es hätte keine Partnerschaft mit Facebook gegeben, wenn dies WhatsApp Kompromisse bei Grund-Prinzipien abverlangt hätte.

Zuckerberg: WhatsApp muss mehr Geld verdienen

„Wir denken, dass für unser Produkt Werbung nicht geeignet ist“, betonte Koum auch in einer Telefonkonferenz mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Beide versicherten, WhatsApp werde eigenständig bleiben, auch wenn Zuckerberg klar zu verstehen gab, dass die Sache mit dem Geldverdienen noch besser werden müsse. Man werde schauen, wie man WhatsApp zu einem wirklich großartigen Geschäft machen könne, sagte er.

Schließlich würde es bei einem Dollar pro Jahr lange dauern, den haushohen Kaufpreis wieder herauszuholen, selbst wenn WhatsApp bald wie erwartet auf eine Milliarde Nutzer anwächst.

Milliarden von Nachrichten und schmales Budget

WhatsApp finanzierte sich Anfangs nur über den Preis für die App und stellte inzwischen auf eine jährliche Abo-Gebühr von einem Dollar um. Angesichts der Größe komme so genug Geld für den Betrieb zusammen, beteuerte Koum noch vor einigen Wochen am Rande der Internet-Konferenz DLD in München. „Wir sind nicht gierig. Und wir sind sparsam.“ So bewältige WhatsApp die Lawine von rund 18 Milliarden Nachrichten pro Tag mit einem schmalen Budget und nur rund 50 Mitarbeitern.

Darüber, was sich hinter den Kulissen von WhatsApp mit dem Verkauf an Facebook ändern könnte, schwiegen sich die Chefs aus. Aber Koum hatte schon wiederholt betont, dass es für ihn klare Grenzen beim Umgang mit Nutzerdaten gebe. So hakte er auf die Frage, ob WhatsApp zu Kompromissen mit chinesischen Behörden bereit wäre, um auch dort auf den Markt zu kommen, schlicht ab: „Wir machen keine Kompromisse.“

Verbraucherschützer sind besorgt

Deutsche Daten- und Verbraucherschützer erwarten, dass Facebook nach der Übernahme von WhatsApp Informationen aus dem Kurznachrichtendienst mit eigenen Daten zusammenführt. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte am Donnerstag, wegen des hohen Kaufpreises von 19 Milliarden Dollar „kann man davon ausgehen, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss“. Facebook hat ein Büro in Hamburg, Caspar will bei dem Unternehmen eine Anfrage stellen. Mit der Übernahme werde sich WhatsApp künftig an europäisches Datenschutzrecht halten müssen, betonte er.

Auch Verbraucherschützer rechnen mit einem Zugriff von Facebook auf die WhatsApp-Informationen.  „Das ist für Facebook bares Geld wert“, sagte Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

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