Unternehmen Japans Autobauer sind zurück

Der Toyota Auris Hybrid

Der Toyota Auris Hybrid© Toyota

Starker Yen, Erdbeben und Tsunami, China-Krise, Massenrückrufe – Toyota & Co hatten in den vergangenen Jahren mit großen Problemen zu kämpfen. Doch jetzt kehren die Japaner wieder zu alter Stärke zurück – auch dank eines schwächeren Yen.

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Japans führende Autobauer erleben ein Comeback. Vorne weg der Volkswagen-Rivale Toyota: Der weltgrößte Autohersteller konnte seinen Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als verdreifachen – auf umgerechnet 7,4 Milliarden Euro.

Zusammen dürften die sieben größten Autohersteller der fernöstlichen Wirtschaftsmacht nach Berechnungen der japanischen Finanzzeitung „Nikkei“ im laufenden Geschäftsjahr wieder nahe an das Rekordergebnis vor Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 heranpreschen.

Im damaligen Geschäftsjahr, das im März 2008 endete, hatten sie demnach zusammengenommen einen Betriebsgewinn von 4,5 Billionen Yen (35 Mrd Euro) eingefahren – eine Zahl, der sie sich nun wieder nähern könnten.

Es ist noch nicht lange her, da hatten Nippons Autokonzerne massiv unter den Folgen der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März 2011 zu leiden. Damals war die japanische Autoproduktion zeitweise komplett zum Erliegen gekommen. Später kam dann auch noch ein Einbruch des China-Absatzes in Folge antijapanischer Ausschreitungen wegen eines Streits beider Nachbarländer um unbewohnte Felseninseln im Ostchinesischen Meer hinzu. Zudem musste sich Branchenprimus Toyota mit den Auswirkungen seiner Massenrückruf-Aktionen herumschlagen, die das Image von Toyota beschädigt hatten.

Qualitätssicherung verbessert

All dies lassen die Japaner jetzt hinter sich. Toyota habe „wertvolle Lehren“ aus den Herausforderungen gezogen, denen sich der Branchenprimus seit 2009 ausgesetzt sah, sagte Konzernchef Akio Toyoda. So hat der Konzern an der Qualitätssicherung gearbeitet und die Produktivität sowie Profitabilität verbessert. Mit einer Milliarden-Dollar-Zahlung will Toyota zudem eine Sammelklage in den USA beilegen und so die Rückrufserie abschließen. Und auch in China machen Toyota & Co wieder einiges an verlorenem Boden gut.

Mit zu verdanken haben die Japaner ihr Comeback aber auch dem Erfolg der „Abenomics“, der Wirtschaftspolitik des seit Dezember amtierenden Regierungschefs Shinzo Abe. Mit seiner Mischung aus massiven Konjunkturprogrammen und einer aggressiven Lockerung der Geldpolitik hat sich der Yen in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächt. Und davon profitieren auch die heimischen Autobauer, da sich ihre Exporterlöse durch die schwächere Landeswährung erhöhen. Wobei Toyota bei der Prognose für das laufende Geschäftsjahr konservativ einen Wechselkurs von 90 Yen/Dollar zugrunde legt und von einem Nettogewinn von 1,37 Billionen Yen ausgeht. Gegenwärtig liegt der Kurs jedoch bei 99 Yen – der Gewinn könnte also höher ausfallen.

Erholung im wichtigen Automarkt USA

Eine weitere Antriebsquelle für das fulminante Comeback der Japaner ist die Erholung des für sie wichtigen Automarktes in den USA. Während die Lage auf dem Heimatmarkt weniger rosig aussieht, dürfte der Absatz von Neuwagen in den USA Schätzungen zufolge die Marke von 15 Millionen Autos toppen – dank einer Erholung der Wirtschaft und niedriger Zinsen. Um sich dabei ein größeres Stück vom einträglichen Geschäft mit Nobelschlitten zu sichern, wird Toyota erstmals ein Modell seiner Premiumtochter Lexus in den USA fertigen.

Die Limousine ES 350 läuft ab 2015 in einer Fabrik in Kentucky vom Band. Der Schritt ist ein Angriff auf die deutschen Premiumhersteller. BMW und Mercedes-Benz sind Marktführer in dem Segment in den Vereinigten Staaten. Toyota ist nach General Motors und Ford der drittgrößte Autoverkäufer in den Vereinigten Staaten. Im Berichtsjahr konnte die Unternehmensgruppe, zu der auch die Nutzwagentochter Hino Motors und der Kleinwagenbauer Daihatsu gehören, den Absatz in Nordamerika im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 596 000 Autos auf rund 2,5 Millionen Fahrzeuge erhöhen.

Reform der Herstellungstechnologien

Toyota will seinen Wachstumkurs dabei mit einer Reform seiner Herstellungstechnologien und der Entwicklungsprozesse weiter untermauern. Hinzu kommt ein umfangreicher Umbau des Managements. Von den sieben Vizepräsidenten, die direkt unter Toyoda stehen, treten drei zurück. Toyoda hatte erst vor zwei Jahren die Zahl der Direktoren von 27 auf 11 reduziert. Der Enkel des Konzerngründers will damit die Schlagkraft im Wettlauf mit den härtesten Konkurrenten General Motors und Volkswagen erhöhen.

Vor allem Volkswagen hat ehrgeizige Ziele. Bis spätestens im Jahr 2018 wollen die Wolfsburger selbst der größte Autobauer weltweit werden. Beim Ergebnis lag VW im Geschäftsjahr 2012 bereits vor Toyota. Das Betriebsergebnis betrug 11,5 Milliarden Euro, der Überschuss sogar 21,9 Milliarden Euro – allerdings lag dies vor allem an Sondereffekten im Zuge der Porsche-Integration.

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