Management Jeanshersteller Mustang arbeitet sich aus der Krise

© Mustang

Zwei Jahre nach dem Einstieg eines Investorenkonsortiums soll der Jeanshersteller Mustang 2013 schwarze Zahlen schreiben. Der neue Geschäftsführer Dietmar Axt hat das Handelsgeschäft aufgeräumt und will die Traditionsmarke aus Künzelsau nun als deutschen Anbieter positionieren.

Der Jeanshersteller Mustang arbeitet sich langsam aber sicher aus der Krise. Dieses Jahr plant Geschäftsführer Dietmar Axt ein Umsatzplus von gut 10 Prozent auf 100 Millionen Euro. Außerdem soll das Traditionsunternehmen aus Künzelsau vor Steuern wieder Gewinn abwerfen. „Das gab es seit fünf Jahren nicht mehr“, sagte Axt, der den Jeanshersteller seit Anfang 2012 führt.

Axt war 2011 zusammen mit 14 anderen privaten Gesellschaftern bei dem angeschlagenen Familienunternehmen eingestiegen, darunter der Enkel der Firmengründerin, Heiner Sefranek, und Tom-Tailor-Aufsichtsrat Thomas Schlytter-Henrichsen.

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Den traditionellen Jeansherstellern machte nach dem Boom der 90er Jahre die Konkurrenz von Billigmarken zu schaffen. Hinzu kamen strategische Fehlentscheidungen: Statt den Großhandel mit Kaufhäusern als Chance zu erkennen, wurde bei Mustang das Filialgeschäft massiv ausgebaut. „Das hat wahnsinnig viel Geld gekostet und das Unternehmen in diese Schieflage gebracht, die dann 2011 zu dem Verkauf geführt hat“, sagte Axt, der selbst fünf Prozent an Mustang hält.

Abschied vom teuren Asien-Geschäft

Der Jeansmarkt an sich sei nicht einfacher geworden, erklärte der Geschäftsführer. Im Schnitt kostet eine Jeans in Deutschland nur noch 40 Euro. Dabei will Mustang seine Hosen für 70 Euro bis 100 Euro verkaufen. Axt setzt deshalb auf die Marke Mustang und auf mehr Präsenz in Kaufhäusern und Shoppingzentren. „Der Endverbraucher hat uns nicht mehr gefunden, aber wenn er uns findet, kauft er uns gerne“, glaubt er. Sein Ziel: Bis 2016 will er den Umsatz noch einmal verdoppeln.

Dafür hat der 46-Jährige, der vor Mustang für Firmen wie den Strumpfhersteller Falke und das Modeunternehmen Tom Tailor arbeitete, radikal aufgeräumt: Vom teuren Asien-Geschäft hat er sich verabschiedet – das Wachstum soll erstmal nur aus Europa und Russland kommen. Hierzulande wurden 13 der gut 60 Läden geschlossen. Die verbleibenden Geschäfte werden in diesem Jahr erstmals wieder Gewinn abwerfen.

Die Größe der Belegschaft blieb bei alldem mit 600 Mitarbeitern stabil. Axt setzte die Großhandelsstruktur neu auf: Leute wurden eingestellt, ein Showroom eingerichtet. Dort sieht Axt die Zukunft: „Großhandel wird in den nächsten Jahren das viel größere Plus geben“, ist seine Prognose.

Umsatz hat sich seit 2011 verdreifacht

Eine dritte Säule soll das Online-Geschäft bilden. „Wir haben den Umsatz seit 2011 verdreifacht – mit Riesenpotenzial nach oben“, sagt Axt. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt derzeit nur bei knapp drei Prozent. Langfristig soll er zehn bis 15 Prozent betragen.

Axt ist überzeugt, dass Mustang die Kehrtwende nicht ohne seine starke Marke geschafft hätte. Dass die noch funktioniere, zeige sich am Lizenzgeschäft. Während Mustang 2012 selbst rund 90 Millionen Euro Erlös machte, brachte es der Besitzer der Schuh-Lizenz auf 60 Millionen Euro. „Die Lizenzpartner hatten sich über Jahre abgekoppelt, die Kraft der Marke genutzt und ihr Geschäftsmodell umgesetzt“, sagt Axt. Das Geschäft will er pflegen. Eine Lizenz für Unterwäsche und eine für Lederjacken wurde gerade neu vergeben.

Gleichzeitig will Axt noch stärker auf das deutsche Image setzen. Er holte die Produktentwicklung von Hongkong zurück nach Künzelsau, eröffnete dort die Wäscherei wieder. Produziert wird zwar immer noch in Nordafrika und Asien. Aber Axt glaubt, dass sich die deutschen Wurzeln von Mustang gut vermarkten lassen: „Wir haben dieses Herzstück im Hohenlohischen und das spielen wir auch ganz klar aus.“

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