Unternehmen Jedes zweite Krankenhaus in den Miesen

Immer mehr Krankenhäuser werden selbst zum Patienten. Die Zahl der Kliniken, die Verluste schreiben, ist innerhalb eines Jahres stark gestiegen. Rufe nach mehr Geld werden lauter - und nach Reformen.

Mehr als jedes zweite deutsche Krankenhaus hat im vergangenen Jahr einer neuen Studie zufolge rote Zahlen geschrieben. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich bei Hunderten Kliniken. Der Anteil der Häuser mit Verlusten sei von 31 Prozent im Vorjahr auf knapp 51 Prozent 2012 gestiegen, heißt es im Krankenhaus Barometer des Deutschen Krankenhausinstituts. Gut 42 Prozent hatten einen Überschuss, 7 Prozent ausgeglichene Zahlen.

Die Ergebnisse wurden am Mittwoch anlässlich des 36. Deutschen Krankenhaustags in Düsseldorf veröffentlicht. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer, mahnte: „Ohne verbesserte Rahmenbedingungen können die Krankenhäuser die zusätzlichen Belastungen nicht schultern.“ Die älter werdende Gesellschaft, der medizinische Fortschritt und die steigenden Qualitätserwartungen stellten die Kliniken vor schwere Aufgaben.

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„Hier müssen die Koalitionsverhandler dringend noch mal ran“, sagte er. Union und SPD wollen die Kosten der Kliniken durch eine Fortentwicklung der Krankenhauspreise besser berücksichtigen. Sie wollen die Häuser aber auch zu Effizienz anhalten, wie aus ihrem vorläufigen Ergebnispapier zum Thema Gesundheit hervorgeht.

Zahl der Krankenhäuser sinkt

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sank die Zahl der Krankenhäuser um rund 200 auf gut 2000. Die Lage vieler Häuser in Ostdeutschland ist laut früheren Erhebungen tendenziell etwas besser, weil hier nach der Wende viel saniert worden war. Bezüglich der Größe fällt laut Krankenhaus Barometer auf, dass die kleinen Häuser bis 300 Betten und die großen Häuser mit mehr als 600 Betten weit öfter einen Fehlbetrag aufweisen als die mittleren Häuser. Das Geschäftsergebnis war laut der Studie in 57 Prozent der Kliniken rückläufig.

Die Krankenkassen mahnten Reformen an. „Diese von den Kliniken selbst erhobenen Zahlen zeigen, dass die Überkapazitäten abgebaut und die Strukturen endlich modernisiert werden müssen“, sagte ihr Verbandssprecher Florian Lanz. Die Ausgaben der Kassen für Klinikbehandlungen stiegen im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 31,4 auf 32,5 Milliarden Euro weiter an. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, mehr Geld löse keine Probleme. Die Lage verschlechtere sich trotz steigender OP-Zahlen.

Schon ältere Studien zeigten den Trend. Laut dem aktuellen „Krankenhaus Rating Report“ unter anderem vom Forschungsinstitut RWI waren zuletzt trotzdem 13 Prozent der Kliniken in erhöhter und 14 Prozent in leichter Insolvenzgefahr. Laut einer Mitgliederbefragung des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands ist nur jedes zehnte Haus so rentabel, dass es seine Zukunft selbst sichern kann.

Krankenhausbehandlungen werden teurer

Die Kosten für Krankenhaus-Behandlungen steigen unterdessen weiter. 2012 war ein Durchschnittsfall um 2,5 Prozent teurer als 2011. Vor allem die Personalkosten treiben die Summe in die Höhe, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden berichtete.

Alle Krankenhäuser in Deutschland behandelten im vergangenen Jahr 18,6 Millionen vollstationäre Patienten. Jeder Einzelfall kostete so zuletzt 4060 Euro. Ein Jahr davor schlug jeder Behandlungsfall mit 3960 Euro zu Buche.

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