Unternehmen Jung, grün und erfolgreicher denn je

Berlins Modewoche etabliert sich mehr und mehr im internationalen Zirkus der Fashion-Shows. Besonders der lokale Designernachwuchs begeistert die Kritiker. Und Green Fashion bekommt als Thema immer mehr Gewicht. Ein Rückblick.

Sparsamkeit, bewusster Umgang mit Ressourcen, fairer Handel – das war die Sache der Mode bislang nicht. Selbst Pelzgegnern ist es nicht gelungen, Tierfelle dauerhaft aus der Couture zu verbannen. Doch allmählich setzt ein Umdenken ein. Green Fashion kommt. Das zeigte die Berlin Fashion Week, die am gestrigen Sonntag zu Ende ging.

In einer großen Show inszenierte diesen Bewusstseinswandel der Berliner Designer Michael Michalsky. Er stellte am Freitagabend rund 800 Gästen im Tempodrom seine Kollektion für den Frühling/Sommer 2011 vor, darunter Overalls und Kleider mit Animalprints. Die sollen an bedrohte Tierarten erinnern.

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Dass High Fashion und Öko sich gut vertragen, bewiesen Designer wie die Hamburgerin Julia Starp. Sie präsentierte am Freitagabend ihre Entwürfe im Kreuzberger Umspannwerk. Starp fertigt leichte, stoffreiche Roben aus Seide in kräftigen Farben. In Bioqualität war so was bisher kaum zu haben, doch findet sich allmählich auch exklusives Material nach Ökostandards. Das Umspannwerk war während der Woche Plattform für Green Fashion, die der Veranstalter Showfloor Berlin aus ganz Europa eingeladen hatte.

Für Studenten eine Selbstverständlichkeit

Um grüne Mode zu fördern, hatte die Green-Fashion-Messe TheKey.to gemeinsam mit dem Online-Marktplatz Dawanda zur Modewoche einen Nachwuchspreis ausgeschrieben: „Ready to Green“. Gut 50 Bewerbungen gingen ein, aus Europa, Nord- und Südamerika. Gewonnen haben die Berlinerinnen Tina Luther und Rosa Gröszer mit ihrem Label Mikenke.

Es sind vor allem die jungen Designer, für die Nachhaltigkeit selbstverständlich zum Geschäft dazugehört. Das fängt im Studium an. „Es gibt Modeschulen, zum Beispiel in London, die das Thema sogar als Studiengang anbieten“, sagt Johanna Michel. In Deutschland fehle so etwas noch. Michel ist Professorin für Modedesign an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Nach der Show des Labels 30paarhaende im Zelt der Mercedes-Benz Fashion Week erzählt sie im FTD-Interview von der Arbeit der Studierenden. Das Label ist ein interdisziplinäres Projekt an der HTW – quasi eine Übungsfirma.

Rund 80 Prozent ihrer Masterkandidaten, sagt Michel, haben das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Da geht es nicht nur um Umweltschutz bei der Herstellung und um faire Löhne, sondern auch um Fragen der Entsorgung und Müllvermeidung. Kaum ein anderes Konsumgut hat eine so kurze Halbwertzeit wie die Mode. Da gilt es nicht, Kaputtes zu ersetzen. Stattdessen verdrängen neue Looks die alten, Saison für Saison, manchmal Monat für Monat. „Wo sollen wir mit den ganzen Altkleidern hin?“, fragt Michel. Junge Wissenschaftler und Designer suchen nach Wegen gegenzusteuern. Mit Kollektionen aus recycelten Textilien oder mit neuen Konsumkonzepten: Mode mieten, statt sie zu kaufen.

Der Trend: zart, zurückhaltend, fließend

Insgesamt gaben sich Kollektionen für den Frühling und Sommer des kommenden Jahres eher zurückhaltend. Helle, gedeckte Farben, zarte Töne und Stoffe, fließende Silhouetten – nur vereinzelt wurde es bunt, Muster waren selten, und wenn, dann gerne dezent und floral. Rund 70 Schauen und Präsentationen waren in der Stadt zu sehen, daneben fünf Messen sowie zahlreiche Showrooms und kleinere Events in Geschäften und Galerien.

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