Unternehmen Kältemittelstreit: Frankreich muss Kompaktmodelle von Mercedes zulassen

Autoproduktion im Werk von Mercedes Benz.

Autoproduktion im Werk von Mercedes Benz.© Daimler AG

Etappensieg für Daimler in Paris: Ein französisches Gericht hat entschieden, dass der Zulassungsstopp für Modelle mit dem alten Kältemittel nicht rechtens ist. Ob das neue Kühlmittel wirklich gefährlich ist, bleibt jedoch strittig.

Gute Nachrichten für Daimler: Der Zulassungsstopp für Mercedes-Modelle in Frankreich wird per Gerichtsentscheidung aufgehoben. Der Autobauer verbucht damit zwar einen Etappensieg. Vorbei ist der Streit, der sich an dem Kältemittel in Daimlers Klimaanlagen entzündet hat, damit aber noch lange nicht.

Was bedeutet die Entscheidung des Gerichts?

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Für Daimler bedeutet sie bares Geld: Mehr als 4500 Fahrzeuge können die Schwaben jetzt an Kunden in Frankreich ausliefern, Umsatzeinbußen werden abgewendet. Dennoch ist die Entscheidung lediglich ein Etappensieg für den Autobauer – und zwar im doppelten Sinn. Die Entscheidung der Pariser Richter ist nämlich vorläufig. Ein endgültiges Urteil steht noch aus. Außerdem bleibt strittig, ob das von Daimler boykottierte neue Kältemittel – wie in Stuttgart befürchtet – wirklich gefährlich ist. Langfristig kommt der Konzern nach geltendem Recht also nicht um die neue Substanz herum.

Warum wollten die Franzosen die Mercedes-Modelle nicht auf ihren Straßen sehen?

Frankreich stört sich an dem Kühlmittel, das in den Klimaanlagen der Autos zirkuliert. Nach EU-Vorschrift müssen Autobauer mittlerweile ein klimaschonenderes Kältemittel mit Namen R1234yf in ihren Fahrzeugen verwenden. Daimler weigert sich jedoch, die neue Substanz einzufüllen, weil sie in internen Tests Feuer gefangen hatte. Obwohl Daimler für die betreffenden Modelle eine Zulassung vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat, sieht Frankreich einen Verstoß gegen geltendes EU-Recht.

Warum preschte ausgerechnet Frankreich mit einem Zulassungsstopp vor?

Das ist bis heute nicht klar. In Branchenkreisen wird gemutmaßt, dass Frankreich damit Eigeninteressen verfolgt. So könnte die französische Blockade etwa eine Retourkutsche für den Kurs der Bundesregierung beim Thema Reduzierung der CO2-Abgasemission sein. Paris sträubt sich gegen eine von Deutschland befürwortete Lockerung der geplanten Normen – französische Hersteller wie Renault und PSA punkten nämlich mit vergleichsweise geringem Treibhausgas-Ausstoß.

Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält industriepolitische Gründe für denkbar. Ein anderes Kühlmittel würde für Autobauer möglicherweise hohe Umrüstungskosten bedeuten. Massenhersteller wie Renault und PSA könnten Preiserhöhungen aber schwerer an Kunden weitergeben als Oberklassehersteller wie Daimler. Frankreich wolle mit seiner Haltung möglicherweise die eigene Autoindustrie schützen.

Haben andere Autobauer keine Sicherheitsbedenken?

Auch andere Hersteller sind zumindest skeptisch. Autoriesen wie Toyota haben beispielsweise angekündigt, vorerst nicht auf das neue Mittel zu vertrauen. Die Mehrheit kann – wie auch Daimler für viele andere Modelle – dank alter Typgenehmigungen derzeit noch die alte Vorgängersubstanz verwenden. Das ist bis Ende 2016 möglich.

Ist das neue Kältemittel wirklich gefährlich?

Das KBA hat das Mittel unter die Lupe genommen – und kam zu einem zwiespältigen Ergebnis. Die Behörde stellte unter Extremtests tatsächlich Flammen fest, bei den rechtlich ausreichenden Standardversuchen allerdings nicht.

Wie geht es nun weiter?

Der Ball liegt jetzt bei der EU. „Die Verwendung des Kältemittels basiert auf EU-Recht“, sagt ein KBA-Sprecher. „Daher ist die EU gefordert, hier Lösungen zu finden.“ Die EU-Kommission muss in den kommenden Monaten grundsätzlich urteilen, ob das neue Kältemittel eine Gefahr darstellt.

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