Unternehmen KfW-Umfrage: Krisen belasten zunehmend deutschen Mittelstand

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Containerschiffe im Hamburger Hafen© HHLA

Der deutsche Mittelstand hat die Krisen der vergangenen Jahre relativ gut gemeistert. Doch bei vielen wachsen die Umsätze langsamer, vor allem die ganz kleinen Betriebe leiden. Die KfW warnt: Der Jobmotor Mittelstand stottert, immer mehr Unternehmen leben von der Substanz.

Die überwundene Rezession im Euroraum hat nach einer KfW-Umfrage das Wachstum des deutschen Mittelstands gebremst. Die kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland seien zwar vergleichsweise gut durch die Krisen der letzten Jahre gekommen, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Präsentation einer repräsentativen Umfrage unter Mittelständlern am Dienstag in Frankfurt. Dies habe aber Kraft gekostet: „Besonders die Entwicklung von Profitabilität und Eigenkapitalausstattung bei den Kleinen gibt Anlass zur Sorge.“

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, seien Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wahrscheinlich. Für 2014 und 2015 erwarteten die meisten Mittelständler keine Verbesserung ihrer Lage. Insgesamt sieht Zeuner Sand im Getriebe: „Die positive, aber gedämpfte Entwicklung setzt sich fort.“

Anzeige

Nach den Zahlen haben die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ihren Umsatz im vergangenen Jahr zwar um 2,4 Prozent erhöht. Im Vorjahr lag dieser Wert jedoch noch bei 8,4 Prozent, wie Experten der staatseigenen Förderbank hervorhoben.

Eigenkapitalquote sank bei kleinen Unternehmen deutlich

Umsatzrendite und Eigenkapitalquote seien zwar insgesamt stabil geblieben, sie sanken aber bei kleinen Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern deutlich. „Das erhöht die Krisenanfälligkeit“, sagte Studienautor Michael Schwartz. KfW-Chefvolkswirt Zeuner betonte: „Das KfW-Mittelstandspanel zeigt: Teile des deutschen Mittelstands leben auch von der Substanz.“

Zudem nahm zwar die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um zwei Prozent zu. Doch da gleichzeitig die Teilzeitbeschäftigung um 15 Prozent abgebaut wurde, nahm erstmals seit sechs Jahren die Zahl der erwerbstätigen Personen im Mittelstand ab, wenn auch nur geringfügig um 0,3 Prozent. „Der Jobmotor Mittelstand beginnt zu stottern, der Beschäftigungsaufbau 2012 wurde nicht mehr vom Mittelstand mitgetragen“, sagte Zeuner.

Investitionen werden zurückgestellt

Verunsichert durch die ungelöste Euro-Schuldenkrise stellten auch die mittelständischen Unternehmen Investitionen zurück – und das trotz des historisch guten Kreditzugangs samt extrem niedriger Zinsen. Die Investitionsausgaben sanken nach den Angaben 2012 um 2,4 Prozent auf 191 Milliarden Euro. Nur noch 41 Prozent der Mittelständler habe überhaupt investiert (minus 2 Prozentpunkte), betonte Zeuner: „Dabei geht die Schere zwischen kleinen und großen Unternehmen weiter auf.“ 2014 dürften die Investitionen aber wieder leicht anziehen.

Das KfW-Mittelstandspanel ist nach den Angaben die einzige jährliche repräsentative Erhebung im deutschen Mittelstand. Darin befragt die KfW seit 2003 Betriebe mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro, von denen es 2012 in Deutschland 3,64 Millionen gab. An der aktuellen Erhebung beteiligten sich bis Ende Juni mehr als 11.400 Unternehmen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...