Unternehmen Knut Löschke: Sprechen wir doch mal über Unternehmer

Unternehmer Knut Löschke auf der impulse-Feier zum einjährigen Verlagsjubiläum

Unternehmer Knut Löschke auf der impulse-Feier zum einjährigen Verlagsjubiläum© Roland Magunia

Die absolute Mehrheit aller Wahlberechtigten sind keine Unternehmer. Sie entscheiden aber mittels unserer "sozialen Demokratie" über eine ihnen unheimliche "brutale und böse" kapitalistische Wirtschaft, sagt Knut Löschke. In seiner Festrede zum einjährigen Jubiläum von impulse kritisiert er den Bedeutungsverlust der Unternehmer in der Politik - und erläutert, was gutes Unternehmertum heute ausmacht.

Lieber Herr Förster, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde des Unternehmertums,

Herr Förster rief mich vor ein paar Wochen an und fragte, ob ich als Redner beim Fest von „IMPULSE“ auftreten würde. Klar, das mache ich gerne! Und worüber soll ich sprechen, fragte ich ihn und er antwortete: „Na, dann sprechen Sie doch mal über Unternehmer“. Gut, doch wenn man über jemanden sprechen will, sollte man ihn kennen. Das war und ist der Grund, sich auf die Suche nach „dem Unternehmer“ in der Geschichte und in der Gegenwart zu machen. Es ist eine spannende Expedition und das Ergebnis der Recherchen erfahren Sie jetzt. Sprechen wir also mal über Unternehmer.

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Was fiel mir als erstes auf? Im Verlaufe meiner Untersuchungen hatte ich oftmals den Eindruck, als sollte die Suche nach „dem Unternehmer“ die nach einem Täter sein und alle guten Menschen dieser Welt, wären seine Opfer. Um also voran zu kommen, erarbeitete ich mir zunächst ein Such-Profil, ein Täterprofil, wenn Sie so wollen. Stellt man die darüber verfasste Literatur des letzen halben Jahrhunderts, die wesentlich durch Joseph Schumpeter geprägt ist, zusammen, so wird das Handeln, welches letztlich einen Unternehmer auszeichnet, durch verschieden durchweg positive charakterliche und intellektuelle Komponenten geprägt. Ein Unternehmer hat demnach viele, sehr sympathischen Eigenschaften eines wirklich guten Menschen.

Das erklärt das Phänomen „Unternehmer“ im wirtschaftlichen Umfeld aber meines Erachtens nicht. Ludwig Joseph Brentano, der Neffe der Schriftsteller Clemens Brentano und Bettina von Arnim, hingegen fasste 1907 prägnant zusammen: „Eines zeichnet das Handeln eines Unternehmers vor allem aus: Es geschieht auf eigene Rechnung und eigener Gefahr.“

Rockefeller, Nobel, Krupp: Gab es denn vordem keine Unternehmer?

Weiter schien es mir, als ob „der Unternehmer“ erst mit der industriellen Revolution, dem Erstarken des Kapitalismus in Europa und Amerika auftaucht. Verbunden mit Namen wie Rockefeller, Nobel, Krupp, Siemens und Ford. Und die Frage drängte sich sofort auf: Gab es denn vordem keine Unternehmer? Gut, im Mittelalter tauchten nach einigem Nachdenken die Alberti, die Medici und die Fugger auf. Aber noch weiter zurück? Da erschien Leere. So etwas macht besonders neugierig und so beschloss ich, mich weiter mit dieser merkwürdig dunklen Vergangenheit zu beschäftigen, um vielleicht unsere Gegenwart besser verstehen zu können.

Das Ergebnis war: die ganze Sache begann nicht erst vor 350, sondern vor ungefähr 3500 Jahren. Zu dieser Zeit existierte die Menschheit als Kulturgesellschaft bereits seit rund 35.000 Jahren rund um den Globus. Die Stammesverbände hielten sich entweder durch Jagd oder durch Ackerbau am Leben. Lebensmittel, Haushaltsgenstände, Werkzeuge, Schmuck und Waffen wurden im Stamm für den eigenen Bedarf produziert und mit anderen Stämmen getauscht. Die immer weiter nach Norden vordringenden Siedler und Nomaden waren erst vor rund 5000 Jahren hellhäutig, blond und blauäugig geworden – eine Anpassungsmutation an die verringerte Sonneneinstrahlung.

Alle Stämme wurden durch mehr oder weniger matrialine Ordnungen unterschiedlichen Typus zusammengehalten. Der Familien- und damit der Stammeszusammenhalt pflanzten sich über die Sicherheit der Mutterschaft fort. Diese Art des zivilisatorischen Zusammenlebens schuf über eine sehr langsame und Jahrtausende währende Entwicklung Siedlungszentren, Städte und damit verbunden Tempel- oder Palastwirtschaft und Handel. Ja sogar schon wagemutigen Fernhandel. Dann muss es aber ein einschneidendes Naturereignis gegeben haben, von dem alle alten Mythen und Sagen berichten. Mehrere Katastrophen sind eindeutig nachweisbar: zum Beispiel der gewaltige Ausbruch des Vulkans Santorin vor 3520 Jahren. Infolge dieser Katastrophen veränderte sich das Klima im Norden rapide, die Stämme konnten sich nicht mehr genug ernähren und wichen wieder nach Süden aus. Auf dieser Völkerwanderung wurden offensichtlich in vielen Stämmen durch die Frauen „überschüssige“ Mäuler – die Männer – ausgeschlossen. Diese wiederum, nun als gänzlich haltlose Horden, suchten sich einerseits neue Zufluchtsgebiete und andererseits gaben sie sich strenge Regeln, um die Aggression untereinander kontrollieren zu können.

Darüber hinaus stießen sie in kriegerischen Auseinandersetzungen mit den noch immer gut organisierten alten Stämmen zusammen.

Das ist die Geschichte der Besiedelung und Eroberung der Gebiete im Zentrum des Mittelmeeres, die Gründung der griechischen Stadtstaaten, der Polis, bis hin zu Rom. Sie erklärt die geradezu abnorme Strenge von Regeln in diesen Städten bezüglich der Ehe, der Keuschheit von Frauen und die streng überwachte Erbfolge in der männlichen Linie. Und die neuen patriarchischen Gesellschaften hatten sich Eigentum und nicht nur Besitz an Boden geschaffen, dass unter allen Umständen geschützt werden musste: die Patrizier, die Väter, hatten das Land annektiert und gleichmäßig unter sich aufgeteilt, die Roma Quadrata, und darüber einen Gesellschaftsvertrag geschlossen.

Wie kann man sich das vorstellen? Vielleicht etwa so: Gute Leute, hört mal, wir haben nun eine neue Heimat gefunden, uns Frauen besorgt und Land aufgeteilt. Wir wissen alle, wie sehr wir zur Aggression neigen und übereinander herfallen. Wir haben aber doch verstanden, dass es dabei nicht um Rache wegen irgendeiner zickigen Dame geht, wie in Troja, sondern simpel nur um Land und Vieh. Deshalb sollten wir aufhören, uns gegenseitig abzuschlachten. Last uns doch vielmehr einen Vertrag schließen – unter Geschäftsleuten – einen Gesellschaftsvertrag:

  1. Wir nennen uns von nun an „die Väter“, Patrizier, den von nun an wollen wir wissen und kontrollieren, wer unsere Söhne und Töchter sind. Wir wollen also die männliche Erbfolge gegen jede Einflussnahme der Frauen, die uns damals übel mitgespielt haben, schützen.
  2. Wir wollen uns nicht mehr gegenseitig killen und uns, als Patrizier, nicht gegenseitig als Sklaven besitzen.
  3. Wir verteilen das Land der Insel gleichmäßig unter allen Männern; die waren Ackerbauern und Viehzüchter, die darauf mit ihren Familien leben konnten.
  4. Wir Männer wollen absolut unabhängig voneinander und frei auf diesem Stück Land leben und uns nur aller Monate zum gemeinsamen Festschmaus treffen – jeder gibt dabei gleichviel dazu –, um unsere Kinder zu verheiraten, Händel per Gericht zu klären und die Götter einfach nur gute Menschen sein zu lassen. Und wir bauen dafür einen Platz – einen Marktplatz.

 

Gesagt getan. Jeder Mann zog mit seiner Familie in seine verbriefte Heimstatt und sie meißelten die Grundsätze:

  • Freiheit: voneinander und untereinander, keiner sei Eigentum des Anderen;
  • Gleichheit: Jeder hat gleich viel Land und Rechte; und
  • Brüderlichkeit: wegen der geplanten Gelage und der vorhersehbaren Streitigkeiten vor Gericht;

in Stein, zu lesen in den Gesetzestexten des Theseus, des Solons. Und begannen glücklich so ihr neues Leben und wirtschafteten fleißig jeder für sich. Wie seit altersher nun nicht mehr im Matriarchat, sondern im neuen Patriarchat und mit der Erfindung des Eigentums.

Was glauben Sie, wie lange diese neue Gesellschaft von Bürgern, die so eben geborene Bürgerliche Gesellschaft, so glücklich blieb? Vielleicht ein Jahr oder so. Bei der Verteilung des Bodens hatten sie vergessen, dass der Norden ihre Insel kalt und trocken und der Süden warm und feucht war. Die Bauern des Nordens hatten permanent schlechte Ernten und schon nach kurzer Zeit rüsteten sie sich zu einem Beutezug gen Süden.Aber so hatten die Bürger aber nicht gewettet! War es nicht vertraglich vereinbart, dass keiner einem anderen nach Leben und Besitz trachten solle? Na gut, dann, so forderten die Nordinsulaner wenigstens, sollten die wohlhabenden Südstaatler gefälligst mal was abgeben, wegen Gerechtigkeit und Solidarität und so. Aber was heißt hier Gerechtigkeit? War es nicht verbrieftes Recht, dass alle gleich (gleich viel Land) und unabhängig (niemand hängt vom andern ab) sein sollten? Ja, das war so vereinbart. Aber sie fanden einen grandiosen Ausweg, erstmalig vielleicht in der Geschichte, ohne die mit Blut erstrittenen bürgerlichen Grundrechte von Gleichheit und Freiheit aufs Spiel zu setzten: Sie handelten brüderlich.

Die Südler liehen den Nordlern Getreide. Allerdings vereinbarten Sie die Rückgabe (das schien gerecht) mit einem kleinen Mehr (das schien auch gerecht) als Entschädigung für die zeitweilige Aufgabe des Verfügungsrechtes über das geliehene Getreide. Und sie nannten es Zins; die Leihgabe Kredit. Doch wie garantierten die im Norden die Rückzahlung und die Zahlung des Zinses? Sie stellten – Sklaverei war ja auch verboten – als Sicherheit ihr nicht erneuerbares, nicht kopierbares, nicht bewegbares Eigentum: ihren Grund und Boden. Die natürliche Ungleichheit war damit in gewisser Weise ausgeglichen aber die Gesellschaft hatte Schuldner und Gläubiger bekommen. Mit diesem scheinbar kleinen Schritt begann ein gewaltiger Wettlauf.

Um nicht die elementare Existenzbasis der Familie zu verlieren, schufteten die Nordler mehr als die Südler. Sie mussten mehr erarbeiten, mehr als sie geliehen und unter den alten „Stammes-Bedingungen“ hätten zurückgeben müssen. Mussten Sie doch den Zins zusätzlich erwirtschaften. Doch mehr Schuften allein genügte nicht. Um mehr Wert produzieren zu können, erfanden sie bessere Werkzeuge, züchteten bessere Schafe und bildeten ihre Kinder besser aus. Sie fachten das Feuer des wissenschaftlich-technischen Fortschritts an. Es ist die Hochzeit der Kreativen, die Geburtsstunde der Innovationen. Sie taten es, weil sie es mussten, nicht, weil sie es wollten.

Und um das nun auch noch zu sagen: Um die Verschuldungstatbestände genau festhalten zu können, schrieben sie die Schuldverschreibungen auf kleine Tafeln. Diese Täfelchen waren aus einem sehr seltenen und damit teuren Metall, das nicht nur nicht verdarb, sondern auch noch teurer war als das Korn selber, welches als Kredit ausgegeben worden war. Sie erfanden das Geld als Schuldverschreibung. Eigentum, Verschuldung, Zins, Kreditbesicherung durch Immobilien und Geld – das richtige Geld, die Schuldverschreibung und nicht das Tauschmittel! – ist das fruchtbare und untrennbare Gemisch, was die Individualwirtschaft der Gemeinschaft oder der Herrschaft zur kapitalistischen Wirtschaft macht.

Der Urtyp des Unternehmers

Was hat das mit unserer Suche nach „dem Unternehmer“ zu tun? Nun: Der Mann, der sich verschuldete, um nicht sein Land und damit die Existenzgrundlage seiner Familie zu verlieren, dieser Mann ist der gesuchte Täter, es ist der Urtyp des Unternehmers. Die elementare Form des Wirtschaftens auf Grund von Verschuldungstatbeständen, basierend auf Eigentum, ist der Uterus, in dem der Fötus „Unternehmertum“ heran wuchs und als Teil der Kultur schließlich geboren wurde.

Und dieser neue Teil der Kultur verbreitete sich rasant, weil der im Durchschnitt erfolgreiche Unternehmer im Durchschnitt mehr Überlebenschancen für seine Familie erwirtschaften konnte als andere. Allerdings musste er dafür auch bezahlen: mit dem Risiko des Verlustes der Existenzgrundlage und mit Zins für aufgenommenes Kapital. Übrigens ist dies auch die Geburtsstunde des Proletariats: Das sind ursprünglich jene Patrizier, die als Unternehmer scheiterten und ihr Eigentum verloren. Sie wurden doppelt frei: frei von Eigentum und frei verfügbar als Lohn-Arbeiter, nicht als Sklaven. Aber das ist eine andere Geschichte…

Und das alles schien wunderbar zu funktionieren. Die kulturelle Blüte der Kunst, der Naturwissenschaft, der Medizin, der Philosophie der Antike ist ein beredtes Zeugnis dafür. Allerdings nur solange der Gesellschaftsvertrag und mit ihm der gesetzliche Schutz des freien Unternehmertums – die bürgerliche Polis – existierte. Natürlich ist Reichtum immer ein Dorn im Auge von Gierigen aus nicht-kapitalistischen Stammes-Gemeinschaften oder feudalistischen Herrschaftsstrukturen. Vor allem deshalb, weil denen das unerklärliche „Mem“ fehlte, weil sie nicht so reich und erfolgreich waren und auch objektiv aus ihrer Gesellschaft heraus nie sein konnten. Was die aber besser konnte, war plündern. Also wurde überfallen, geraubt und erobert, was das Zeug hielt.

So kam es, dass es in der Antiken Welt und bis ins hohe Mittelalter hinein immer nur kurze Perioden erfolgreicher kapitalistischer Gesellschaften und damit erfolgreiche Unternehmer gab, die durch längere Perioden von Feudalgesellschaften und Diktaturen abgelöst wurden. Diese Systeme saugten den in kapitalistischen Hochzeiten erzeugten gesellschaftlichen Reichtum aus, bis nichts mehr davon übrig war.

Lassen Sie uns nun noch eine kleine Reise durch die mitteleuropäische Geschichte machen. Verglichen mit unseren heutigen Rechtssystemen, mit unseren politischen und sozialen Gemeinschaftsnormen lebten die Menschen im Mittelalter tatsächlich in völliger Willkür.

Jeder Feudalherr legte fest, was Recht ist und urteilte nach Gutdünken. Jede Stadt, jedes noch so kleine Fürstentum hatte seine eigenen Regeln und Gesetze. Ja, selbst Gewichte, Maße und Goldwährungen waren unterschiedlich.

Ganz besonders hart traf dies Menschen, die durch ihre Gewerbe gewissermaßen „überregional“ tätig waren. Lokal war die Situation noch überschaubar. Bauern und Handwerker produzierten Dienstleistungen und Waren, die von lokalen Kunden bestellt und abgenommen wurden. Aber der zunehmende Überfluss und der zunehmende Bedarf an arbeitsteilig produzierten Waren konnte nur verkauft und gekauft werden, wenn es ein Wirtschaftssubjekt gab, dass weder produzierte noch selber Endabnehmer war, sondern gewissermaßen ein Transmissionsriemen zwischen jeweils lokaler Produktion und jeweils lokaler Abnahme darstellte: Eine Blüte der Handelskaufleute entstand im Mittelalter erneut so wie schon vor 4000 Jahren rund um das Mittelmeer.

Aus Gründen des Geschäftes und um ihrer eigenen Sicherheit willen schufen sich die Kaufmanns-Gilden, die Italiener im Süden und die Hanse im Norden, eigene Moral- und Rechtssysteme. Weil ein schützender nationaler oder gar globaler Rechtsrahmen fehlte, schufen sich die Kaufleute und Unternehmer der Antike und des Mittelalters mit ihrem Normenkodex einen Ersatz, der im Verlaufe der Entwicklung sowohl zum moralischen, zum ethischen als auch zum juristischen Grundprinzip von Stadtstaaten in der Antike bis zu den bürgerlichen Gesellschaften der Neuzeit wurde.

Diese Entwicklungen sowie die sozialen Verwerfungen, die das Wachstum des Kapitalismus hervorbrachte und moderne Formen der Unternehmensführung veränderten und verändern die bürgerliche Normenwelt bis heute entscheidend. Denn wir sehen letztlich die Ablösung der Persönlichkeit des Kaufmanns, des Unternehmers durch die zunehmende Herrschaft der Manager in großen und auch in mittelständischen Unternehmen. Mit der Managerkaste kommt eine neue, bedeutende Komponente ins Spiel.

Wir sind im Heute angekommen. Erinnern wir uns: Ein Unternehmer ist jemand, der auf eigene Rechnung und eigenes Risiko ein wirtschaftliches Unternehmen aufbaut und betreibt. Nehmen wir mal als Beispiel meine Heimat Sachsen. Dieses kleine Land hat 4,25 Millionen Einwohner. Von diesen 4,25 Millionen Menschen sind 20 Prozent Kinder und Jugendliche in der Ausbildung, 9 Prozent Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger (9 Prozent aller Menschen, 20 Prozent, wenn man nur die Erwerbsfähigen betrachtet), 32 Prozent sind Rentner und Pensionäre. Nur 34 Prozent der Menschen in Sachsen sind wertschöpfend im Kreislauf der Wirtschaft tätig: 30 Prozent als Arbeiter und Angestellte und nur 4 Prozent als Unternehmer. Zwei Drittel der Menschen sind Verbraucher und nicht Produzenten. Zwei Drittel verbrauchen die Waren und Dienstleistungen, die eine Minderheit produziert.

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Es muss eine gewaltige Kraft in der kapitalistischen Wirtschaft stecken, die es einer sehr großen Gruppe von Menschen der bürgerlichen Gesellschaft ermöglicht, etwas anderes zu tun als zu produzieren und materielle Werte zu erschaffen. Die objektive wirtschaftliche Kraft des Kapitalismus, subjektiv umgesetzt durch Unternehmer, hat ungeheure positive Effekte. Sie setzt Menschen aus der Produktion frei, erhebt sie für Kunst und Wissenschaft. Die gewaltige und immer noch steigende Produktivität erhebt aber nicht nur einige Menschen, Höheres zu tun. Immer mehr Menschen fallen nach unten aus dem System heraus.

Es bleibt ohne Wertung festzuhalten: Die absolute Mehrheit aller Wahlberechtigten in ganz Deutschland sind Rentner, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Angestellte der öffentlichen Hand und Beamte. Sie entscheiden mittels unserer „soziale Demokratie“ über eine ihnen unheimliche und unheimlich gemachte „brutale und böse“ kapitalistische Wirtschaft. Sie richten (moralisch) über deren Repräsentanten – die Unternehmer, die obendrein mit der Managerkaste verwechselt werden. Sie formulieren die staatlichen Regelungen, Verfügungen, Gesetze und Verbote, die ursprünglich die kapitalistische Wirtschaft und damit die bürgerliche Demokratie schützen sollten: das Eigentum, den Vertrag und den freien Markt und die nun das Gegenteil bewirken.

Die Unternehmer in Deutschland und in der ganzen „abendländischen“ Welt sind eine lächerliche Minderheit von nur rund 4%. Sie würden nicht mal die 5%-Hürde knacken und in das Parlament kommen. Sie haben keine Stimme in dieser Demokratie. Nur noch 4% sind persönlich verantwortlich für das Gelingen eines Wirtschaftsunternehmens, denn nur noch 4% sind mutig genug, sich zu verschulden, um ein Unternehmen aufzubauen – und zwar auf eigene Rechnung und auf eigene Gefahr. Unsere gesamte hochpotente Wirtschaft, in der alle Menschen verankert sind und von der alle Menschen partizipieren, wird von einer verschwindend kleinen Minderheit getragen.

Wie komme ich jetzt auf: verschwindend? Wir haben doch während unserer Expedition erkannt, dass die Unternehmer in der bürgerlichen Gesellschaft das Fundament unseres sozialen und kulturellen Reichtums schaffen. Nun soll die Moral der Geschichte ihr Verschwinden sein? Nun, der Druck, den das Zins-Gesetz den Mitgliedern kapitalistischer Wirtschafts- und bürgerlich-demokratischer Gesellschaften auferlegt, ist riesengroß und für viele nicht ertragbar. Diese Menschen wehren sich dagegen.

Aus diesem Grunde ist das kapitalistische System nicht nur durch Feinde von außen, sondern auch durch die Vertreter der „Gemeinschaft- und Herrschafts-Utopien“ von innen heraus bedroht. Nehmen diese Utopien überhand, dann wird die Kultur immer mehr und mehr von ihnen überschwemmt; die Unternehmerkultur wird diffamiert und schließlich ausgemerzt. Je reicher die Gesellschaft, umso größer ist die Gefahr: Wozu anstrengen auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, wenn es auch anders prima geht? Nicht das Erwirtschaften von gesellschaftlichem Reichtum, sondern dessen „gerechte“ Verteilung wird zum obersten Gebot.

Aber – und auch das haben wir auf unserer Expedition durch die Geschichte immer und immer wieder sehen können: Es werden immer und immer wieder Leute geboren, gleich welcher Abstammung, welchen Alters und welchen Geschlechtes, die sich als Unternehmer fühlen und es versuchen. Immer wieder gehen ein paar junge Leute mit glühenden Wangen und glänzenden Äugen das Wagnis des Unternehmers ein, die alte und immer noch lebendige Unternehmerkultur in sich tragend, und viele davon werden erfolgreich sein. So wie IMPULSE, wie Nikolaus Förster und sein großartiges Team. Das macht Hoffnung!

 

Zur Person:
Prof. Dr. Knut Löschke, 1950 in Leipzig geboren, startete seine Unternehmerkarriere, als die Mauer fiel. 1990 gründete der Kristallograph in seiner Heimatstadt das Softwareunternehmen PC-Ware Information Technologies (heute Comparex) und entwickelte das Softwareunternehmen zu einem internationalen Konzern mit Tochtergesellschaften in 26 Ländern, rund 1800 Mitarbeitern und einem Geschäftsvolumen von über 1 Milliarde Euro. 2009 stieg er aus dem Unternehmen aus, lehrt seitdem als Honorarprofessor an der Hochschule für Technik insbesondere Kultur und Ethik des Unternehmertums, berät Firmen und ist Aufsichtsrat der Deutschen Bahn.

 

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