Unternehmen Konjunktursignale in China verdüstern sich

Die Flagge der Volksrepublik China

Die Flagge der Volksrepublik China© Wikipedia

Wenn sich das Wirtschaftswachstum in China weiter verlangsamt, wird die gesamte Weltwirtschaft die Auswirkungen zu spüren bekommen. Nun senken Analysten ihre Prognosen für das Land erneut.

Der wichtigste Wachstumsmotor der Weltwirtschaft China scheint zunehmend ins Stottern zu geraten. Der als wichtiger Frühindikator geschätzte HSBC-Index zum Verhalten der Einkaufsmanager in China fiel stärker als von Analysten erwartet. Zudem mehren sich die Zeichen, dass die Regierung um den seit drei Monaten amtierenden Staatspräsidenten Xi Jinping bei der Konjunktur noch stärker das Tempo drosseln will. Den Banken soll offenbar der Geldhahn stärker zugedreht werden, um der Gefahr einer Kreditblase vorzubeugen. „Die neue Führung des Landes hat einen ganz anderen Fokus als die alte“, schrieb Goldman-Sachs-Experte Yu Song. Dies könnte zu einem geringeren, aber nachhaltigeren Wachstum führen.

Der Analyst geht nach den jüngsten Daten davon aus, dass der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal weiter zurückgeht und die Wirtschaft nur noch um 7,5 Prozent wachsen könnte. Der von der britischen Bank HSBC erhobene Einkaufsmanagerindex deutet auf eine weitere Abkühlung hin. Er sank vorläufigen Daten zufolge von 49,2 Punkten im Mai auf zuletzt 48,3 Zähler und damit stärker als von Analysten erwartet. Im Mai war der Frühindikator erstmals seit Oktober 2012 unter die Schwelle von 50 Punkten gefallen. Über dieser Grenze zeigt der Index Wachstum an, liegt er darunter, kann von einem schrumpfenden Industriesektor ausgegangen werden.

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Die neue Devise: Qualität statt Tempo
Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hatte Mitte dieser Woche klargestellt, dass er die Qualität des Wachstums verbessern will. Dazu soll auch aus dem aufgeblasenen Finanzsektor des Landes Luft abgelassen werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte Ende Mai die Prognose für das Wachstum in China für 2013 auf 7,75 Prozent gesenkt. 2012 hatte das Wachstum Chinas bei 7,8 Prozent gelegen – das war das schwächste Jahr seit 1999.

Für chinesische Banken wird es unterdessen immer teurer, frisches Geld zu besorgen. Am Interbankenmarkt, wo sich die Kredithäuser gegenseitig kurzfristig Mittel leihen, schießen die Kreditraten auf Rekordhöhe. Grund ist die Zentralbank, die die Zügel bei der Liquiditätsversorgung offenbar weiter anziehen will. Chinas Wirtschaftsboom der vergangenen Jahre wurde maßgeblich durch üppige Geldversorgung befeuert. Schon lange warnen Analysten deshalb vor einer Lawine von Kreditausfällen, die auf die Großbanken zurollt.

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