Unternehmen „Kumpanei und Begünstigungen sind inakzeptabel“

Erstmals äußern sich Unternehmer zur Wulff-Affäre. Gegenüber impulse erklären sie, was Angemessenheit im Verhältnis zwischen Unternehmern und Politikern bedeutet. Peter Kulitz meint, dass der ordentliche Umgang sich abschließend weder gesetzlich regeln noch durch moralische Standards sicherstellen lässt.

Politik kann nur erfolgreich betrieben werden, wenn deren Akteure sich laufend
mit den gesellschaftlichen Interessengruppen austauschen. Gemessen an der
Bedeutung der Wirtschaft für ein prosperierendes Gemeinwesen sollten Unternehmerinnen
und Unternehmer noch weitaus mehr direkte und regelmäßige Beziehungen zu Repräsentanten der Politik pflegen, als dies für gewöhnlich in Deutschland der Fall ist, und den Erfahrungs-
und Wissensaustausch nicht allein den Interessenverbänden überlassen.

So wünschenswert eine persönliche Nähe zwischen Politiker und Unternehmer grundsätzlich ist, so sehr muss der Eindruck vermieden werden, dass daraus Kumpanei und Begünstigung entstehen. Der ordentliche Umgang miteinander lässt sich abschließend weder gesetzlich
regeln noch durch moralische Standards sicherstellen. Denn jeder würde sie in anderer Weise für sich und Dritte – womöglich sogar noch mit unterschiedlichem
Maßstab – auslegen.

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Es bleibt, eine Kultur zu entwickeln, in der jeder – schon aus Fürsorge für den Gesprächspartner oder auch persönlichen Freund – von sich aus darauf achtet, den anderen in keine Situation zu bringen, die den „gefahrgeneigten“ Anschein erwecken könnte, Gefälligkeiten mit Interessen zu vermengen. Wer als Unternehmer nach den Grundsätzen des ehrbaren Kaufmanns handelt, kann sein Tun allzeit auch danach überprüfen, denn er weiß selbst am besten über seine Motive Bescheid.

Ein Politiker seinerseits muss und kann Verständnis für die gebotene Distanz einfordern, wenn er Angebote erhält, die geeignet sind, den Anschein besonderer Bevorzugung zu erwecken. Öffentlichkeit und Transparenz sind ein wirksames Regulativ gegen falsche Wertmaßstäbe. Für Personen des öffentlichen Lebens würde ich als Prüfmaßstab empfehlen: Tue nur das, was du guten Gewissens am nächsten Tag in der Zeitung lesen kannst!

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