Unternehmen Kunst aus der Dose

Jeden Tag wagen Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit. Im Handelsregister finden sich die Geburtsurkunden ihrer Firmen. impulse stellt jeden Monat eine Gründung vor - ausgewählt nach dem Zufallsprinzip. Heute: Ein Kiosk für Sprühbedarf.

Frau Taeger, Ihre Geschäftsidee dürfte Freunden weißer Hauswände nicht gefallen: Sie haben einen Kiosk für Sprühbedarf eröffnet.

Nadine Taeger: Wir dachten auch, hier kommt bestimmt einer rein und meckert, weil seine Hauswand besprüht wurde. Aber das gab es noch gar nicht.

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Wie reagieren die Nachbarn denn?

Taeger: Die Leute sind interessiert, kommen rein, schauen. Wir sind ja so eine Art Graffiti-Kiosk, die Nachbarn holen sich bei uns auch Getränke und Zigaretten. Wenn sie nachfragen, klären wir sie auf: dass Street-Art ja nicht nur kriminelle Graffiti sind, die man sieht, wenn man durch die Straßen geht. Es gibt eine breite legale Szene, und für die haben wir den Laden aufgemacht.

Sie sind Kindergärtnerin, Ihr Partner ist Dachdecker. Warum sind Sie im Nebenberuf Unternehmerin geworden?

Taeger: Das war einfach eine Schnapsidee. Wir sind ja selbst Künstler, die auch Leinwände besprühen. Eines Tages saßen wir zusammen und brauchten noch Material. Dafür hätten wir aber ewig weit fahren müssen. Da haben wir uns gefragt: Warum gibt es eigentlich keinen Graffitiladen im Süden Hamburgs? Und: Wenn wir den nicht gründen, macht es bestimmt jemand anders.

Das klingt mutig – und nach doppelter Arbeit.

Taeger: Es ist auf jeden Fall ein großer Schritt gewesen. Aber ich habe auch Spaß an meinem Beruf und bin gern im Kindergarten. Unsere Angestellte ist bis 18 Uhr im Laden, in der Zeit danach wechsele ich mich mit meinem Partner ab. Wir haben unser Hobby zu unserem Nebenjob gemacht.

Und Sie haben eine offene Handelsgesellschaft gegründet, bei der Sie voll für Ihren Partner mithaften. Dafür sollte man sich sehr vertrauen.

Taeger: Man sollte nicht nur in einer Beziehung, sondern auch als Geschäftspartner ein Vertrauensverhältnis haben.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Taeger: Ich hoffe, dass der Laden super läuft, dass ich Workshops anbieten kann und eine Künstlerkartei aufgebaut habe. Wir haben schon täglich Anfragen von Kunden, die sich Leinwände von uns im Büro aufhängen wollen. Und ich würde mir wünschen, dass es in der Stadt mehr Flächen gibt, auf denen Sprayer sich legal austoben können.

Aus dem Magazin
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