Unternehmen Lachender Hohlkopf

Kein typischer Vertreter der 123 Millionen Osterhasen, die jedes Jahr in Deutschland hergestellt werden. Dieser Hoppler schmeckt zartbitter. Ein Ohr hängt. Er lacht, wiegt 200 Gramm, kostet 7,90 Euro. Chocolatier Olav Praetsch goss ihn in Wurzen aus besonderer Schokolade.

Nicht Vollmilch, sondern Zartbitter. Und auch sonst kein typischer Vertreter der 123 Millionen Osterhasen, die jedes Jahr in Deutschland hergestellt werden. Diesen Lachhasen gießt Olav Praetsch in Wurzen handwerklich aus bester Schokolade. Dieser 200 Gramm-Hase kostet 7,50 Euro. Drei Euro allein bezahlt der Konditormeister für die Schokolade im Einkauf.

Wie der Luxushase entsteht:

Anzeige

Starten Sie die Präsentation mit dem Play-Symbol. Dieses Symbol führt Sie durch die Präsentation.

Der Konditormeister

Olav Praetsch, Wurzen. Die Araguani ist seine Lieblingsschokolade, deshalb nimmt er sie für den Hasen. Praetsch ist in fünfter Generation Konditormeister. In der Saison hat er 14 Angestellte und stellt hauptsächlich Pralinen her. Die meisten seiner Hasen werden unter fremdem Label verkauft. Und sollte nach Ostern doch ein Hase übrig bleiben, vertilgt ihn der neunjährige Konditoren-Sohn.

Die Schokolade

Grand Chocolat Valrhona, Tain l’Hermitage, Frankreich. Schokoladen-Sommelière Vanessa Lemoine hat die Schokolade »Araguani« komponiert. Hinein kommen 72 Prozent Kakao aus Venezuele, 27 Prozent brauner Rohrzucker aus der Karibik, Kakaobutter und Emulgator. Sommelière Lemoine mischte die seltenen Criollo- und Trinitario-Bohnen, daher kommen die Geschmacksnoten Rosine, Edelkastanie und Lakritz. Der Kakao kommt aus Venezuela. Schon der Firmengründer Alberic Guironnet, ein Konditor, hat vor 90 Jahren bei den Plantagen eingekauft. Geliefert wird sie in sogenannten »Fèves«, 5-Gramm-Tropfen im 3-Kilo-Sack.

Emulgator

Der ist rein französisches Soja-Lecitin. Um die fettige Kakaobutter mit den anderen Bestandteilen zu vermischen, kommt das Lecithin hinein. Es bindet die Kakaobutter gleichmäßig verteilt in der Schokolade. Der Emulgator verkürzt die Zeit, die die Schokolade gerührt werden muss und macht die Schokolade länger haltbar. Das Lecithin wird in Frankreich aus Soja hergestellt und ist, darauf legt Valrhona wert, gentechnikfrei. Es gibt nur wenig Schokolade ohne Emulgator.

Der Umlauftemper

Sollich, Bad Salzuflen. Den zarten Schmelz verdankt der Osterhase einem fast dreißig Jahre alten Umlauftemper von Sollich. Hier kommt die flüssige Schokolade hinein. Das patentierte Rührwerk kühlt die Schokolade so ab, dass sie auf dem Weg nach unten fein vorkristallisiert und zwar möglichst zu Kristallen der Form Fünf. Die halten am längsten und zergehen am Besten auf der Zunge sagt Verkaufsleiter Andreas Thenhaus. Schokolade in Kristallen der Form Vier sind härter, in Form Sechs fast schon flüssig. 300 Tempriermaschinen baut Sollich jedes Jahr, moderne Turbotemper meist, aber hin und wieder noch einen Umlauftemper der alten Sorte. Auch Sollich wurde von einem Konditor gegründet, Robert Sollich. Heute leitet sein Enkel die Firma mit 270 Mitarbeitern.

Die Gussformen

Brunner Glonn. Verantwortlich für den Hohlkopf. Als die Firma 1935 gegründet wurde, stellt sie noch Luftpumpen her. Dabei war der Firmengründer Konditor. So kam er auf hohle Gussformen für Schokolade. Ein Künstler schnitzte ihm den Lachhasen, Modell »HB407« vor 50 Jahren. HB kommt, klar von Hans Brunner, wo die Zahl herkommt, weiß heute niemand mehr. Die Form ist etwas stämmiger, »a naturgetreia Hoas hätte zua dünne Ohrn und Beine«. Die Lachhasen-Form ist zweiteilig, anfangs war sie aus Metall, heute ist sie aus dem Polycarbonat Makrolon von Bayer. Die Kunststoffplatten werden auf 210 Grad erhitzt, dann wird die Hasenform hineingepresst, erst für die Vorder-, dann für die Rückseite. Heute ist »HB407« der weltweit meistverkaufte Konditorei-Osterhase. Der Name des Künstlers ist vergessen. Neue Hasenformen werden von einem ehemaligen Phantombildzeichner entworfen.

Der Kühltunnel

Plusplan Investitionsgüter Mölln. Nach dem Gießen muss der Schokoladenhase abkühlen. Also in der Form ab in den Kühltunnel. Der ist eine Sonderanfertigung von Rainer Liermann, Bäckereitechniker und Inhaber von Plusplan. Er ist Spezialist für alles, was kalt ist, in Konditoreien: Klimagärzellen, Gärhalbautomaten, Schockfroster. Ein Trumm, 6,50 Meter lang, 40 Zentimeter breit. Der Kühltunnel ist ein querliegender Kühlschrank durch den die Osterhasen auf einem Förderband fahren. Zwanzig Minuten bei 15 bis 17 Grad, die Schokolade schrumpft, die Hasen lösen sich aus der Form. Bauen ließ Liermann den Kühltunnel in Italien, mit deutschem Aggregat und Steuerung von Siemens. Geliefert wurde in Einzelteilen, nur so passte der Kühltunnel durchs Fenster des alten Konditorenhauses.

Der Beutel

Maropack Andernach. Die Beutel sind dem Hasen auf den Leib geschnitten. „Da schlabbert nichts, der sitzt wie eine zweite Haut“, sagt Verkaufsleiter Markus Fuchs vom Beutelspezialisten. Hauptgeschäft sind Beutel für Glückwunschkarten, doch Schokolade verpackt Fuchs besonders gern – wegen der Muster für die Anprobe. Maropack beliefert auch belgische Pralinenhersteller, doch an den Praetsch-Osterhasen erinnert sich Fuchs sofort. Gefertigt werden die Beutel aus OPP-Folie (Orientiertes Polypropylen) von Treofan und zwar vollautomatisch auf einer Beutelmaschine von Lemo. Der Beutel ist glasklar, kratzfrei und knistert gut.

Das Etikett

Sato Hirschhorn. Keine Glocke, kein Band, nur ein unauffälliges Thermoetikett unter dem Boden mit Mindeshaltbarkeitsdatum, Zutaten und Hersteller. Yo Sato ist so etwas wie der Einstein der Preisetiketten. Auf jeden Fall erfand er das Handauszeichnungsgerät und den Thermotransfer-Labeldrucker. 2006 kaufte Sato die Etikettenfabrik in Hirschhorn. In 4700 Formen werden Etiketten gestanzt, auf sieben schon betagten Etikettenmaschinen von Arsoma und Gallus Flexo. Das Etikett direkt in der Backstube aus dem Sato-Thermodrucker. Der in Malaysia gebaut wird. Der Osterhase ist eine typische Anwendung für solche Thermodruck-Etiketten: Kleine Mengen, kurze Lebensdauer.

Die Schleife auf dem Goldclip

Sopp Industrie Wuppertal und Remscheid. Während die Textilindustrie rundum über die Wupper ging, spezialisierte sich Sopp auf Fertig-Schleifen. Im Werk in Kamienna Glora, das ist in Polen, werden die Polyester-Bänder gewebt, gefärbt, manchmal bedruckt. Jede Schleife wird mit der Hand gebunden, und mit einem dünnen Polysterfaden auf den Aluclip geschnürt. Hört sich kompliziert an, aber die zweiflügelige Osterhasen-Schleife gehört noch zu den einfachen Modellen im Sortiment. Sopp beliefert alle großen Schokoladen-Hersteller. Auch ohne Werbung sind drei von vier Schokoladen-Schleifen von Sopp.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...