Unternehmen „Lagerfeuer in der Küche“

Lencke Wischhusen, die neue Chefin des Verbands "Die jungen Unternehmer"

Lencke Wischhusen, die neue Chefin des Verbands "Die jungen Unternehmer"© Roland Schroeer

Interview Lencke Wischhusen, die neue Chefin des Verbands Die jungen Unternehmer, über Lehrjahre in der elterlichen Firma, Forderungen an die Politik und ihren Führungsstil.

Die Fenster des kleinen Hamburger Cafés Johanna sind wegen der Winterkälte beschlagen, Lencke Wischhusen wärmt ihre Hände am Teeglas. Ein weißer Spitzenkragen ist über ihren Blazer geklappt, Perlenohrringe und -kette – die hochgewachsene Blondine sieht so hanseatisch aus, wie ihr Bremer Akzent klingt. Das Klischee über Norddeutsche erfüllt sie dennoch nicht, dafür redet die 27-jährige Bundesvorsitzende der jungen Unternehmer einfach zu gern.

Frau Wischhusen, Sie wurden Ende November zur neuen Bundesvorsitzenden des Verbands Die jungen Unternehmer gewählt. Jetzt bekommen Sie viele Anfragen von der Presse – und müssen sich auch gegenüber alten Politikprofis behaupten. Wie gehen Sie damit um?

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Wenn ich authentisch bleibe und etwas Übung habe, kann ich da hineinwachsen. Eventuell genieße ich noch etwas Welpenschutz in den ersten Wochen. Und mit vernünftigen Positionen lassen sich auch die alten Herren überzeugen.

Sie sind Geschäftsführerin im Unternehmen Ihres Vaters, W-Pack Kunststoffe. Warum wollten Sie neben dieser Tätigkeit noch das Amt im Verband übernehmen?

Ich bin Kind des Verbands, seit sieben Jahren Mitglied. Für mich war es wichtig, mich über Unternehmertum und den Umgang mit Mitarbeitern auszutauschen. Gerade weil ich so früh ins Unternehmen gekommen bin, brauchte ich Leute, mit denen ich mich darüber unterhalten konnte, auf Augenhöhe. Die habe ich in unserem Verband gefunden. Im Laufe der Zeit bekam ich Lust, etwas zu bewegen.

Mit dem beginnenden Wahlkampf haben Sie Gelegenheit, sich zu positionieren. Welches ist Ihr Thema vor der Bundestagswahl 2013?

Mein Hauptthema ist Generationengerechtigkeit. Dazu gehört das Thema Rente, aber auch die Aspekte Ausbildung und Arbeit. Also, wie kommen wir zu einer besseren Bildung, wie kommen wir als Unternehmer zu guten Azubis, zu fachkundigen Arbeitskräften?

Was fordern Sie konkret?

Wir fordern, dass Generationengerechtigkeit im Grundgesetz verankert wird. Es kann und darf nicht sein, dass wir trotz Rekordsteuereinnahmen eine Staatsverschuldung von 2000 Mrd. Euro ­haben. Die Lasten der Vergangenheit lähmen die ­Flexibilität der jungen Generation und lassen uns keinen Handlungsspielraum. Wir fordern einen sofortigen Schuldenstopp. Auch die Sozialsysteme müssen zukunftsfest gestaltet werden. Wir brauchen mehr private Vorsorge, mehr Eigenverantwortung, weniger teure Versprechungen, die auf Kosten der jungen Generation gehen. Auch die Wahlgeschenke der Parteien sollten über das Denken in Wahlperioden hinausgehen.

Viele Unternehmer sind politisch eher zurückhaltend. Warum wollen Sie mitmischen?

Ich glaube, gerade wenn man jung ist, darf man auch seinen Mund aufmachen. Die Kunden unserer Firma nehmen es mir nicht übel. Ich weiß aber von vielen Unternehmerkollegen, dass sie Angst haben, Kunden zu verlieren, sobald sie sich politisch engagieren. Als Verband sind wir jedoch neutral, keiner Partei zugeordnet. Ich persönlich überlege bei jeder Wahl wieder neu, wen ich wähle.

Gibt es abseits der Politik Themen, die Sie in ihrer Amtszeit angehen wollen?

Ja, ganz generell das Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit. Die Älteren gelten ja gern als Patriarchen. Wir, die Jungen, gelten oft als die verwöhnten Nachfolger. Das ist ein Thema, an dem wir stark arbeiten müssen, weil das so nicht stimmt. Ein Unternehmen zu führen ist viel Arbeit. Vor allem trage ich nicht nur die Verantwortung für mich, sondern auch für meine 50 Mitarbeiter und ihre Familien.

Sie sind in eine Unternehmerfamilie hinein­geboren. Wann stand für Sie fest, dass Sie für die elterliche Firma arbeiten wollen?

Die Entscheidung war von Anfang an klar. Ich habe schon früh gesagt, ich werde wie mein Vater. Bei uns zu Hause gab es auch nur dieses Thema. Wenn andere über Sport oder Fernsehen diskutiert haben, haben wir über Unternehmertum und den Alltag im Betrieb gesprochen. Als ich mit 18 das Abi hatte, habe ich gesagt, ich lerne jetzt in unserem Unternehmen. Mein älterer Bruder hatte sich damals für eine andere Firma entschieden. Ich habe mir gedacht, wenn meinem Vater etwas passiert, ist wenigstens einer in der Familie da, der Ahnung hat.

Wie war Ihr Werdegang in der Firma?

Ich habe von Grund auf angefangen, war im Lager und habe Paletten geschoben. Dann habe ich viel Außendienst gemacht, Klinken putzen. Ich bin genauso rausgeschmissen worden wie meine Kollegen. Und ich bin trotzdem wieder reingegangen, auch wenn es hart war. Als Geschäftsführerin kümmere ich mich inzwischen um das Personal und betreue die Großkunden. Das sind alles Kunden, die ich mir selbst aufgebaut habe.

Sie sagen, Sie wollten werden wie Ihr Vater. Sind Sie auch als Chefin wie er?

Das Selbstverständnis als Unternehmerin habe ich sicher von ihm übernommen. Mein Führungsstil ist aber ganz anders. Bei ihm geht alles über seinen Tisch. Bei mir gibt es ganz viel lange Leine und ganz viel Kommunikation. Wir reden viel mehr miteinander, es wird viel mehr gefragt, mehr diskutiert und gemeinsam entschieden.

Würden Sie sagen, Sie sind exemplarisch für eine neue Unternehmergeneration?

Ja. Ich glaube, dass der Führungsstil der 60-plus-Generation nicht mehr zeitgemäß ist. Sie müssen den Leuten Kompetenzen zuweisen, dann ist auch der Motivationsfaktor ein anderer. Und ich rede viel mit meinen Mitarbeitern, auch privat. Wir sagen dann immer, wir machen Lagerfeuer in der Küche. Das ist mir sehr wichtig. Wir verbringen neun Stunden oder mehr im Büro zusammen, sehen uns viel mehr als die Familie. Da muss es auch nett sein.

Die Person
Lencke Wischhusen wurde am 6. September 1985 in Bremen geboren. Seit 2010 ist sie Geschäftsführerin von W-Pack Kunststoffe in Bremen. Am 24. November wurde Wischhusen zur Bundesvorsitzenden der jungen Unternehmer gewählt.
Das Unternehmen
W-Pack Kunststoffe ist ­eines von mehreren Unternehmen der Familie Wischhusen. Kerngeschäft ist der Handel mit Verpackungs­material.
Der Verband
Die jungen Unternehmer – BJU sind ein Verband für Unternehmer bis 40 Jahre, angegliedert an Die Fami­lienunternehmer – ASU. Die jungen Unternehmer haben 1500 Mitglieder.

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