Unternehmen Lebenshaltungskosten zehren geringes Lohnplus auf

Die Arbeitslosigkeit sinkt, doch der Aufschwung kommt noch nicht im Portemonnaie der Verbraucher an. Der Umsatz der Einzelhändler bricht im Vergleich zum Vormonat deutlich ein.

Trotz des kräftigen Aufschwungs haben die deutschen Einzelhändler im September preisbereinigt 2,3 Prozent weniger eingenommen als im Vormonat. Es sei bereits der zweite Rückgang in Folge und zugleich der stärkste in diesem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Volkswirt Carsten Brzeski von der ING sieht die Zahlen als Beleg für einen Gesamttrend: „Die Verbraucher haben sich eine lange Sommerpause genommen. Sie sind noch nicht in die Rolle des Konjunkturmotors geschlüpft.“ Einen Grund liefert die Einkommensstatistik des Bundesamtes: Die Löhne sind im Sommer so schwach gestiegen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

Anzeige

Verglichen mit September 2009 stieg der preisbereinigte Umsatz im Einzelhandel nach Angaben des statistischen Bundesamtes um 0,4 Prozent. Er lag damit den fünften Monat in Folge über dem Vorjahreswert. Während der Textilhandel (plus 5,3) und die Waren- und Kaufhäuser (plus 4,7) kräftig zulegten, schrumpfte der Lebensmittelhandel um 3,5 Prozent.

Der Einzelhandelsverband HDE erwartet in diesem Jahr dennoch ein Plus von 1,5 Prozent. Von Januar bis September lagen die Einnahmen mit plus 2,1 Prozent deutlich über dieser Marke. Die Chancen für gute Geschäfte am Jahresende stehen nicht schlecht: Die Arbeitslosigkeit sank im Oktober unbereinigt von saisonalen Faktoren erstmals seit zwei Jahren unter drei Millionen. Die GfK-Forscher ermittelten für Oktober und November den höchsten Wert ihres Konsumklima-Barometers seit Mai 2008.

Aufschwung noch nicht beim Konsumenten angekommen

Zwar haben zahlreiche Unternehmen angekündigt, ihre Löhne zu erhöhen. Doch noch merkt der Verbraucher nicht viel davon: Die tariflich vereinbarten Monatsverdienste lagen im Juli nur um 1,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. So gering war der Zuwachs zuletzt im Januar 2007 ausgefallen, teilte das Statistische Bundesamt mit. „Ein Grund dafür ist, dass die meisten der berücksichtigten Tariferhöhungen noch unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise vereinbart wurden“, schrieben die Statistiker. „Bei vielen Tarifverhandlungen stand die Beschäftigungssicherung und nicht die Tarifsteigerung im Vordergrund.“

Die höheren Löhne und Gehälter wurden fast vollständig von steigenden Lebenshaltungskosten aufgezehrt. Die Inflationsrate lag im Juli bei 1,2 Prozent. Die Reallöhne legten damit lediglich um 0,1 Prozent zu.

Die stärksten Tariferhöhungen erhielten die Beschäftigten im Handel

Die stärksten Tariferhöhungen erhielten die Beschäftigten im Handel mit 2,1 Prozent. Es folgten Verkehr und Lagerei sowie Information und Kommunikation mit jeweils 2,0 Prozent, vor den Beschäftigten des Baugewerbes mit 1,9 Prozent. Am geringsten fielen die Tariferhöhungen mit 0,5 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe, das maßgeblich von der Metallindustrie und der Chemischen Industrie bestimmt wird. „Gerade in diesen Branchen stand vor allem die Beschäftigungssicherung im Vordergrund“, schrieben die Statistiker.

Vom kräftigen Aufschwung der Industrie dürften aber künftig auch die Mitarbeiter profitieren. Die Stahlbranche einigte sich Ende September auf ein Lohnplus von 3,6 Prozent. Der Autozulieferer Bosch will Lohnerhöhungen vorziehen.

Ulrike Kastens, Volkswirtin bei der Sal. Oppenheim, ist optimistisch: „Trotz des schwachen Septembers dürfte der Einzelhandelsumsatz im dritten Quartal etwas über dem Vorquartal liegen“, sagt sie, „es wird zwar keinen Konsumboom geben, aber die Verbraucher werden die Konjunktur stützen.“ Auch Volkswirt Solveen sieht die Aussichten positiv: „Der große Boom beim privaten Verbrauch ist bislang ausgeblieben. Nächstes Jahr dürfte es aber wegen der steigenden Beschäftigung und höherer Löhne besser aussehen.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...