Unternehmen Leuchtenhersteller Jürgen Hess: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“

Der Standort des Leuchtenherstellers Hess in Villingen-Schwenningen

Der Standort des Leuchtenherstellers Hess in Villingen-Schwenningen© Hess AG

Im Oktober 2012 ging der Leuchtenhersteller Hess an die Börse, kurze Zeit später wurden Betrugsvorwürfe laut. Die Firma musste Insolvenz anmelden. Erstmals spricht ein Familienmitglied über den Bilanzskandal - und übt Kritik am Insolvenzverwalter.

Im Verfahren um den Bilanzskandal des mittelständischen Leuchtenherstellers Hess hat sich erstmals ein Mitglied der Unternehmerfamilie zu Wort gemeldet. „Ich habe mir persönlich nichts vorzuwerfen“, sagte Jürgen Hess, 68, impulse. Hess beklagt, dass ihm die Einsicht in wichtige Akten verweigert werde. „Ich weiß nicht, was mir konkret vorgeworfen wird“, sagte er. Gegen seinen Sohn Christoph und den ehemaligen Finanzvorstand Peter Ziegler ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim unter anderem wegen Bilanzmanipulation und des Vorwurfs der Untreue. Beide Manager waren im Zuge der Ermittlungen kurzzeitig festgenommen worden.

Jürgen Hess

Jürgen Hess, ©Michael Kienzler© Michael Kienzler

Jürgen Hess war über lange Jahre Chef des Leuchtenherstellers mit zuletzt 330 Mitarbeitern. Er hatte die kleine Gießerei seines Vaters zum Markenunternehmen für Leuchten und Lichtkonzepte ausgebaut. Seit 2007 führte sein Sohn Christoph das Unternehmen aus Villingen als Vorstandschef, Hess Senior wechselte in den Aufsichtsrat. Vor rund einem Jahr hatte Christoph Hess das Unternehmen an die Börse gebracht und auf diese Weise 36 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld sollte für das weitere Wachstum der Firma verwendet werden und den Umstieg auf die moderne LED-Technik. Schon wenige Monate später, im Januar 2013, wurden Betrugsvorwürfe laut, schließlich wurde die Firma insolvent.

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Jürgen Hess kritisierte im Gespräch mit impulse die mangelnde „Waffengleichheit“ im Insolvenzrecht: „Der Insolvenzverwalter ist in Deutschland Polizei, Ankläger und Richter in einer Person.“ Hess streitet mit Insolvenzverwalter Volker Grub auch um seine Betriebspension in Höhe von zwei Millionen Euro. Der Insolvenzverwalter hat die Pensionszusage widerrufen.

„Der angebliche Betrugsskandal mit Scheinrechnungen und Schattenfirmen ist vor allem die Geschichte eines vollkommen missglückten Börsengangs“, sagte Hess. Vor einem solchen Schritt könne er heute jeden Familienunternehmer nur warnen. „Es war zu viel auf einmal“ – der Technologiewechsel, immer mehr Mitarbeiter, die Expansion ins Ausland. „Wir haben uns zu viel zugemutet.“ Im Oktober kaufte das Unternehmen Nordeon den Geschäftsbetrieb und führt ihn unter dem angestammten Namen fort.

 

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