Unternehmen Keine Entwarnung für Europas Automarkt

Autos auf dem Parkplatz eines Händlers.

Autos auf dem Parkplatz eines Händlers.© Kzenon / Fotolia

Erstmals seit September 2011 sind im April in Europa in einem Monat wieder mehr Autos verkauft worden. Das aber liegt vor allem an zwei zusätzlichen Arbeitstagen. Die Lage bleibt schwierig. Autobauer wie VW wachsen vor allem in China und den USA.

 

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Erholung ja, Entwarnung nein: Nach dem heftigen Absturz zum Jahresstart ist im April die rasende Talfahrt auf Europas Automärkten zwar vorerst gestoppt. Die Absatzkrise ist trotz des Lichtblicks aber noch lange nicht ausgestanden.

Im April wurden zum ersten Mal in einem Monat seit 19 Monaten wieder mehr Pkw neu zugelassen als ein Jahr zuvor, wie der europäische Branchenverband Acea am Freitag mitteilte. Doch das Plus von 1,7 Prozent auf 1,04 Millionen Autos in der Europäischen Union taugt nur bedingt als Hoffnungsträger: Denn der April hatte wegen des frühen Osterfests zwei Verkaufstage mehr als 2012 – der umgekehrte Effekt hatte im März noch für zweistellige Absatzrückgänge gesorgt.

Ein Blick auf die ersten vier Monate ist deswegen aussagekräftiger – und da ist von einer großen Trendwende nicht viel zu sehen. Von Januar bis April lag der Absatz gut 7 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das ist kaum besser als im Gesamtjahr 2012, als der Absatz gut 8 Prozent hinter dem des Vorjahres blieb.

Boden im Abwärtstrend in Europa langsam erreicht?

Und so gibt auch Europas größter Autobauer Volkswagen längst keine Entwarnung für den Heimatkontinent. Im Gegenteil: „Vor allem die Wirtschaftskrise in Europa nimmt verstärkt Einfluss auf die Automobilbranche“, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler in Wolfsburg. Zwar setzte der Konzern im April in der EU fast 10 Prozent mehr Autos ab. Nach dem vergleichsweise schwachen Jahresstart liegen die Wolfsburger aber noch mehr als 3 Prozent unter den Werten von 2012.

Auch Daimlers April-Plus von fast 11 Prozent relativiert sich beim Blick auf die ersten vier Monate auf knapp 3 Prozent. Die Stuttgarter profitieren vor allem von ihren neuen Kompaktmodellen wie der A- und B-Klasse, die sich dieses Jahr bislang über 50 Prozent besser verkauften als die Vorgängermodelle Anfang 2012.

Immerhin könnte der vergangene Monat ein erster Fingerzeig sein, dass beim Abwärtstrend in Europa langsam der Boden erreicht wird. Dabei spielt auch ein statistischer Effekt eine Rolle: 2012 brachen die Absatzzahlen im Lauf des Jahres immer stärker ein – entsprechend geringer wird die Fallhöhe für einen weiteren Rückgang in den nächsten Monaten. Doch Equinet-Analyst Tim Schuldt bleibt vorsichtig: Zwar könne der April ein erster Schritt hin zur Erholung sein, schreibt er. Aber nach nur einem Monat sei es viel zu früh, um sich sicher zu sein.

China-Anteil bei VW steigt auf ein Drittel

Aber selbst wenn in Europa ein Ende der Talfahrt in Sicht kommen sollte, ist dies keine Garantie für eine nachhaltige Wende oder gar eine Rückkehr in Richtung der Rekordwerte von 2007. Der Druck auf die Hersteller und die Auslastung ihrer Werke dürfte nicht nur aus Sicht von VW noch lange anhalten. BMW-Chef Norbert Reithofer glaubt, dass die Probleme in Europa die Branche noch fünf Jahre beschäftigen werden.

Außerhalb Europas brummt das Geschäft aber weiterhin – das rettet auch den deutschen Herstellern Monat für Monat die Statistik. In China legte der Auto-Absatz im April laut dem Branchenverband CAAM um 13 Prozent auf 1,44 Millionen Stück zu – seit Jahresbeginn sind es 5,86 Millionen Autos. In den USA rechnen manche Manager mit dem besten Jahr seit der Rezession. Im April stieg der Absatz um knapp 9 Prozent auf 1,29 Millionen Autos, im Jahresverlauf waren es fast 5 Millionen Stück.

Bei Europas Branchenprimus VW wird der Anteil des China-Geschäfts immer wichtiger. Die wichtige Stütze im Reich der Mitte, mit Abstand Volkswagens bedeutendster Einzelmarkt, brachte in den ersten vier Monaten 1,02 der insgesamt 3,05 Millionen ausgelieferten Fahrzeuge – 33,4 Prozent. Vor einem Jahr hatte das Verhältnis noch keine 30 Prozent betragen.

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