Unternehmen Loewe-Chef: „Der Kern in Kronach muss bleiben“

Fernseh-Fertigung bei Loewe

Fernseh-Fertigung bei Loewe© Loewe AG

Der Fernsehgeräte-Hersteller Loewe kämpft ums Überleben. Bis Mitte Oktober muss ein Investor gefunden werden, sonst droht die Insolvenz. Auf der Elektronikmesse IFA sprach Loewe-Chef Matthias Harsch über die veränderte Strategie und die Folgen für Arbeitsplätze in Deutschland.

Herr Harsch, Sie beschwören die Premium-Strategie, aber bieten demnächst Loewe-Geräte zum Teil auch deutlich günstiger an als früher. Wie passt das zusammen?

Matthias Harsch: Wir bewegen uns in zwei Richtungen: Nach oben ins das richtige Luxus-Segment und zugleich einen Schritt tiefer in den Premium-Einsteiger-Markt. Zum Beispiel kommt jetzt ein Gerät mit 32 Zoll Diagonale für rund 800 Euro. Über Technologie allein kann man sich nicht mehr positionieren. Es geht darum, das gesamte Entertainment-Erlebnis neu zu gestalten. Und wer nicht im Premium-Einsteigersegment dabei ist, verschwindet irgendwann, weil er keine neuen Zielkunden bekommt.

Anzeige

Sie begeben sich damit aber in ein Preissegment, in dem Rivalen wie Samsung oder LG mit ihrer Massenproduktion unglaublich stark sind. Wie wollen Sie die Kunden dazu bringen, mehr Geld für einen Loewe-Fernseher zu zahlen?

Wir glauben, dass wir durch das Design und die Marke 10 oder 20 Prozent mehr als die Wettbewerber verlangen können. Wir kriegen in diesem Geschäft keine 50 Prozent. Wir unterscheiden uns aber zum Beispiel bei der Bedienung. Wir haben die Chance, dass wir uns aus dieser Kampfarena mit ihrem gnadenlosen Wettbewerb ein Stück heraushalten können. Der relevante Markt für uns sind ja nur zehn Prozent vom gesamten Geschäft. Das Segment reicht uns weltweit allemal, das wollen wir gar nicht haben.

Wie wird sich das Loewe-Geschäft auf die einzelnen Segmente verteilen?

Das Premium-Einsteigersegment ist ein Volumengeschäft mit niedrigeren Margen. Hier macht man vielleicht 50 Prozent des Volumens, aber nur 30 Prozent der Erlöse. Und das gehobene Luxus-Geschäft käme dann nach Stückzahlen eventuell auf 20 Prozent. Wir stellen aber zum Beispiel in China ein hohes Interesse an Luxury-High-End-Geräten fest.

Ist also eine schnelle internationale Expansion entscheidend?

Wir führen viele Gespräche mit potenziellen Investoren und bekommen dabei völlig unterschiedliche Ansichten zu hören. Die einen sagen, so schnell wie möglich und mit hohen Investitionen. Andere meinen, nein, wie müssen erst konsolidieren. Es letztlich eine Frage, wie viel Geld die potenziellen Investoren bereit sind zu investieren. Unsere Strategie ist klar, jetzt geht es darum, dass jemand dafür den Geldbeutel öffnet.

Und was passiert, wenn sich doch kein Investor findet?

Wir haben die Firma so vorbereitet, dass sie von der Marke und von der Struktur jetzt ein interessantes Investitionsobjekt ist. Mehr kann man nicht machen. Natürlich gibt es ein Worst-Case-Szenario, bei dem wir sagen müssten, dann war’s das halt. Aber wir führen derzeit viele Gespräche mit Investoren, die Loewe weiterentwickeln wollen. Jemanden, der nur die Marke kauft, hätte ich morgen präsentieren können. Es geht uns darum, den richtigen Investor zu finden. Und ich bin überzeugt, dass dies uns gelingt.

War es ein Fehler von Loewe, so lange nur auf teure Geräte zu setzen? Kann man überhaupt genug Käufer finden, um davon zu leben?

Die Strategie kann funktionieren, wenn man die ganze Welt erreichen kann. Nur, wir sind gerade auf Zentraleuropa konzentriert. Aber selbst dann würde ich bezweifeln, ob das High-End-Geschäft allein für Investitionen in neue Plattformen ausreicht. Das Fernsehergeschäft ist eben auch ein Volumengeschäft.

Was bedeuten die günstigeren Geräte für die Arbeitsplätze in Deutschland?

Wir werden niemals in Asien Produkte für Europa fertigen, das funktioniert aus Logistik- und Kostengesichtspunkten überhaupt nicht. Derzeit produzieren wir und unsere Wettbewerber hauptsächlich in Osteuropa Volumenprodukte. In Kronach erhalten wir die Fertigung für die High-End-Geräte. Unsere Kunden wollen in diesem Segment auch in China oder Russland „Made in Germany“. Aber im Einstiegssegment ist bei 1000-1500 Euro pro Gerät Schluss. Mich würde es freuen, wenn wir alles in Kronach produzieren könnten – der Wettbewerb und die Arbeitskosten lassen das nur nicht zu. Aber der Kern in Kronach muss bleiben.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...