Unternehmen Los, Baby, brutzel!

Aus Buchenholz macht Profagus Grillkohle. Beim Kokeln fällt Abfall an, der sich lukrativ weiterverarbeiten lässt: zu Tablettengrundstoff, Schokoladenfarbe oder Wasserpfeifenbrennstoff.

Grillkohle

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Profagus Bodenfelde. Das lateinische Fagus heißt Buche. Der letzte deutsche Grillkohleproduzent macht in einem alten Degussa-Kohlewerk jährlich 100.000 Tonnen Buchenholz zu Grillkohle. Rauch, der dabei entsteht, wird verflüssigt, an Broste in Lyngby, Dänemark, verkauft. Die Firma macht ­daraus Farbe für Schokolade, Rum, Würstchen. Andere Reste werden zu Essigsäure, die Merck kauft und zum Tablettengrundstoff Celluloseacetat verarbeitet. Gase, die übrig bleiben, nutzt Profagus selbst zum Weiterkokeln, braucht deshalb keine Fremdenergie. Three Kings in ­Amsterdam bekommt gepressten Kohlenstaub, verkauft ihn an Wasserpfeifenraucher und an den Vatikan: Dessen Personal zündet damit Weihrauch an.

Buchenholz

Pollmeier Massivholz Creuzburg. Gibt es seit 13 Jahren. Schon Marktführer. Der Familien­betrieb macht Buchenholzplatten für die Möbelindustrie. Die Buchen kauft Pollmeier in ganz Deutschland, vor allem in Hessen und Thüringen, ein. Der Schleifstaub wird für Profagus zu Briketts gepresst. Baumkronen und -wurzeln kommen ­direkt aus dem Wald in die Grillkohlefabrik.

Köhlerei

Degussa Bodenfelde. Die Anlage, 110 Jahre alt, ist ein Degussa-Eigenbau, die letzte mit Reichert-Spülgasverfahren. Sie hat sieben Retorten, Metallbehälter mit je 100 Kubikmetern Inhalt, in die Holz von oben mit Förderbändern gefüllt wird. Das System muss luftleer sein, Sauerstoff würde alles zusammenbrechen lassen. Bei jedem Kokelvorgang entsteht Holzgas, es wird für den nächsten aufgehoben. Temperatur: 500 Grad Celsius. Aus drei Tonnen Buche werden eine Tonne Grillkohle und zwei Tonnen wertvolle Reste. Deshalb läuft die Anlage noch, obwohl einfache Kohlenmeiler in Südamerika Grillkohle viel billiger herstellen ­können. Aber deren Abfall ist wirklich Abfall.

Brenner

Körting Hannover. Familienunternehmen in fünfter Generation. Der Körting-Brenner erhitzt die Retorten voll Holz auf 500 Grad. Weil kein Sauerstoff dabei ist, verkohlt alles, verbrennt nichts. Zurück bleibt Grillkohle ohne Sauerstoff. Weshalb die Kohle auf dem Grill nur glüht, aber nicht brennt.

Gase

Profagus Bodenfelde. Beim Kokeln entsteht viel Holzgas. Das wird gesammelt und beim nächsten Kokeln doppelt gebraucht. Ein Teil bleibt in dem luftleeren System, wird mit Ventilatoren durch die Retorten gepustet. Weil es mit dem anderen Teil, der aus dem System geholt wurde, erhitzt wird, macht es Holz zu Kohle.

Siebanlage

Haver & Boecker Oelde. 1887 gegründet. Produziert Sortieran­lagen in Westfalen, Belgien, Bra­silien, Kanada und den USA. Hat 2200 Mitarbeiter weltweit. Die Anlage erledigt die Vorsortierung und presst nebenbei den Staub zu Kohletabletten für Three Kings.

Taumelsieb

Allgaier Uhingen. Die Schwaben produzierten früher Traktoren. Erfolgreicher war das Dresch­wunder, ein Taumelsieb, das sich zart wie ein Hula-Hoop-Reifen ­bewegt und Weizen von Stroh trennt. Oder – integriert in der ­Haver & Boecker-Anlage – grobe und feine Kohle.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 08/2011.

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