Unternehmen Ludwig Georg Braun fordert Neuaufstellung der Liberalen

Nun wenden sich selbst die Unternehmer von der FDP ab. Der Vorstandschef der B. Braun Melsungen AG und Ehrenpräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ist von den Liberalen enttäuscht - und drängt auf Reformen.

Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz drängt Ludwig Georg Braun die FDP zu einem Neuanfang. Der Vorstandschef der B. Braun Melsungen AG und Ehrenpräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) äußerte sich im Interview mit impulse über die Partei, für die er sich seit Jahrzehnten stark macht. „Viele Themen sind abgenutzt und verschlissen, weil die Verspre¬chen nie umgesetzt worden sind.

Auch deshalb braucht es eine Neuaufstellung des Liberalismus.“ FDP-Mitglied Braun fordert von seiner Partei nun einen Neuanfang. „Was würde ein Unternehmer tun? Er erfindet sich neu, bleibt aber seinen Prinzipien, seiner Kernmarke treu.“ Da müsse jetzt mehr kommen als ein Zurück auf die alten Gleise. Die FDP muss sich den ganz großen Fragen stellen wie etwa der demographischen Entwicklung. „Die FDP muss die Partei der Jugend werden“, sagte Braun gegenüber impulse. Keiner dürfe verloren gehen. Braun sitzt in der FDP-Grundsatzkommission, die bis zum Bundesparteitag 2012 den Liberalismus in die Moderne führen soll.

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Rund anderthalb Jahre nach dem Rekordergebnis für die FDP bei der Bundestagswahl verliert die Partei auch bei ihren Stammwählern im Mittelstand immer mehr an Rückhalt. Gerade mittelständische Unternehmen hatten große Hoffnungen auf die Liberalen gesetzt. „Der Einfluss der kleineren Unternehmen auf die Politik ist in der Praxis sehr beschränkt. Die Konzerne mit ihren Lobby-Abteilungen haben da eine ganz andere Stimme“, sagte Sabine Herold, Chefin des Klebstoffherstellers Delo und Mitglied im BDI-Präsidium. „Als dann die FDP mit diesem Wahlergebnis ans Ruder kam, hofften wir alle auf Besserung. Der Mittelstand sollte eine starke Stimme bekommen.“

Viele Unternehmer, die sich noch im Wahlkampf für die FDP einsetzten, halten heute die Distanz. Regine Sixt vom gleichnamigen Autovermieter gab vor der Bundestagswahl ihren guten Namen für die Partei. „Ich unterstütze Guido Westerwelle, weil er einen klaren Kompass hat“, gab sie damals zu Protokoll. Auch andere erlaubten den Liberalen mit ihrem Namen und ihrem Konterfei auf Stimmenfang zu gehen. „Für mich steht Guido Westerwelle für ein Deutschland, das modern, wirtschaftlich vernünftig, kulturell vielfältig und sensibel für die Bedürfnisse der Menschen ist“, rief Giovanna Stefanel-Stoffel aus.

Die prominente Berliner Bauunternehmerin will heute lieber nicht mehr mit der FDP in Verbindung gebracht werden. „Viele Unternehmer geben nach Jahrzehnten der Treue gerade ihre politische Heimat auf“, sagt der Politikprofessor und FDP-Experte Jürgen Dittberner von der Universität Potsdam. „Diesmal droht im Milieu der Unternehmer und Selbstständigen mehr als eine kurze Abkühlung im Verhältnis zur Partei, wie sie es immer wieder mal gab.“

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