Unternehmen Machtkampf im Fleischkonzern Tönnies tobt weiter

Beim größten deutschen Schlachtbetrieb Tönnies tobt ein handfester Familienstreit um die Macht im Unternehmen. Am Freitag trafen sich Firmenchef Clemens Tönnies und sein Neffe Robert deswegen vor Gericht. Doch schon nach wenigen Minuten war klar: eine gütliche Einigung wird es nicht geben.

Kein Gruß, kein Blick, kein Handschlag. Vor Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Bielefeld versuchen sich Onkel und Neffe zu ignorieren. Clemens Tönnies (57) und Robert Tönnies (35) trennen in diesem Augenblick nicht nur sechs Meter Luftlinie sondern offensichtlich Welten. Immerhin geht es um die Macht in einem Konzern mit 8000 Beschäftigten und fünf Milliarden Euro Jahresumsatz. 16 Millionen Schweine werden jedes Jahr bei Tönnies geschlachtet und für den Endkunden zerlegt und abgepackt.

Robert Tönnies klagt gegen das doppelte Stimmrecht seines Onkels, der auch Aufsichtsratschef bei Schalke 04 ist. Obwohl beide 50 Prozent der Anteile halten, hat Clemens Tönnies das Sagen. Wurde diese Regelung zur Jahreswende 2002/2003 nur zum Schein vereinbart? Um Banken zu beruhigen, die dem Konzern Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe genehmigt hatten und die stabile Führungsstrukturen forderten? Oder wollte Clemens Tönnies, der damals nur 40 Prozent der Anteile hielt, einfach mehr Sicherheit? Fragen, die nun wohl vor Gericht geklärt werden müssen.

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Die Ausgangslage: 1971 gründet Bernd Tönnies das Unternehmen, wohl auch mit seinem Bruder Clemens Tönnies (57) – auch dies ist umstritten. Als Bernd 1994 stirbt, halten seine Söhne Clemens junior und Robert je 30 Prozent, Clemens Tönnies senior 40 Prozent der Anteile. Später übertrugen die Brüder je 5 Prozent auf den Geschäftsführer Clemens Tönnies senior.

Kompliziertes Konstrukt

Konkret geht es in diesem Verfahren um drei Verträge, die um die Jahreswende 2002 oder 2003 geschlossen wurden. Darin wurde ein Doppelstimmrecht für Clemens Tönnies senior festgelegt. Der 35-jährige Robert Tönnies behauptet, das Doppelstimmrecht sei nur zum Schein vereinbart worden. Nach Auskunft des damaligen Notars sei die Regelung auf Wunsch kreditgebender Banken pro forma eingeführt worden und durch eine Umstrukturierung des Konzerns ohnehin schon hinfällig. Clemens Tönnies senior sagt, er habe damals das Doppelstimmrecht angestrebt, damit die Banken und er selbst Planungssicherheit haben. Allen sei klar gewesen, dass dies keinesfalls pro forma oder vorübergehend geschehen sei.

Verkompliziert wird das Verfahren dadurch, dass mit den Verträgen die Struktur des Konzerns verändert wurde und dabei Fehler passierten. So wurden die Anteile zunächst in einer Holding konzentriert. Das doppelte Stimmrecht wurde aber danach nicht wie vorgesehen für Entscheidungen der Holding, sondern der Fleischwerke festgeschrieben.

Es ist nicht der einzige Streit in der Familie. 2008 übertrugen Robert und sein Bruder ihren Onkel je fünf Prozent der Anteile, seitdem gibt es das Patt der Teilhaber. Im Mai 2009 will Robert erfahren haben, dass sein Onkel den größten Wurstproduzenten Deutschlands zur Mühlen („Böklunder“, „Könecke“, „Redlefsen“, „Schulte“ und „Plumrose“) übernommen hat, allerdings auf eigene Rechnung.

Robert Tönnies will Verfahren bis zum Ende durchfechten

Dieses Geschäft und Beteiligungen von Clemens Tönnies an Fleischbetrieben in Russland könnten eine Konkurrenz zur Tönnies-Gruppe sein, sagt Robert und nennt das groben Undank. Er fordert seinen 5-Prozent-Anteil zurück. Hier gibt es noch keinen Prozesstermin.

Letztlich fühlt sich Robert Tönnies, der seit Ende 2011 nicht mehr im Unternehmen arbeitet, nicht nur von seinem Onkel schlecht behandelt. Sein Vater Bernd hatte für seine Söhne einen Steuerberater als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Der war das bis Mai 2008. Auch gegen diesen klagt Robert und fordert in zwei Verfahren Schadenersatz, jeweils in zweistelliger Millionenhöhe.

„Ich brauche das nicht“, sagt Robert nach der Verhandlung. Dennoch scheint er entschlossen zu sein, alle Verfahren bis zum Ende durchzufechten. Denn egal wie das Bielefelder Gericht entscheidet, eine Fortsetzung vor dem Oberlandesgericht scheint sicher. Clemens Tönnies will sich sein Lebenswerk nicht so einfach aus der Hand nehmen lassen.

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