Unternehmen „Made in“-Siegel soll Pflicht werden

Auf vielen Produkten steht es schon: das Herkunftsland. Verpflichtend sind solche Angaben aber nicht. Das will die EU-Kommission ändern. Das Ziel: ein besserer Verbraucherschutz. Familienunternehmer kritisieren die Pläne scharf.

Europas Verbraucher sollen künftig auf jedem Produkt den Namen des Herkunftslandes finden. Waren vom T-Shirt bis zum Föhn hätten dann zwingend eine „Made in“-Kennzeichnung – bisher sind solche Angaben freiwillig. Dies hat die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgeschlagen. „Mit den neuen Regeln können gefährliche Verbrauchsgüter bis zur Quelle zurückverfolgt werden“, sagte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg. Für Lebensmittel gelten die Vorschläge nicht. Sie sollen aber sonstige Importe und einheimische Waren abdecken.

Derzeit muss die Herkunft nur in den Importpapieren stehen. Auf dem Produkt selbst sind die Herkunftsangaben freiwillig. Die Nennung des Landes und des Herstellers – mit Namen und Adresse – soll nun zur Pflicht werden, und zwar vom Pulli bis zur Waschmaschine. Dabei hat ein Unternehmen, das in der EU produziert, die Wahl zwischen zwei Labels: Wer in Malta produziert, darf auf sein Produkt „Made in Malta“ oder „Made in Europe“ drucken. Für Waren, die an mehreren Orten entstehen, soll nur ein Land aufs Etikett.

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„Wenn ein Hemd in den USA hergestellt wird und die Knöpfe werden in Paris angenäht, dann muss es heißen: „Made in the United States of America“, sagt EU-Industriekommissar Antonio Tajani. Der Produzent müsste jenen Ort angeben, wo das Produkt seine eigentliche Form erhält, also etwa wo ein Hemd genäht oder ein Toaster zusammengebaut werde. Wenn auf dem Produkt selbst kein Platz ist für das Herkunftsland, so soll es nach den Vorstellungen der EU-Kommission auf der Packung oder einem Begleitpapier stehen.

Mit den anvisierten Regeln will die EU-Kommission für mehr Sicherheit sorgen. „Heute ist das Herkunftsland für etwa zehn Prozent der unsicheren Produkte auf dem EU-Markt nicht bekannt“, sagte Borg. Auch Name und Anschrift des Herstellers sollen demnach auf der Ware vermerkt sein, erklärte er. Ob die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen durchsetzen kann, ist noch offen. Sie braucht die Zustimmung des Europaparlaments und der EU-Staaten.

Der Verband der Familienunternehmer (ASU) kritisierte die Pläne der EU-Kommission scharf. „Den Standort der Endfertigung als Herkunftsort verpflichtend anzugeben, wird der globalisierten Wirtschaft überhaupt nicht gerecht“, sagte der Präsident des Verbands, Lutz Goebel am Donnerstag. „Wenn die wesentliche schöpferische Leistung in Deutschland stattgefunden hat, muss auch weiterhin „Made in Germany“ als Siegel verwendet werden dürfen.“ Das nütze auch den Staaten, in denen die Endproduktion stattfinde, denn: „Sie profitieren von unserer Marke“, sagte Goebel. Entscheidend müsse der werthaltige Inhalt eines Produktes sein.

Die Bundesregierung forderte er zum Handeln auf: „Unsere Familienunternehmen in Deutschland erwarten von der Bundesregierung, dass sie unser bewährtes Qualitätssiegel schützt.“

Laut einer Umfrage der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“, an der sich im vergangenen Jahr 525 Mitglieder beteiligten hatten, halten fünf von sechs der Befragten das Label „Made in Germany“ für wichtig. 54 Prozent befürchten höhere Bürokratiekosten, wenn sie die Warenanteile Ihrer Produkte nachweisen müssen.

Neben neuen Regeln für die Herkunft will die EU-Kommission die Vorgaben für die Produktsicherheit ganz allgemein überarbeiten. So sollen Waren, die immer wieder mit Mängeln auffallen, dauerhaft vom Markt verbannt werden. Das würde etwa für Feuerzeuge in Form eines Spielzeugs gelten. EU-Kommissar Borg sagte: „Wenn ein Zigarettenanzünder für Kinder gefährlich ist, mussten wir ihn bisher jedes Jahr neu verbieten. Jetzt, nach dem neuen Text, können wir gefährliche Produkte ein für alle mal verbieten.“

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