Unternehmen Wirtschaftsstandort: Malaysia auf dem Weg in die 1. Liga

Malaysia will als Wirtschaftsstandort in Asien ganz oben mitmischen. Nicht als verlängerte Werkbank, sondern als Tor zu dem riesigen Verbrauchermarkt in Südostasien. Am 5. Mai wird gewählt. Ob mit oder ohne Regierungswechsel – das Land ist auf bestem Weg, sagen Experten.

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Die asiatischen Glitzermetropolen Singapur und Hongkong bekommen Konkurrenz: im Süden Malaysias entsteht Iskandar, eine Retortenstadt mit modernster Infrastruktur und gehobener Lebensqualität, der bis 2025 drei Millionen Einwohner anziehen will. Die Regierung buttert Milliarden in das Projekt: Bürohochhäuser, Produktionsanlagen, Schulen, Krankenhäuser. Das Gelände, dreimal so groß wie Singapur, lockt mit Steuergeschenken. „Und mit niedrigeren Löhnen als in Singapur und Hongkong“, wie die Unternehmensberatung Price Waterhouse Cooper (PWC) lobt. 2012 stiegen die Investitionen dort um 23 Prozent – damit erreichten sie seit 2006 insgesamt 106 Milliarden Ringgit (27 Mrd Euro).

Das mehrheitlich islamische Land strebt nach ganz oben: Bis 2020 will Malaysia in die Weltbank-Gruppe der Länder mit dem höchsten Einkommen vorstoßen. Die Expertenprognosen sind gut. Die Regierung wirbt Investoren an, die von Malaysia aus den gigantischen Markt der Südostasiatische Staatengemeinschaft (Asean) bedienen sollen: „Malaysia ist ein ideales Tor nach Südostasien mit einem Markt mit 600 Millionen Verbrauchern“, schwärmt PWC. Ende 2015 fallen die Zölle, dann haben die zehn Asean-Länder einen gemeinsamen Markt.

Wirtschaftsfreundliche Regierung

„Malaysia hat als entwickelter Industriestandort verglichen mit anderen Standorten in Asien die Nase vorn“, sagt Alexander Stedtfeld, Hauptgeschäftsführer der malaysisch-deutschen Handelskammer. „Man findet leicht Partner für Joint Venture und Zulieferer, die Regierung ist wirtschaftsfreundlich, die Löhne steigen weniger rasant als in China und Vietnam und die Leute sprechen Englisch.“

Früher exportierte die einstige britische Kolonie mit 29 Millionen Einwohnern vor allem Gummi, Öl und Palmöl. „Malaysia ist innerhalb einer Generation ein Land mittleren Einkommens geworden“, schreibt die Unternehmensberatung Ernst & Young. „Es hat globale Finanzkrisen gemeistert und ist eine weltweit konkurrenzfähige Volkswirtschaft geworden.“ Fast ein Drittel der Einwohner ist jünger als 14 Jahre. Am 5. Mai wird ein neues Parlament gewählt.

Elektronische Güter haben Palmöl und Flüssiggas mittlerweile als Exportschlager überholt. Die Regierung sieht neben Gas und Öl unter anderem Finanzdienstleistungen, Gesundheitspflege und Informationstechnik als künftige Kernsektoren der Wirtschaft. „Malaysia investiert seit Jahren in Bildung und Ausbildung“, sagt Stedtfeld. „Es ist nicht mehr die verlängerte Werkbank, sondern Unternehmen verlagern auch ihre Entwicklung hierher.“ Damit wollen viele näher am künftigen Kunden sein: die Firmen setzen immer stärker auf asiatische Verbraucher.

400 deutsche Unternehmen in Malaysia

Rund 400 deutsche Unternehmen sind im Land. Zu den Erfolgsgeschichten gehöre der hessische Mittelständler Döka, der Test- und Verpackungsmaschinen für Kondome und medizinische Handschuhe herstellt. Allianz ist der größte Sachversicherer. Deutschland ist mit einem Außenhandelsvolumen von rund zehn Milliarden Euro der wichtigste Handelspartner in der EU.

Vor zwei Jahren warnte die Weltbank Malaysia vor „Brain drain“ – die Abwanderung gebildeter Landsleute. Das hat unter anderem mit Privilegien bei Regierungsaufträgen und Ausbildungsplätzen für die lange in der Wirtschaft wenig repräsentierte Bevölkerungsmehrheit der Malaien zu tun. Chinesisch- und indischstämmige Einwohner fühlen sich manchmal als Bürger zweiter Klasse. 275 000 bestens ausgebildete Malaysier lebten 2010 im Ausland. Die Regierung hat deshalb die Agentur TalentCorp eingerichtet. Sie lockt Landsleute unter anderem mit Steuergeschenken, in die Heimat zurückzukehren.

Es gibt auch Vorschriften über Mindestbeteiligungen für Malaien an Firmen. Bestimmte Sektoren sind ihnen vorbehalten. „Ein Riesenthema bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU“, sagt Stedtfeld. Daran werde gearbeitet. Korruption ist ein Thema, das aber vor allem öffentliche Ausschreibungen betrifft. Auf der Liste von Transparency International der „sauberen“ Länder rutschte Malaysia 2011 vom 56. auf den 60. Platz. Deutschland ist Nummer 14. „Für den typischen Investor spielt Korruption keine Rolle“, sagt Stedtfeld. Verwaltungsabläufe, Ein- und Ausfuhr seien sauber.

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