Unternehmen Mamiiii! Will ’n Eis!

Neue Sorte: Weiße Schokolade mit gerösteten Haselnüssen und Himbeeren gibt es in diesem Sommer an jeder Ecke. Eisdielen tun gern so, als sei es ihr eigenes Eis. Aber: Die Sorte produziert die kleine Firma Paradies Eis. Und zwar für alle.

Gelatiere

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Paradies Eis Hamburg. Wenn’s muss, und für Messen muss es manchmal, gibt es Eis in Baumaschinenfarben: Blau, Orange, Grau. Axel Steen, früher Kreuzfahrtschiffer, ist seit elf Jahren Gelatiere auf dem Festland. 14 Mitarbeiter im ­Sommer, drei im Winter. Da erfindet er neue Sorten, 50 hat er im Angebot

Waffelhörnchen

Backring Nord E. May Hamburg. Die Firma produziert Eistüten als Hippen­gebäck aus Zucker, Ei, Butter, Mehl. Der Teig, die Hippe, so der Fachausdruck aus Österreich, wird in der Maschine automatisch um einen Rolldorn, ein glühendes Metall, gewickelt und so gebacken.

Zucker

Nordzucker Braunschweig. Ist ziemlich unwichtig für Eis, sagt Gelatiere Steen. 16?292 Bauern liefern Rüben, Nord­zucker kocht daraus Kristallzucker und liefert in Säcken.

Milch und Sahne

Hof Kruse Rellingen. Milch und Sahne sind die wichtigsten Zutaten für cremiges Eis. Bäuerin Ute Kruse sagt, das Futter, Rellinger Gras, mache den Unterschied. Und: Die Milch der 200 schwarzbunten Kühe kommt in die hofeigene Molkerei, wird pasteurisiert, aber, anders als üblich, nicht homogenisiert. Kruse-Milch hat über vier Prozent Fett, die Sahne über 40.

Karton (nicht sichtbar)

Norddeutsche Pappscheiben-Fabrik Stapelfeld. Gehört Familie Synatschke. Machte früher Pappverschlüsse für Milchflaschen, heute Kartons, um ­Paradies-Eis inkognito in die Eisdielen zu bringen. Käufer sollen nicht sehen, dass nicht vor Ort produziert wird.

Dextrose

Ferdinand Kreutzer Sabamühle Nürnberg. 1869 begann Eduard Kreutzer mit dem Handel von Bonbonsirup. Seit 1979 kooperiert Kreutzer mit der Sabamühle der Familie Frank, der inzwischen die ganze Firma gehört. Traubenzucker wird schneller aufgenommen als Zucker, er sorgt für das schnelle süße Gefühl im Mund.

Gastrowanne (nicht sichtbar)

Innova Kassel. Der Verpackungsspezialist baut für die Tiefkühltruhen in Supermärkten Mini­becher und für Eisdielentheken fünf Liter fassende Gastrowannen. Die sind aus Polystyrol, ­sehen aber wegen des Chromfinishs, eines aufgespritzten Überzugs, wie Metallbehälter aus.

Weiße Schokolade

Schwartau Bad Schwartau. Teil des Oetker-Imperiums. 800 Mitarbeiter machen Konfitüre, aber auch den weißen Stoff, der eigentlich schwarz sein müsste. Ist er nicht, weil kein Kakao, nur Kakaobutter reinkommt.

Himbeeren

Alfru Industriefrucht Rellingen. Kauft pürierte Himbeeren in Osteuropa, die lagern mit anderen Früchten im eigenen Riesenkühlhaus. Liefert 25-Kilo-Packungen just in time in die Eisfabrik. Andere Kunden produzieren Likör, Joghurt, Kosmetik. Vor 21 Jahren von Andreas Altermann gegründet. Der hat ein zweites Standbein: Alfru IT, einen Computerdienstleister.

Haselnüsse

Backring Nord E. May Hamburg. Hat 14?000 Artikel im Angebot für Bäcker und andere Nahrungshersteller. Und eine extra Eiszulieferabteilung. War lang in Familien­besitz, seit 1990 Tochter von Bartels-Langness, Kiel, dem Besitzer der Famila-Märkte. Piemont-Haselnüsse kauft der Backring zerkleinert und geröstet in Italien.

Verdickungsmittel (nicht sichtbar)

Welding Hamburg. „Warmes Mundgefühl“ bei Eis? Klingt ­komisch, ist aber wichtig. E412 und E417 sind weiße Pulver, gemahlene Samen der Guarbohne aus Indien und des Tara-Strauchs aus Peru. Das Handelshaus, 1955 gegründet, gehört der Gründerfamilie. 120 Mitarbeiter machen 225 Mio. Euro Umsatz im Jahr mit Grundstoffen für Pharmakonzerne, Aminosäuren für Tierfutterhersteller und mit Medikamentenhandel.

Eismaschine (nicht sichtbar)

Carpigiani Bologna. Der Italo­faktor. 1946 gegründet, unangefochten Weltmarktführer für Speiseeismaschinen. Bis 1989 in Familienbesitz, nun Teil der Ali Group, des weltgrößten Lebensmittelmaschinenbauers. Steen hat den kompletten ­Maschinenpark dort gekauft, in Industrieversionen für Fruchteis, Sorbet und Milcheis.

Kältetechnik (nicht sichtbar)

Hamburger Kältetechnik Hamburg. Stefan Bellack und Alexander Keil haben den ­Anlagenbauer vor fünf Jahren gegründet. Acht Mitarbeiter warten auch: Letztens brachten sie blitzschnell Steens Eisproduktion wieder zum Laufen. Meist brechen Isolatoren oder Kurbelwellen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 06/2011.

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