Unternehmen MAN strotzt vor Kraft, Lufthansa großzügig

Der Münchner MAN-Konzern präsentiert deutlich bessere Zahlen als erwartet. Dennoch bricht die Aktie ein. Bei der Lufthansa haben Anleger Grund zur Freude. Wer sonst noch Zahlen vorlegte, zeigt unser Überblick.

Am heutigen Donnerstag legt eine Reihe wichtiger Unternehmem Quartalszahlen vor. Zwar sind einige Eckdaten bekannt. Aber die Meldungen zeigen: Es bleiben doch noch einige Überraschungen. Der DAX jedenfalls lässt sich antreiben.

Die Branche profitiert derzeit davon, dass in Folge der Konjunkturerholung die Energiepreise angezogen haben: Rohöl verteuerte sich im dritten Quartal zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent, Erdgas sogar um 29 Prozent.

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So konnte der drittgrößte US-Ölkonzern ConocoPhillips seinen Gewinns im abgelaufenen Quartal dank höherer Öl- und Gaspreise mehr als verdoppeln. Beim US-Weltmarktführer Exxon Mobil, dessen Zahlen im Tagesverlauf erwartet wurden, erwarten Branchenexperten ein Gewinnplus von 53 Prozent.

Lufthansa: Dividende für 2010

Deutschlands größte Fluglinie rechnet nach einem deutlichen operativen Gewinnzuwachs im laufenden Jahr 2011 mit einem weiteren Ergebnisanstieg. Sollten die Treibstoffpreise nicht übermäßig steigen oder die Flugsteuer in Deutschland die Nachfrage stark dämpfen, werde sich das Ergebnis „weiter positiv entwickeln“, teilte die Lufthansa mit. Aktien der Fluglinie gewannen gut 1,2 Pozent.

Allerdings erwartet Finanzchef Stephan Gemkow, dass die Kerosinpreise 2011 weiter klettern. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Treibstoffaufwand von 5,2 Mrd. Euro.

Für dieses Jahr peilt die Airline einen operativen Gewinn von mehr als 800 Mio. Euro an. Das hatte die Lufthansa schon am Vorabend mitgeteilt. Voraussichtlich soll für 2010 wieder eine Dividende ausgeschüttet werden.

BASF: Ausschüttung wird erhöht

Das boomende Chemiegeschäft hat dem Branchenprimus BASF auch im traditionell schwächeren Sommerquartal einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Der Überschuss von Juli bis Ende September stieg um 1 Mrd. auf 1,2 Mrd. Euro, teilte der Ludwigshafener Konzern am Donnerstag mit.

Vor allem das Chemiegeschäft brummte, aber auch die zuletzt etwas schwächelnden Agrochemiesparte steiegerte den Umsatz deutlich. „Wir erwarten, dass wir eine hohe Prämie auf unsere Kapitalkosten verdienen und deshalb die Dividende erhöhen werden“, teilte BASF mit. Für das vergangene Jahr hatte das Unternehmen seine Ausschüttung an die Anleger noch gekürzt.

Für das Jahr 2010 peilt das im DAX notierte Unternehmen beim Umsatz rund 63 Mrd. Euro an und damit rund ein Viertel mehr als im Krisenjahr 2009. Beim Betriebsergebnis vor Sondereffekten werden mehr als 8 Mrd. Euro angestrebt. Damit würden die bisherigen Rekordwerte aus den Jahren 2007 und 2008 übertroffen.

Im vergangenen Jahr hatte BASF einen kräftigen Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten. Der Konzern hatte bereits vor gut einer Woche vorläufige Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt.

Die Konjunkturerholung hat den Gewinn von Bayer im dritten Quartal kräftig angeschoben. Vor allem dank eines florierenden Kunststoffgeschäfts nahm der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sonderposten binnen Jahresfrist um 10,5 Prozent auf knapp 1,7 Mrd. Euro zu. Das teilte Bayer am Donnerstag in Leverkusen mit.

Damit lag der Konzern über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit rund 1,6 Mrd. Euro gerechnet hatten. Bayer setzte im Zeitraum Juli bis September 8,6 Mrd.- ein Plus von 16,1 Prozent. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 280 Mio. Euro, was 12,4 Prozent mehr ist als vor Jahresfrist.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Konzernchef Marijn Dekkers frühere Prognosen, die einen um Sondereinflüsse bereinigten Anstieg des Ebitda auf mehr als 7 Mrd. Euro vorsehen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie solle um über 15 Prozent zulegen. Beim Umsatz erwartet das Management in diesem Jahr weiter einen um Währungsschwankungen sowie um Zu- und Verkäufe bereinigten Anstieg von mehr als fünf Prozent.

Elektrokonzern ABB: Erholung läuft schneller

Der Schweizer Elektrokonzern ABB kommt angesichts der Erholung seiner Industriekunden immer schneller aus der Krise. Der Siemens-Rivale übertraf mit seinen Zahlen zum dritten Quartal deutlich die Erwartungen der Analysten.

Der Umsatz sei im abgelaufenen Vierteljahr erstmals seit fünf Quartalen wieder gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Die Einnahmen seien währungsbereinigt verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 2 Prozent auf 7,9 Mrd. Dollar geklettert. Der operative Gewinn (Ebit) ging allerdings um ein Fünftel auf 1,16 Mrd. Dollar zurück, da der Konzern im Vorjahresquartal Rückstellungen von 380 Mio. Dollar aufgelöst hatte. Der Überschuss schrumpfte daher auch auf 774 Mio. Dollar von zuvor gut 1 Mrd. Dollar.

MAN: Prognose kräftig angehoben

Der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN profitiert von der Wirtschaftserholung und hebt seine Prognose für das Gesamtjahr an. Der Umsatz solle nun um mehr als 20 Prozent steigen, teilte der Münchner DAX-Konzern mit.

MAN hatte zuvor ein Umsatzplus von mindestens zehn Prozent in Aussicht gestellt, eine wesentlich bessere Entwicklung aber schon angedeutet. Von Januar bis September betrug das Plus bei den Erlösen 20 Prozent auf 10,5 Mrd. Euro. Die Umsatzrendite im Gesamtjahr soll nun auf dem Niveau der ersten neun Monate – 6,9 Prozent – liegen.

Im dritten Quartal schnitt der Konzern überraschend gut ab: Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf rund 3,8 Mrd. Euro, der Überschuss vervielfachte sich auf 180 Mio. Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten mit Erlösen von etwa 3,7 Mrd. Euro und einem Nettogewinn von 162 Mio. gerechnet.

Die MAN-Aktie fiel nach anfänglichen Gewinnen im Laufe des Vormittags tief in die Verlustzone und war 2,6 Prozent weniger wert als am Vortag. Ein Börsianer bemängelte gegenüber Reuters die geringere Dynamik beim Wachstum des Auftragseingangs im dritten Quartal.

Das nähmen einige Anleger zum Anlass, die Gewinne einzustecken. MAN-Aktien haben seit Jahresbeginn rund 50 Prozent und damit fast fünf Mal so stark wie der Dax zugelegt. Ansonsten sei in den Zahlen kein Haken zu finden, sagte ein Händler.

Zahlungsabwickler Wirecard: Online-Handel treibt Geschäfte an

Der Trend zum Einkauf im Internet beflügelt den Zahlungsverkehrsabwickler Wirecard. Im dritten Quartal erhöhte sich der Umsatz um 18 Prozent auf 71 Mio. Euro, das operative Ergebnis (Ebit) kletterte um 17 Prozent auf 18 Mio. Euro, teilte das Unternehmen in München mit.

Wirecard bietet Dienstleistungen für Online-Händler an. Der Vorstand bekräftigte die Prognose für das laufende Jahr. Demnach soll das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 70 bis 75 Mio. Euro steigen. Nach den ersten neun Monaten sind es knapp 53 Mio. Euro. An der Börse waren Wirecard-Aktien gefragt und verteuerten sich um 1,7 Prozent auf 10,45 Euro.

Seit Ende März stieg der Kurs um mehr als das Doppelte – vor allem, weil das Unternahmen nach zahlreichen anderen Zusammenschlüssen in der Branche als Übernahmekandidat gilt. Weitere Details zum Quartal sollen am 18. November veröffentlicht werden.

In den ersten sechs Monaten von April bis September steigerte das Unternehmen seinen operativen Gewinn allerdings kräftiger als am Markt erwartet auf umgerechnet 387 Mio. Euro (43,5 Mrd. Yen). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte es ein minimalen Plus von umgerechnet 14 Mio. Euro gegeben.

Sharp und den anderen exportorientierten Elektronikkonzernen in Japan setzt auch der jüngste Höhenflug des Yen zu, der ihre Waren im Ausland verteuerte. Bei Sharp macht das internationale Geschäft 50 Prozent des Umsatzes aus. Der Yen war kürzlich zum Dollar auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen.

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