Unternehmen Maschinenbauer wollen neue Jobs schaffen

Im vergangenen Jahr stellten die deutschen Maschinenbauer 35.000 neue Mitarbeiter ein. Auch dieses Jahr wird das Personal aufgestockt, allerdings nicht in dem Maße wie 2011. Allein 8000 Ingenieure werden derzeit gesucht.

Die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Maschinenbaubranche will auch in diesem Jahr zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. „Ich rechne damit, dass es über das Jahr gesehen einen moderaten Jobaufbau geben wird“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse, in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. So viele wie 2011, als die Firmen 35.000 zusätzliche Mitarbeiter einstellten, würden es wohl nicht. „Ich gehe aber davon aus, dass es mehrere tausend in diesem Jahr sein werden. Und dann gucken wir mal weiter.“ Sorge bereit den Unternehmen der zunehmende Mangel an Ingenieure und Facharbeitern.

Die Branche, zu der neben vielen Mittelständlern auch börsenotierten Unternehmen wie ThyssenKrupp, Gea oder Gildemeister gehören, beschäftigt in Deutschland derzeit rund 962.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen etwa 60.000 Zeitarbeiter. Im Ausland beschäftigten die deutschen Firmen rund 350.000 Mitarbeiter.

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„Ich rechne damit, dass 2013 ein gutes bis sehr gutes Jahr für den Maschinenbau werden könnte“, sagte Hesse am Rande der Hannover Messe. Die Produktion werde zwar in diesem Jahr wohl stagnieren, in der zweiten Jahreshälfte erwarte er aber steigende Auftragseingänge. Dies wirke sich auch auf die Beschäftigungszahlen aus. „Wenn man einen kriegt, nimmt man ihn.“ Deutschland ist Exportweltmeister in Maschinenbau und profitiert vor allem von der starken Nachfrage in China – dem diesjährigen Partnerland der Industrieschau in Hannover.

Für die Unternehmen wird es zunehmend schwierig, Ingenieure und Facharbeiter zu finden. „Wir haben momentan rund 16.000 offene Stellen im Maschinenbau. Davon die Hälfte Ingenieure, und die sind nun wirklich nicht zu bekommen“, erläutert Hesse. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schätzt, dass insgesamt in Deutschland über 110.000 Ingenieure fehlen. Das Problem des Ingenieur- und Facharbeitermangels werde in den kommenden Jahren zunehmen. „Durch die Altersstruktur der Bevölkerung stehen wir vor der Situation, dass immer mehr ausscheiden.“ Zudem müssten immer mehr familienfreundliche Modelle entwickelt werden, wozu zahlenmäßig mehr Mitarbeiter gebraucht würden.

Manche Großunternehmen sind noch in einer bequemen Lage, stellen sich aber bereits auf Schwierigkeiten ein. „Wir sehen im Moment bei ThyssenKrupp noch keinen Mangel“, sagte etwa kürzlich Konzernchef Heinrich Hiesinger. „Die Menschen, die in Dortmund, Bochum oder Duisburg-Essen studieren, sind in der Regel sehr regional verbunden und haben ThyssenKrupp als einen Arbeitgeber, den sie sich wünschen.“ Allein schon aus demografischen Gründen werde sich die Lage aber verschärfen.

Die mittelständischen Maschinenbauer konkurrieren nicht nur mit der Industrie, auch ihr Standort macht vielen Firmen die Suche schwerer. „Die Vielzahl der Maschinenbauunternehmen sitzen in relativ kleinen Städten bis hin zu Dörfern“, erläutert Hesse. Die Firmen reagierten darauf, in dem sie die Jobangebote attraktiver machten. „Viele Unternehmen bieten für die Mitarbeiter Haltestrukturen an.“ Hierzu gehörten attraktive Grundstückspreise oder Unterstützung beim Bauen. Auch vernünftige Kindergärten, Zuschüsse zu Schulen oder zusätzliche Ausbildungswege würden angeboten. „Man muss ein Gesamtpaket an Attraktivitäten bilden, die eine kleine Stadt auf das gleiche Niveau hebt wie eine größere Stadt.“

Für die Stellenangebote greifen die Firmen auch verstärkt auf moderne Kommunikationsmittel zurück. „Die Unternehmen nutzen immer mehr soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter.“ Zudem versuchen die Unternehmen verstärkt, Frauen für die Jobs zu begeistern. „Wir haben immer noch die Situation, dass bei Ingenieuren die Anfängerzahlen bei 47.500 liegen, davon sind 8.500 Frauen, also 20 Prozent.“ Um den Ingenieursmangel abzubauen, müsse auch dringend die Zahl der Studienabbrecher reduziert werden. „Wir haben in den Ingenieurswissenschaften eine Studienabbrecherquote von etwa 50 Prozent. Das sind einige Prozent zu viel.“

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